Wer 2026 bisher erfolglos auf der Suche nach außergewöhnlichen Debütalben war, sollte sich „OUTTANATIONAL“ von Pigeon direkt 20 Mal auf die „Must Listen“-Liste schreiben. Zwischen Post-Punk, Punk-Funk und Afrobeat gestaltet das britische Quintett eine völlig eigene Welt. Alle Vorschusslorbeeren sind zu großartigen Songs gereift.

Wer sich mit Geheimtipps beschäftigt, hat von Pigeon natürlich längst gehört: Nach Zusammenarbeiten mit Acts wie Little Simz, Michael Kiwanuka und SAULT kann man schon einiges erwarten.

Dass Pigeon in einem lokalen Pub bei einer Watchparty eines Fußballspiels der englischen Nationalmannschaft zusammengekommen sind, passt hingegen so gar nicht zu dem spirituellen Sound ihres Debüts.

Spirituell heißt hier aber nicht Ruhe. Ganz im Gegenteil: „NRJ“ dreht als Teaser und Vorbote schon mal den Energiepegel so hoch, wie es dieses, an frühe Hot Chip und Obongjayar erinnernde, Pulsieren braucht.

Pigeon laden zum Tanzen ein. Anders als bei EDM und Pop wird hier aber nicht auf den großen Knall aka Refrain hingetanzt, sondern vielmehr der permanente Groove gefeiert.

Gleichzeitig verlieren die fünf Bandmitglieder nie das Auge für Eingängigkeit und hittige Refrains. In „Black James Dean“ sind dafür noch quengelnde Post-Punk-Gitarren die tragende Wand, „Future Country“ spielt mit Kraut-Synthesizern, immer wieder tauchen Streicher und die unterschiedlichsten Sounds im Hintergrund auf.

Pigeon beherrschen dabei einen bemerkenswerten Fundus an Songwriting-Ideen: „Miami“ etwa kippt permanent in neue Stimmungsbilder und bleibt dennoch ein kompakter Song, „Horse With A Blind“ dreht sich in kontinuierlichen Loops in die Trance. Pigeon steht beides.

All das wäre schon bemerkenswert genug. Falle Nioke an Gesang und Percussion macht Pigeon dann aber endgültig zum hype-würdigen Act: Der aus Guinea stammende Musiker singt in den unterschiedlichsten Sprachen (Französisch, Englisch, Susu, Fulani, Malinke, Coniagui und mehr!) und begleitet dies mit traditionellen Instrumenten wie Gongoma, Bolon und Cassi.

Nioke streicht mal flüssige Butter ins Ohr (auf gute Art), mimt den souligen Entertainer auf dem Dance-Floor, ist dann wieder der tosende Rock-Star und übernimmt in all der kosmischen Sphäre auch immer wieder den gesellschaftskritischen Storyteller („Hype Prototype“).

Das ist mitreißend, spannend und kompositorisch schlicht einzigartig. Wer Pigeon 2026 nicht hört, verpasst einiges.

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