Ohne Grund sind Awareness-Teams bei den meisten Konzerten nicht unterwegs und das Codewort „Wo geht’s nach Panama?“ ist zwar nicht ausschließlich, aber vorzugsweise dann gefragt, wenn die toxische Melange aus Testosteron und Alkohol Übergriffigkeit Vorschub leistet.

K.I.Z schenken Mädels traditionell zum Weltfrauentag eine Ladys-Night, tausende folgten am gestrigen Sonntag der Einladung von Tarek, Nico und Maxim zum „Nur-für-Frauen“-Abend in den ausverkauften Safe Space Uber Arena, in der ein Hahnenkampf damit physisch ausgeschlossen war.

Vorab macht sich die Halle mit Domiziana warm, die wie Ikkimel an vorderster Front der weiblichen Selbstbestimmung unmissverständlich darin ist, dass sich Männer bestenfalls als Krümel auf dem Kuchenbasar jedweder Party bewerben können.

„Katholisch Erzogen“ im knappen Glitzeroutfit, teilt sie die – aufforderungsgemäß nun sonnenbebrillte – Menge in „Dolce“ und „Vita“, sorgt mit „Amore“ und „Ohne Benzin“ für Bewegung und erinnert daran, dass es genügend Geschlechtsgenossinnen gibt, die nicht das Privileg haben, den 8. März in Würde zu begehen.

Kurz nach 20:00 Uhr geht das Licht aus, der Bass drückt und der „VIP In Der Psychiatrie“ hat seinen Auftritt. Mit „Ehrenlos“ gibt es bald darauf den ersten Moshpit vor der Bühne, wo es in den kommenden zwei Stunden kaum Ruhe geben wird.

Aus gegebenem Anlass haben sich die Protagonisten ankündigungsgemäß schick gemacht, gibt es K.I.Z im Schwanensee-Style – auf den Flügeln des Wassertiers wird später eine Saalrunde gedreht -, Kostüme aus Überzeugung, denn schließlich ist die Begrüßung nach „Urlaub Fürs Gehirn“ dahingehend glaubwürdig, dass man hier und heute „ganz ich sein kann“.

Da wird auch der Gerstensaft weiblich, die Biere geext und mit den anwesenden Schwestern Hit für Hit für einen amtlichen Abriss gesorgt. Die meisten im Berliner Publikum erweisen sich von „Unterfickt Und Geistig Behindert“ über „Görlitzer Park“ bis „Neuruppin“ als textsicher und schicken bei „Rap Über Hass“ schöne Grüße an den Bundeskanzler raus.

Dass es dabei in der großen Halle weniger auf audiophile Finessen, als auf ordentlich Druck aus den Boxen ankommt, versteht sich, wofür Tontechnik und – obwohl Joe sein kurzes Kleid etwas unangenehm ist – ein gassenhauer-gespicktes Drunken Masters DJ-Set sorgen.

K.I.Z rappen rhetorisch die meisten Mitbewerber unter den Tisch, Bling-Bling oder Blut, Schweiß und Tränen-Pathos bleibt ihnen fremd, ihre tief in den Lines verwurzelte Sozial- und Gesellschaftskritik leider zeitlos – „Hurra, Die Welt Geht Unter“ scheint da vor dem Hintergrund eines weiteren Krieges aktuell wahrscheinlicher, als weltweiter „Frieden“.

„Ein Affe Und Ein Pferd“ ist mit großem Ballett das letzte Highlight einer Show, für die als Take-Home-Message gilt: „Es wird Zeit, euer Game upzusetten und die Ellenbogen auszufahren“.

Das gilt nicht nur für die Frauen vor Ort, sondern auch für die, deren gewalttätige Partner auch 2026 vergessen haben, sich ihren Ehrentag im Kalender anzukreuzen.

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