Zufälle gibt’s! „Pin Ups“ ist nicht das erste Coveralbum des Jahres – ja nicht einmal das erste, auf dem der The-Runaways-Hit „Cherry Bomb“ neu aufgelegt wurde – Mitte Januar schloss das Experimental-Pop-Duo Xiu Xiu eine Cover-Kollektion mit diesem Song ab. Die Indie-Rocker The Dandy Warhols aus Portland, Oregon setzen ebenfalls dort an und legen 17 eigene Rock-Interpretationen vor.
Die Titelliste liest sich wie die Besetzung eines schlechten Witzes, dessen Pointe darin besteht, dass fast alle Beteiligten ihren Zenit bereits überschritten haben: Songs von Marilyn Manson, The Grateful Dead, Bob Dylan und weiteren altbekannten Namen bilden den Pool, aus dem The Dandy Warhols schöpfen.
Wie schon 2024 zum Vorgängeralbum „ROCKMAKER“ konstatiert wurde, ist es nicht mehr die gleiche Band, die vor mittlerweile 26 Jahren diesen einen Hit geschrieben hat, um den es hier ausnahmsweise mal nicht gehen soll.
Das Slacker-Gemüt der Band wurde seitdem so weit übersteigert, dass es jede Ebene der Musik durchdringt. „Von der flirrenden Leichtigkeit ist nichts mehr zu spüren“, trifft auf eine ganz andere Art auch auf „Pin Ups“ zu.
Wie gelangweilt das Album von der ersten Sekunde an klingt, sollte Gespräche über das Wohlbefinden der Musiker*innen auslösen. Geht es ihnen gut? Sollte jemand einen Krankenwagen rufen, um zu überprüfen, ob Sänger Courtney Taylor-Taylor noch Puls hat?
Wenn selbst die Verdienste großartiger Songwriter wie Robert Smith (The Cure), die einst schockierenden Zeilen des (mutmaßlichen) Sexualstraftäters Marilyn Manson oder die schon erwähnten, stets energetischen The Runaways in ihrer neuen Form dermaßen kalt lassen, verhindert die angestrengte Sehnsucht nach Lichtblicken gerade noch so die Schlafstarre.
Und einen gibt es auf jeden Fall: Für „Blackbird“ (im Original von den Beatles) übernimmt Keyboarderin Zia McCabe den Gesangspart. Ihre Stimme legt sich über das repetitive Gitarrenmuster, als wäre sie aus zerbrechlichem Rauch. Subtile Geräusche von Wind, Vogelgezwitscher und einem pluckernden Synthesizer reichern das zarte Klanggebilde an, und nach fast vier Minuten ist die Reise leider zu Ende. Alle Songs davor und danach hätten nicht sein müssen.
The Dandy Warhols haben ihre beste Zeit ebenfalls schon länger hinter sich. Dieses Album sollte nun als Zeichen dienen, etwas Neues auszuprobieren, oder es vielleicht einfach mal sein zu lassen.
