Viele Künstler*innen haben sich im Lauf der Jahrzehnte an DAF orientiert, ihr radikaler Sound, an dem seinerzeit selbst das Fernseh-Feuilleton-Format „Bios Bahnhof“ nicht vorbei kam, ist bis dato unerreicht. Nach dem Tod von Gabi Delgado verwaltet Robert Görl das Erbe allein, tourt mit dem Nachlass und hat die letzten verwertbaren Schnipsel aus dem gemeinsamen Fundus mit dem Abschiedsalbum „Nur Noch Einer“ in einen gegenwärtigen Rahmen transferiert.

Dabei behilflich – wie auch bei Konzerten an seiner Seite – ist die Frankfurter DJ-Ikone und Produzentin Sylvie Marks, renommierte Vertreterin zeitgeistiger Clubtracks, mit der der Elektro-Pionier eine jahrelange kreative Freundschaft pflegt, und mit ihr gemeinsam unter GÖRL neun neue Stücke vorstellt.

Mit der ersten Sequenz vom „Irgendwann Ist Jetzt“ bleibt zunächst unüberhörbar, in welcher Musik-Epoche das Herz des Protagonisten verwurzelt ist. Mit einer Minimalmelodie geht`s direkt zurück in Düsseldorfs Ratinger Hof, womit der Opener der Platte die eine Seite von „Dark Silver Moon Light“ markiert.

Für die andere Seite hat seine Partnerin die Arrangements atmosphärisch breit aufgestellt, gönnt „Don`t Stay At Home“ einen melancholisch-poppigen Vibe, lässt „So Wie Du Bist“ obsessiv prickeln, während „Der Fluss“ durch Oszillator-Kaskaden plätschert und sich die Stimmung des Titeltracks im schwebenden Ambient verortet.

Wenn Robert Görl dazu singt, verschmelzen Emotionen mit der Klangkühle des Equipments, ist in diesen Passagen Sehnsucht der Vater des Gedanken, während „Bänder Im Haar“ oder „Spiel mit Mir“ im eher traditionellen DAF-Design ähnliche Texträtsel wie „Der Räuber Und Der Prinz“ stellt.

DAF-Puristen werden an „Wir Brechen Aus“ ihre Freude haben, „Der falsche Ton, den liebe ich, den richtigen Ton, den gibt es nicht“ philosophiert der Altvordere in „Falscher Ton“.

Den Maschinen, die diese generieren, ist das egal, sie liefern wie programmiert und diesen Nummern fehlt nur noch das Delgado-Charisma, um den Geist von „Alles Ist Gut“ oder „Gold Und Liebe“ aus der Flasche zu lassen.

Dem renommierten Duo gelingt mit „Dark Silver Moon Light“ ein schmerzfreier Spagat zwischen Nostalgie und Moderne.

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