The Notwist begeistern auf „News From Planet Zombie“ mit einem Album, das im Kollektiv entstand und als Metapher für eine absurde Gegenwartspolitik und globale Krisen viel besser klingt, als es dürfte.
Live sind The Notwist eine unumstößliche Instanz, gerade weil das Kerntrio um Sänger Markus Acher, dessen Bruder Micha Acher und Cico Beck auf der Bühne die Band ausweitet, um mit bis zu sieben Mitgliedern die Detailfülle ihres 35-jährigen Schaffens voluminös abzubilden.
Nachdem sie zuletzt in Dreierbesetzung ihre alten, von Metal und Hardcore geprägten Anfangstage Revue passieren ließen, folgt jetzt ein Schritt in die entgegengesetzte Richtung. Zum ersten Mal seit dem Album „12“ (1995) spielt die komplette, erweiterte Live-Besetzung gemeinsam im Studio.
„News From Planet Zombie“ wurde dabei in nur einer Woche im Münchner Kulturraum Import Export live aufgenommen – und klingt wohl auch deshalb so harmonisch dicht und kompakt wie keines zuvor.
Gerade die zahlreichen Bläser, von Trompete über Posaune bis zur Klarinette verdrahten sich kongenial mit den Notwist-typischen Indie-Gitarren und Achers Stimme. Im wunderbaren Opener „Teeth“ steckt bereits vieles von dieser synergetische Energie der Elemente, die eher in die Tiefe denn in die Breite führt.
Dominierte auf dem Vorgängeralbum „Vertigo Days“ noch klar der Krautrock, haben The Notwist zu einer kammermusikalischen Indie-Rock-Version ihrer Selbst zurückgefunden, die sie nochmals ganz neu denken.
In „X-Ray“ drängen sie im Uptempo mit Glockenspiel hin zu windschiefen Synthesizern. Ein Song, der exemplarisch für das Paradoxon der Platte steht: Fußen die Texte samt Albumtitel im Kern aus Referenzen auf B-Movies und Zombie-Filmen, die wiederum als Metapher für die absurde Gegenwart stehen, ist „News From Planet Zombie“ wohl doch das optimistischste aller Notwist-Alben.
Als besondere Schmankerl treten dabei auch zwei Coverversionen in Erscheinung, was im Kontext der Band absoluten Seltenheitswert genießt. Doch sowohl das anschmiegsame „Red Sun“ von Neil Young als auch „How The Story Ends” von Lovers machen sich die Oberbayern eloquent und völlig unaufdringlich zu eigen.
Beide Stücke fügen sich ein in eines der kollektivsten und energetischsten Notwist-Alben, das politisch-melancholische Themen mit warmem Indie-Pop verbindet, wie es nur The Notwist beherrschen.
Es ist geradezu bezaubernd, wie wandelbar und unangepasst diese Band noch immer in Erscheinung tritt.
