Stille senkt sich über den Saal in der Bonner Bundeskunsthalle, als die beiden Percussionisten Manu Delago und Max ZT zum Spiel ansetzen. Ihre Musik scheint trotz Verstärkung zuerst kaum lauter als die Stille selbst. Jedes andere Geräusch scheint im ganzen Gebäude widerzuhallen – der Boden knarzt unter den Schritten der Platzanweiser, eine Nebelmaschine zischt gequält, und mehrere hundert Zuschauer*innen atmen gespannt auf.
Auch in der vielfältigen Welt der Schlaginstrumente ist diese Konstellation bisher ungewöhnlich: Manu Delago hat sich der Handpan verschrieben, aus denen er fünf bis sechs in Wechsel, teilweise auch gleichzeitig bedient. Max ZT wurde an anderer Stelle bereits als „Jimi Hendrix des Hackbretts“ bezeichnet. Beide zusammen erzeugen Klänge, die nicht aus ihren Instrumenten selbst zu stammen scheinen.
Max ZT bringt sein Instrument zum Schnarren wie eine Sitar, rieselt helle flockige Töne über einen selbstgewebten, diffusen Klangteppich und schneidet dann wieder hindurch, um ein bewegtes Solo hinzulegen.
Von der anderen Seite der Bühne hallt das dumpfe Klatschen von Fingern, Fäusten, weichen Schlägeln und Jazz-Besen auf Metall. Obwohl die Musik bewegt, streckenweise auch ziemlich laut und zackig wird, verharrt das Publikum im anfänglichen Genießer-Modus.
Zwischen den Songs erzählt Delago von ihrem ersten gemeinsamen Album „Deuce“, das Ende Februar erschienen ist. Der Titel bezieht sich unter anderem auf den Gleichstand beim Tennis, denn beide Musiker spielen sich ihre Ideen wie bei einem Match zu. Aus Improvisationen entstehen schließlich neun feine Stücke, die zur Introspektion und Entspannung anregen.
Weitere Hintergrundinformationen sind deutlich amüsanter: Das Album wurde in einer Tiroler Abtei aufgenommen – streng getaktet, um nicht vom regelmäßigen Glockengeläut gestört zu werden.
Über ihren Köpfen prangt gestern Abend auf einer Videoleinwand der Innenraum besagter Abtei, die auch in Videos zum Album zu sehen ist. Während die Musiker darunter, von flackerndem Licht erhellt, geisterhafte Schattenspiele in den Raum werfen, durchläuft die Projektion verschiedene Tageszeiten. Zwischendurch erscheinen auch die Instrumentalisten darin, übereinandergelegt und verschwommen zu einer Einheit.
„Aus Mangel an Material“ stehen neben der Gesamtheit von „Deuce“ noch abgewandelte Solo-Kompositionen auf der Setliste, sowie der Mega-Hit „Zombie“ von The Cranberries.
Da sie für die nächsten Konzerte in England mit dem Schiff fahren müssen, spielen sie mit Céline Dions „My Heart Will Go On“ aus dem „Titanic“-Soundtrack „den wohl berühmtesten Song über ein Boot“ als Zugabe. Erheiterung bricht den meditativen Bann schließlich komplett, als der Song für das Publikum erkennbar wird.
Damit ist das Konzert beendet und bei den Zuschauer*innen kehrt der Mut zum lauten Atmen zurück.




