„The Wake“, das neue Album von Foy Vance, ist das Resümee einer langen Reise. Einer Reise, die 2006 begann, die viele Höhepunkte zu bieten hat, aber auch Momenten voller Reflektion und Kampf um Akzeptanz.
Der Emmy Gewinner Foy Vance, veröffentlicht mit seinem siebten Album auch ein Resümee seines unermüdlichen Schaffens. Gemeinsam mit Ethan Jones hat der Nordire 13 Titel produziert, die von der überbordenden Emotionalität und kraftvollen Stimme leben.
Foy Vance hat bereits mit Elton John und Ed Sheeran an Songs gearbeitet, verantwortet unter anderem „Galway Girl“ und auch weitere Hits von Alicia Keys und Keith Urban. So verwundert es nicht, dass auf „The Wake“ ein breites Soundspektrum von Folk über Blues bis Soul zu finden ist.
Foy Vance ist bekannt für seine dramaturgische Emotionalität, die er auf „The Wake“ auch um das Spiel mit instrumentaler Dynamik verfeinert.
Bereits der bluesig inthronisierte Opener „a.i.“ steigert sich über neun Minuten Spielzeit zu einem U2-esken Breitwandrockdrama. Zunächst festgebissen an Vances bräsiger Stimme wird der Refrain zum Gospelchor und verschwört sich gemeinsam mit den Verstärkern zur Souloper.
Soviel Wucht und instrumentale Dominanz ist man von Vances bisherigen Werken nicht gewöhnt, weshalb das folgende „Hi, I’m The Preacher’s Son“ altbekannte akustische Wege beschreitet. Hier beklagt er seinen Werdegang mit unverkennbarer Stimme, kraftvoll und doch kehlig näselnd hängt er an den schwingenden Bluesgitarren und betritt im späteren Verlauf gemeinsam mit der Orgel auch Kirchengründe.
„I… Preferred The Question“ wird von der Percussion in höhere Weihen gehoben. Ein klassischer Foy-Vance-Song. Akustik, die seinen emotionalen Ausbrüchen Raum bietet, dabei dennoch die Dynamik des Titels steuert und den Hörenden Gelegenheit bietet, die Antworten zu finden, die Foy Vance sich selbst nicht beantworten möchte.
Neben „a.i.“ einer der Höhepunkte des Albums ist die akustische Ballade „We Almost Made It“. Ein verträumt an Neil Youngs beste Momente erinnernder Titel, der mit Vances ganz eigener Art von Selbstkritik die vergangenen Zeiten und vertanen Möglichkeiten beklagt. Wundersam, wie das lockere Saitenspiel auf Vances harte Stimme trifft, die an der Gefühlslage bricht.
Dass Foy Vance ein klassischer travellin‘ man ist, merkt man daran, dass er Songs in Ihrer Entstehung auch mal live vor Publikum spielt. So wurde auch die stille Ballade „I’m Not Celebrating“ bereits live gespielt, bevor sie nun auf „The Wake“ wiederzufinden ist.
„Ever…s Just Coming For You“ überrascht mit neuer Tonlage und wimmerndem Gesang auf reduzierter Begleitung. Ein stiller Moment des Innehaltens, den auch das anschließende „Call Me Anytime“ in versöhnlicher Stimmung beibehält.
„The Wake“ aber spielt seine Stärken in den wachen Momenten aus, wenn zum Beispiel der Gospel in den Folk von „I Ain’t Sold On Time“ fährt oder smoother Jazz den Rhythmus von „Money“ zum souligen Schmelz auf Foys Gesang werden lässt.
Oder wenn die „Sleazy Bastards“ sich als akustisch eben solche offenbaren, dieer zunächst lieblich-säuselnd im Kontrabassreigen suhlen, bevor die Worte der Erkenntnis ins Gehör dringen.
Dritter Anspieltip ist „Fiberoptic Love“, dessen Pianospiel mit Orgelbegleitung irgendwo zwischen schwermütigem sonntäglichem Kirchgang und dem Durchdrungensein der Liebe zu einem kraftstrotzenden Refrain anwächst.
„When… At The Right Time“ ist schwerfällig in Erzähllaune und bereitet den Closer „Bathed In Light“ vor. Eine mehrstimmige Soulnummer, die voll orgelndem Übermut, fußwippender Rhythmik und näselnder Stimme ab und an in den Country abgleitet.
Als Resümee von Foy Vances Werdegang ist „The Wake“ auch als musikalisches Erwachen zu verstehen. So finden sich unterschiedlichste Stileinflüsse zusammen, um doch typische Vance-Songs zu werden – gefühlvolle, das Leben reflektierende Titel, die mit emotionaler Theatralik inszeniert dem Soul- und Blues Leben einhauchen.
