Clueso will schon seit einigen Jahren keine Hits mehr schreiben. Trotzdem verkauft sich jedes neue Album wahnsinnig erfolgreich, und sicherlich wird auch „Deja Vu 1/2“, der erste Teil seines Doppel-Albums, da keine Ausnahme bilden.

Da die Forderung im ersten Song nicht lautet „Gib mir etwas Außergewöhnliches“, sondern nur „Irgendetwas das echt ist / Irgendwas das ich fühlen kann“, kann der Erfurter Sänger diesen selbst gesetzten Ansprüchen auch gerecht werden.

Was man dem zehnten Album außerdem lassen muss: Thematisch ist es ziemlich breit aufgestellt. Für jede Lebenslage findet sich hier ein Song: Depression, Trennung, Sex, Wiedersehen mit alten Freunden. Und natürlich der Tagtraum vom eigenen kleinen „Plattenladen“ – wenn man nicht so sein will wie die anderen Jungs.

Als einziger roter Faden zieht sich ein ehrlicher, unschuldig-verspielter Umgang mit den Themen durch die 14 Titel. Nur dadurch lassen sich die kitschigen bis furchtbaren Zeilen („Will mich verkrümeln wie Leibniz“) überhaupt verzeihen.

Manchmal entsteht dabei aber auch Ungeahntes: Solche Gemeinheiten wie den Trennungssong „Deja Vu“ ist man von Clueso gar nicht gewohnt. „Ich wünsch‘ mir / dass du ohne mich nicht glücklich bist / dass alles Neue nur ein Rückschritt ist /[…] dass alles gut ist, aber etwas fehlt“.

„Minimum“ ist in seiner Botschaft, sich eben nicht mit dem Minimum zufrieden zu geben, Cluesos Mutter gewidmet. „Ballon“ hingegen erzählt von seinem Vater, der in jeder Situation immer einen Witz und ein Lied parat hat. Der eine Song läuft energetisch, der andere einfühlsam, aber beide auf ihre Art melancholisch. Dieser Kontrast bleibt das Beste an „Deja Vu 1/2“.

Der zweite Teil dieses Doppelalbums soll irgendwann im Laufe des Jahres noch folgen. Hier vorab ein paar Spekulationen dazu:

Es wird genug verschiedene Identifikationsflächen bieten, dass jede*r Hörer*in mindestens einen Song nachfühlen kann. Der Großteil wird aus zahmen bis schmalzigen Songs mit viel Akustikgitarre bestehen und zumindest die treuesten Fans bedienen. Ein Song zum Feiern, einer zum Beziehungsende und ein emotionales Highlight.

Also fast alles wie bei Teil eins.

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