„Indie-Rock“ ist zwar ohnehin schon ein flexibles Etikett, aber trotzdem verbiegen feeble little horse die Genregrenzen sehr liberal. Mit ihrem dritten Album „Bitknot“ probiert sich die Band aus Pittsburgh, Pennsylvania in einigen elektronischen Spielereien aus.
Dabei beginnt alles mit einer Wand aus Gitarren-Feedback: Der Opener „Doorway“ haut direkt rein, nur um nach 20 Sekunden schon die erste Pause einzulegen. Sängerin Lydia Slocum hebt ihre Stimme dabei kaum über den ruhigen Klangteppich hinweg, als würde sie nicht wollen, dass ihr jemand zuhört.
Dass „Bitknot“ die erste Veröffentlichung ohne Gründungsmitglied Ryan Walchonski, und somit auch das erste Werk der Band als Trio ist, hört man zu keinem Zeitpunkt heraus. Alle Elemente kommen voll zur Geltung, auch wenn das gelegentlich bedeutet, dass sie besonders zurückhaltend sind.
Auch haben sich feeble little horse mit den Songlängen gezügelt. Alle 11 Titel fassen zusammen keine halbe Stunde, die meisten Songs keine zweieinhalb Minuten. In so kurzer Zeit kann keine kompositorische Idee besonders weit entwickelt werden. Trotzdem fühlt sich dieses Album komplett an.
Diese kurzen Miniaturen bewegen sich auf dem musikalischen Spektrum zwischen totaler Eskalation und Introspektive; in ihrer Gesamtheit bleibt jedoch alles stimmig. Trotzdem wäre es interessant zu hören gewesen, in welche Richtungen feeble little horse das Album mit 15 bis 20 Extra-Minuten noch hätten lenken können.
Einige Male scheinen sie selbst vergessen zu haben, dass sie eine Indie-Rock-Band sind: In elektronisch flirrenden Intros schneiden sie den Stil eines Porter Robinson an; mit Songs wie „Upside Down“ und „Guts“ werden die Parallelen noch expliziter.
In „DMT“ holt Lydia Slocum dann nochmal schreiend und in abgehackten Zeilen gegen den Wahnsinn unserer Konsumgesellschaft aus. Das Thema zieht sich durch das gesamte Album, hier aber nochmal in einer neuen Färbung.
Auch dieser Noise-Ausflug fällt nicht weiter störend auf. Wohl aber, dass er zu schnell vorbei ist. Bei der kurzen Laufzeit kann man das Album danach gleich noch ein weiteres Mal anwerfen.
