Lou Rhodes von ehemals Lamb legt ein entspanntes und zugleich druckvolles Album mit angejazzten Lied-Strukturen und Arrangements unter dem Pseudonym Kiiōtō vor. „Black Salt“ heißt die zweite Platte ihres neuen Projekts, das sie mit dem preisgekrönten Pianisten Rohan Heath betreibt.

Schwarzes Salz ist ein markanter Albumtitel, aber im Lebensmittelhandel meistens ein Etikettenschwindel. Industriell in Pakistan hergestellt, ist es meist dunkelviolett, nur selten erhält man von den Pazifikinseln welches, das richtig schwarz aussieht. Das rar gewordene, traditionelle „Black Salt“ mit Kräuteraromen entstammt der indischen Ayurveda-Küche und hat in Zeiten des Vegan-Booms den Vorteil, eine Art Ei-Geschmack auf entsprechend gesalzene andere Zutaten zu übertragen.

Lou Rhodes kennt sich damit aus, zumal sie Mitte der 2000er Jahre ihre Band-Pause von Lamb als Landwirtin zubrachte, Gemüse anbaute und Eier verkaufte.

Die beiden Trip-Hop-Pioniere Lamb, also Lou und ihr Mitstreiter Andy Barlow, rauften sich unterdessen bis 2024 wieder zusammen. Indien war dann einer der Schauplätze, an dem 2019 das gemeinsame Werk „The Secret of Letting Go“ entstand, auf das mehrere Jahre Funkstille folgten. Mittlerweile fand sich mehr Art-Pop in der Klang-Textur, solo hatte sich Lou im Folk geübt.

Kiiōtō stellt ein neues Kapitel dar. Das auffallendste Instrument auf „Black Salt“ ist der Kontrabass und somit ein Erkennungsmerkmal von Jazz-Bars und akademisch geprägten Festivals, auf denen man ausschließlich im Sitzen Konzerten beiwohnt. Die typische Trio-Besetzung Kontrabass – Schlagzeug – Klavier durchzieht mehrere Tracks auf „Black Salt“.

Pianist Rohan Heath ist Lous fester neuer Arbeitspartner. Mit Andy Hamill haben die beiden einen Kontrabassisten mit veritabler Trip-Hop- und Drum-and-Bass-Erfahrung angeheuert, der unter anderem schon mit 4hero gearbeitet hat.

Ein bisschen klingt diese Vergangenheit an, etwa wenn das spannend aufgebaute „Little Axe“ Broken Beat und Filmmusik-Dramatik verknüpft oder wenn sich in „White Noise“ Acid-Jazz-Grooves mit Synth-Geigen anreichern.

Lou Rhodes‘ 61-jährige Stimme hört sich in solchen Stücken dann wieder einigermaßen wie einst vor 30 Jahren an. Piano und Streicher prägten derweil im Jahr 2014 das Lamb-Album „Backspace Unwind„.

Weniger interessant, eher kindlich, bisweilen sogar nichtssagend, erscheint die Künstlerin dagegen in den sehr ruhigen neuen Songs, „Butterfly“, „Five Eight“ und „Lost Map“. Im letzteren Stück setzt ein Saxophon-Sample den ansprechendsten Akzent.

Rundum gelungen zeigen sich durchaus mehrere andere Songs, insbesondere wenn sie das einlösen, was der Werbetext hervor hebt: Rhodes orientiere sich an der elastisch spielenden Singer/Songwriterin Carole King.

Deren Stil kann man in „Paper Ships“ und „Warpaint“ eindeutig herausfiltern. Trotz dieser Wurzeln bei jemandem aus dem Bereich Soul, Pop, Jazz und Storytelling, ereignet sich auch schwungvoller Electronica-Sound in „White Noise“.

Während viel Mühe in die Liedtexte gesteckt wurde, kommt deren filigrane Qualität auf dem Album teils gar nicht so schillernd zur Geltung, wie sie es verdient hätten. Einige der guten musikalischen Ansätze und Ideen ließen sich aufregender umsetzen und mehr den Inhalt unterstützen, wie es etwa mit den Gender-Fragen von „Little Axe“ gelingt.

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