Ein guter James-Bond-Film lebt von Spannung, packenden Action-Szenen und dem Gefühl, dass zwischen Weltuntergang und Erlösung nur ein schmaler Grat liegt. Ähnliches lässt sich auch über „Purpur“ sagen, das neue Album des Berliner Musikprojekts ZAHN.

Wie schon auf den beiden Vorgängerwerken verzichten Chris Breuer, Nic Stockmann und der zuletzt als Tour-Gitarrist mit Tocotronic aufgetretene Felix Gebhard auf sämtliche Lyrics. Geschichten, so scheint das Trio beweisen zu wollen, brauchen keine Texte.

Dies wird sogleich im Eröffnungsstück „Stroboskop“ ersichtlich, das bereits den düsteren Grundton des Albums setzt. Doch neben einer sich schwer über uns ausbreitenden Dunkelheit scheinen hier bereits erste grelle Lichtblitze die Szenerie auszuleuchten.

Es geht voran, zweifellos. Auch die folgenden Nummern, das mystische „Gensher“ und das ins Brachiale fallende „Diaabend“ treiben uns mit bedrohlich und heftig angeschlagenen Gitarren weiter hinein ins tiefe Dunkel. Purpur, so dämmert es uns, ist hier gar nichts.

Ein wenig zurückhaltender zeigen sich ZAHN auf „Solex“. Hier hält sich das Gitarrenspiel zugunsten eines Geflechts aus Synthesizern im Hintergrund. Der hier zelebrierte Sound zeigt die Offenheit des Trios fürs Elektronisch-Künstliche. Das mitschwingende, diffuse Bedrohungsgefühl wird dabei aber nie ganz abgeschüttelt.

Doch dies ist wohl auch kaum gewollt. Schließlich spielt der Song auf den James-Bond-Film „Der Mann mit dem goldenen Colt“ (1974) an, in dem „Solex“ ein hochwirksames technisches Gerät darstellt, mit dessen Hilfe sämtliche Energiekrisen Geschichte sind. Ein Gerät – und hier kann uns höchstens 007 noch helfen – das besser nicht in falsche Hände gelangt.

Wer auf Entspannung hofft, wird von Breuer, Gebhard und Stockmann enttäuscht. Auch tänzelnde Sequenzen, wie etwa in „Alhambra“, werden rasch von einer herannahenden Welle der Gefahr niedergedrückt. Und auch das abschließende „Butter“ bietet uns statt Happy End vielmehr ein Vorgefühl der Apokalypse.

Wer Instrumentalmusik mit Hintergrundmusik verwechselt, wird auf dem neuen Werk von ZAHN eines Besseren belehrt. „Purpur“ gleicht einem Kinofilm – ein Thriller, nach dessen Ende wir atemlos durch die dunkle Nacht nach Hause taumeln.

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Album

ZAHN – Adria

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