Paul Janeway und seine Kapelle St. Paul & The Broken Bones, sind nach Ihrem Stelldichein auf dem Elbjazz Festival 2024 erneut nach Hamburg gekommen. Dieses mal aber – geschützt vor Wind und Hamburger Schietwetter – in den Mojo Club.
Die aus Alabama stammende Band zeigte dabei am gestrigen Samstagabend, dass sie nicht nur von Paul Janeways voluminösen, gospelartigen Gesang und seinen exzentrischen Bühnenoutfits lebt.
Das aktuelle Album bewegt sich auch ein wenig weg vom Neo- und Southern Soul der Vorgänger. Doch hält sich der Sixties-Soulgroove hartnäckig im Klangkosmos der achtköpfigen Band, die unter anderem schon für die Rolling Stones eröffnet hat.
Die poporientierten, reduziert funkigen Titel des aktuellen Albums vermengen sich mit den starken Soulaspekten von Titeln wie „Apollo“ zu einem Liveerlebnis der besonderen Art.
Bis zum obersten Rand gefüllt, war der Hamburger Mojo Club, als pünktlich um 20:00 Uhr der britische Soulsänger MT Jones begann und erste Songs aus seinem im März erscheinenden Debütalbum „Joy“ vorstellte. Mit einer sehr an Paolo Nutini erinnernden Stimme und croonend galantem Soul, erhitzten seine Titel wie „I Don`t Understand“ die gespannte Atmosphäre.
Dann begann der Hauptact; unterstützt von der hervorragenden Akustik im modernen Hamburger Kellerclub, kamen St. Paul & The Broken Bones ihrem guten Ruf nach, eine der mitreißendsten Livebands des Planeten zu sein.
Frontmann Paul Janeway schwankte zwischen den Extremen aus inbrünstigem Soulgesang, predigendem Croonen und einem emotionalen Breakdown.
Mitfiebernd, mitfeiernd und mitleidend gaben sich Teile des Publikums schnell der Stimmung hin. Ausgelassen feiernd bei „Ooo-Wee“, tänzelnd schäkernd bei „Sushi And Coca-Cola“ oder die Liebe feiernd mit „Apollo“.
Dass Janeway eine besondere Beziehung zu seinem pailettenverzierten Bühnenoutfit hat, bewies er nicht nur als Soulprediger im zweiten Teil des eineinhalbstündigen Konzerts, auch lies er seinen Liebesfrust am eigenen Schuhwerk aus. Dass dieser Mann fühlt, was er singt, beweist er also nicht nur mit seiner grandios voluminösen Stimme, die sich ab und zu Auszeiten gönnte.
In denen konnte der Rest der Band glänzen, deren Bläserfraktion das ein oder andere Solo spielen durfte. Und auch die funkigen Interludes hielten das Publikum bei Laune, bis Janeway seine Stimmbänder wieder geölt hatte.
Gut, dass sich die Band nicht, wie ursprünglich 2012 mal vorgesehen, aufgelöst hatte, denn St. Paul & The Broken Bones haben das nasskalte Hamburg gestern Abend zu einem Hotspot des Soul verwandelt.
Nicht nur die Band hatte spürbar Spielfreude, auch die Zuschauer*innen waren schnell mit der Tanzfreude infiziert. So war die knackig, etwas zu kurz geratene Zugabe ein wenig enttäuschend. Der Abend hätte durchaus noch länger dauern dürfen.



