Maria Taylor ist Teil des Lo-Fi-Duos Azure Ray, veröffentlicht aber seit 20 Jahren auch Soloalben. „Story´s End“, das neueste Werk, überrascht dabei mit einer dem Indie-Pop zugewandten Seite, abseits der bekannten emotionalen Singer/Songwriter-Songs.

Der vom Piano inthronisierte Titeltrack zeigt sich balladesk gewandet und auf Taylors warme Gesangsstimme fokussiert, wenn der Schlagzeugeinsatz und Streicher die Songdynamik gemächlich erhöhen. Melancholisch gestimmt, setzt die US-Amerikanerin einen Schlusspunkt unter die Beziehungsgeschichte, die langsam auseinander driftete.

Deutlich fröhlicher zeigt sich das eindringlich instrumentierte „Shades Of Blue“, dessen Streicherarrangement im Chorus den Poprhythmen zusätzliche Eingängigkeit verleihen und Maria Taylors ätherischen Gesang untermauern, bevor diese gemeinsam mit Conor Oberst „Sorry I Was Yours“ anstimmt.

Dieses ist ein akustisch reduziertes Duett, das gerade wegen Obersts zurückhaltendem Einsatz ein Hinhörer ist. Die Streicher malen die Melancholie, Taylor die Erinnerung und Oberst die Atmosphäre des Songs.

Maria Taylor überrascht stimmlich mit Tricky-artigem Schlafzimmergesang, der eher gehaucht als gesungen wirkt und bei „Never Thought I´d Feel New“ plötzlich kontrolliert bestimmend wirkt. „The Karma is going to take control, so i guess i should thank you“ stimmt Taylor energisch an und jagt das Licht am Ende des Tunnels, gestützt von einem poppigen Gitarrenakkord und den allgegenwärtigen Streichern, die hier auch von Synthies begleitet werden.

„Powerlines“ hingegen lässt eben jene vermissen, denn die harmonische Akustikballade nähert sich nur zögerlich dem Gehör, das sowieso von Taylors heller Stimme eingenommen wird.

Die Herbstmelancholie hat den Titel fest im Griff, weicht bei „Nathaniel“ einer fröhlich gestimmten Percussion. Modern verspielt dem Indiefolk zugewandt, weiß Maria Taylor ihre Beobachtungsgabe und ihre eindringliche Stimme einzusetzen.

Diese bezaubert besonders, wenn sie gehaucht hell über die Streicherarrangements hinweg fliegt und Worte wie ein Taktstock die Dynamik kontrollieren.

Ähnlich wie „Nathaniel“ ist „Be Careful What You Want“ – flötend fröhlich gestimmt trifft es dabei aber auf die sentimentale Härte des Textwerks, das nach vier Gläsern Wein an Erinnerungslücken leidet und die verhuschte Akustiknummer schwermütig werden lässt.

Doch mit „mood swings and bad dreams“ kennt sich Taylor aus. „Everything Is Fine ( My Loves )“ besingt jene, mit der Maske auf, welche dem Leben freundlich als Fassade entgegen blickt. Countryesk mäandernd spielen die Saiten mit Taylors Sprechgesang, der uns dazu auffordert, den Fußspuren zu folgen, die in ihre Psyche führen, um Hand in Hand dem Blumenmeer der Liebe entgegen zu marschieren.

Ein wenig eingelullt von der Harmonie, die dem Album innewohnt, wird „Change Is Coming Soon (Green Butterfly Sequel)“ nicht nur zum letzten Titel des Albums, sondern dient auch als stimmige Zusammenfassung des bereits Gehörten.

Allerdings nicht, ohne den Überraschungseffekt zu platzieren. Bestimmt zunächst die Akustik, sorgt der Blues für Leben, wenn die E-Gitarre den Strom durch die Saiten zieht und das Blut in Wallung bringt. Das letzte Wort hat aber doch Maria Taylor.

„Story´s End“ ist das Album für Maria Taylor nicht. Das homogene Werk zeigt sich auf ihr Organ zentriert und überzeugt mit reflektierten, persönlichen Texten, die abseits der akustischen Singer/Songwriter-Instrumentierung auch poppigere Klänge zulassen.

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