Dem Stimmungsbild, das The Cure für gewöhnlich in die Musiklandschaft malen, standen The Twilight Sad früh in ihrer Karriere nahe, auch ein Grund, weshalb Robert Smith zum Förderer wurde und die Fans seiner Band irgendwie auch zu Fans der Schotten machte.

The Twilight Sad sind inzwischen als Duo unterwegs, was nicht der prägendste Einschnitt war, der sich in den fünf Jahren nach „It Won/T Be Like This All The Time“ ereignete und in den neuen Stücken auf „It’s The Long Goodbye“ berücksichtigt werden wollte.

Mit „Waiting For The Phone Call“ verarbeitet Sänger James Graham den Tod seiner Mutter, der ihn in einer Phase traf, als sein Lebensweg künstlerisch wie familiär auf die Erfolgsspur eingebogen war – die psychischen Folgen dieses Einschnitts sind in den Grundtenor der neuen Songs einzogen.

Die sechste Ausgabe von The Twilight Sad dreht sich damit im Wesentlichen darum, dass Verlust und Enttäuschung als unfairste Player im Leben unbeschadet davonkommen, die Verlierer mit existenzieller Angst und Resignation zurückbleiben – also „Designed To Lose“, wie es ein Stück auf der Platte entsprechend betitelt.

Musikalisch greift man auf Bewährtes zurück, die Synthieflächen sind ein schwankender, aber dennoch stabiler Boden, die Gitarre von Andy MacFarlane ist der an der Indie-Zapfsäule betankte Motor, der mit dem Retro-Charme eines Verbrenners durch die Arrangements tuckert, in denen der Gesang mit einer emotionalen Amplitude unterwegs ist, die in dieser Breite Tom Smith nicht besser abbilden könnte.

Da wird in „Attemt A Crash Landing – Theme“ das Unglück mit einer  druckvollen Sound-Breitseite zurückgeschlagen, welche die in der Nummer integrierten Keyboard-Schnipsel von der Dark Pop-Stange eigentlich gar nicht nötig haben; kreiert „The Ceiling Underground“ eine atmosphärische Kühle, die sich im Interpol-Umfeld ansiedelt.

Ihr Mentor Robert Smith greift dato für „Dead Flowers“ und „Back To Fourteen“ höchstpersönlich zu den Instrumenten, was den Nummern unausweichlich die Melancholie mit auf den Weg gibt, mit denen er die Popkultur über Jahrzehnte prägte.

Die Melodie von „Inhospitable-Hospitable“ schmeichelt dem Ohr fast zu harmonisch, auch „Chestwound To The Chest“ geht so geschliffen ins Rennen, kann der Track auf der Zielgeraden mit dem energischen Griff in die Saiten noch einmal durch Kratzbürstigkeit punkten.

„TV People Still Throwing TVs At People“ bäumt sich am Ende noch einmal auf, entkommt für dieses Mal dem Nachtmahr und damit dem, was sich James Graham mit dieser Platte von der Seele schreiben wollte: „Get Away From It All“.

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