In vielerlei Hinsicht rechtfertigen Tim Presleys Aktivitäten den Titel des Ausnahmekünstlers. Szenegrößen wie Cate Le Bon und Ty Segall vertrauen auf seine Fähigkeiten, die er bereits in diversen Genres erproben konnte; von Punk bis zu experimenteller Klangcollage.

Als White Fence liegt sein Fokus jedoch recht eindeutig auf psychedelisch angehauchtem Indie-Rock mit Retro-Einschlag. Wieviel Musik er in diesem Stil schreiben kann, ist mindestens ebenso ausnahmeverdächtig – besonders da „Retro“ bei Presley so weit gedacht wird, dass er so wenig Neues wie möglich darin aufgehen lässt.

Dass am Ende alle Songs irgendwie gleich klingen, hätte also absehbar sein können. Der erste Höreindruck bleibt noch ganz amüsant. In jedem der kurzen Songs lässt sich mit geringem geistigen Aufwand ein verstaubter Werbe-Jingle einfügen, oder eine Szene aus einem ebenso verstaubten Kinofilm ausmalen.

Beim zweiten Hören ist schon eine Menge Energie notwendig, um sich bei den oben genannten Aktivitäten nicht zu langweilen. Nach dem dritten Hören ist immer noch kein Ohrwurm entstanden, und auch die aktive Erinnerung an das Gehörte fällt schwer.

Der vierte Durchlauf bleibt wieder ganz amüsant. In jedem der kurzen Songs lässt sich mit geringem geistigen Aufwand ein verstaubter Werbe-Ji-… bis man bemerkt, dass die geringe geistige Auslastung langsam wahnsinnig macht und eine ganze Menge Zeit flöten gegangen ist.

„Orange“ fehlt die schrullige LoFi-Produktion der frühen Vorgängeralben, die doch so wunderbar nach outsider klangen. Lediglich kurze Passagen, oder vereinzelte Soli stellen sich im glatten Gesamtbild quer, aber bevor die richtig zünden können, verschwimmt der Song drumherum schon zur diffusen Klangtapete. Für Highlights reicht das bei weitem noch nicht.

Nichts an diesem Album klingt wirklich schlecht; aber vielleicht wäre genau das besser gewesen. Schließlich sollte das Prädikat „unenthusiastisch und unambitioniert“ (zumindest mit der richtigen Betonung) für jedes Kunstwerk um Welten vernichtender wirken.

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