Wenn man wüsste, wie und wann man sterben wird, wie würde das die eigenen Entscheidungen beeinflussen? An dieser allzu philosophischen Frage haben sich schon manche Künstler verhoben. Mit Jacob Allen alias Puma Blue kommt einer mehr dazu.
Der in Südlondon geborene und inzwischen in Atlanta lebende Songwriter, Multiinstrumentalist und Produzent versucht dieser Frage auf seinem neuen Album „Croak Dream“ vor allem mit futuristischer Komplexität zu begegnen. Derangierte LoFi-Elektronik trifft auf R&B, Jazz und Trip-Hop und franst dabei an allen Ecken und Enden aus.
Dass man solche Themen nicht mit Reißbrett-Songs anfasst, liegt auf der Hand. Wer das herausfordernde „Croak Dream“ hört, ist danach aber so schlau wie zuvor. Deshalb empfiehlt es sich zwei Schritte zurückzutreten und die Erwartungshaltung neu zu justieren.
Dann lässt sich zwischen den umwundenen Strukturen ein an Radiohead geschultes Falsett erkennen, mit dem Puma Blue zweifellos Unterhaltungswert besitzt. Wobei er das Tempo flexibel hält:
Ob bei einer dubbigen Vorwärtsbeweung wie dem Titeltrack oder im balladesken „Heaven Above, Hell Below“ – wo auch immer er sich Leitblanken gibt, ist Puma Blue am besten.
Gleichzeit liegt hier auch sein größtes Manko begraben. Kaum ist man mit einer Stimmung firm, reist einem der nächste Song, oder gar der nächste Part komplett in eine andere Richtung.
Die meisten Stücke bewegen sich deshalb nicht zwingend ungelenk, sie scheinen vielmehr nur aus Gelenken zu bestehen und verhalten sich wie sogenannte Chaosmaschinen. Einmal angestoßen, beschreiten sie unvorhersehbare Rotationen um ihre eigenen, vielfach vorhandenen Achsen. Was ihnen fehlt ist Struktur und Richtung.
Das haben ihm seine Einflussgeber Portishead, Radiohead oder John Frusciante voraus. Letzterer freilich nur auf ausgewiesenen Platten. Doch Puma Blue vollzieht Wendungen und Stilwechsel, die er als Epigone bei seinen Vorbildern in aller Regel über mehrere Alben verstreut findet, nicht jedoch innerhalb von 40 Minuten.
