Kraftklub pflegen es, ihre neuen Songs vorab in kleinen Locations auf Live-Kompatibilität zu testen, sympathisch wie die Band selbst, aber im Grunde genommen obsolet. Seit Jahren bringen sie aber auch die ganz großen Hallen an den Rand der kollektiven Ekstase.

Bremen – wo die allererste Konzertreise ihrer Karriere auf einem Schiff begann und am gestrigen Samstag die Tour zu ihrer fünften Album-Ausgabe „Sterben In Karl-Marx-Stadt“ endete – machte keine Ausnahme, der Laden war ausverkauft.

Die Pfandsammler hatten beim Warm-up vor der ÖBV Arena jedenfalls alle Hände voll zu tun, die Stimmung war draußen wie drinnen bereits großartig, als Mia Morgan von Felix Kummer anmoderiert wurde und die Gelegenheit nutzte, ihren „Gruftpop“ samt einer Song-Premiere einer breiteren Masse vorzustellen.

Kurz vor 21:00 Uhr wirkte der Kraftklub-Schriftzug hinter den Musikern fast so monumental wie die Karl-Marx-Plastik in ihrer Heimatstadt, dramatisch das Rot und druckvoll der Sound, als mit dem Opener „Marlboro Mann“ im Konfettiregen alle Dämme brachen.

Textsicher und in fester Symbiose mit den Protagonisten auf der Bühne verbunden, waren alle vom Start weg „Teil Dieser Band“, für jede vom bestens aufgelegten Frontmann angezettelte Choreografie zu begeistern und bedingungslos zu zwei Stunden „Randale“ bereit.

Das Publikum würde im weiteren Verlauf – unter der Diskokugel vereint – „Schief In Jedem Chor“ singen und wiederholt im Takt springend den Boden bis zur Osterwiese nebenan vibrieren lassen.

Der Charismatiker Felix Kummer war dauerhaft im Saal und auf den Rängen unterwegs, verteilte Süßigkeiten, mahnte zu fairem Verhalten im Moshpit, tauchte mit seinen Kollegen – wie immer bei ihren Shows – inmitten des Publikums auf, wo „Kein Liebeslied“ auf Augenhöhe mit den Besucher*innen kurz den Fuß vom Gas nahm, bevor per „Kippenautomat“ und „Chemie Chemie Ya“ der Turbo wieder zündete.

Ihr Support Mia Morgan sang mit ihnen „Kein Gott, Kein Staat, Nur Du“, Deichkind grüßten für „Zeit Aus Dem Fenster“ von der Videowand, das Glücksrad blieb bei „Alles Wegen Dir“ stehen und Steffen Israel zauberte Zigaretten von klein zu groß.

Dazwischen gab es immer wider klare Ansagen – für „Halts Maul Und Spiel“ werden Kraftklub nie die richtigen Adressaten sein. Selbstredend, dass die Jungs vom „Sterben In Karl Marx Stadt“ – für die Platte war vorab die Pole-Position in den Charts fest gebucht – noch weit entfernt sind.

Zum Tourfinale waren weder Routine noch Ermüdungserscheinungen zu erkennen, begeisterten neue Nummern wie Gassenhauer durchgängig, bis am Ende „Songs Für Liam“ die energiegeladene Veranstaltung beendete.

Als die Fans endorphinberauscht den Heimweg antraten, war das Leergut vor der Halle weg. Die Erinnerungen an ein Konzert bleiben, in dem die Band mit dem Underdog-Status wieder mal nicht nur mit ihrer Musik, sondern genauso mit Nahbarkeit und Haltung imponierte.

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