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Das 90er-Britpop-Revival tobt, auch Pulp haben mit dem großen Spätwerk „More“ dazu beigetragen, welches sie auszugsweise am gestrigen Donnerstag Abend im angenehm temperierten Tempodrom vorstellten.

„You Deserve More“ ist das Tour-Motto, das sich nicht nur auf die bei den Fans bereits bestens etablierten Inhalte der aktuellen Platte bezieht, sondern eine Werkschau einschließt, deren quantitativer Fokus auf dem Referenzwerk „A Different Class“ liegt, dessen „Sorted For E`s & Wizz“ den Abend eröffnete.

Vor wirkmächtigen Visuals auf der Videowand machte der auf seinen Solo-Werken zeitweise in den Art-Pop abgebogene Jarvis Cocker vom Start weg einen beeindruckend vitalen Eindruck, ihm und den bestens aufgelegten Musiker*innen bedingungslos in die „Disco 2000“ zu folgen, war ein Muss.

Als Showman vor dem Herrn legte der Mann, der sich schon damals nicht nur optisch von seinen singenden Landsmännern grundsätzlich unterschied, eine Performance der Superlative hin, jede noch so schlaksige Bewegung war ein wohl choreographierter Ausdruckstanz zum Text.

Die achtköpfige Band lieferte mit Gitarren, Bass, Violine, Keyboards und Drums ein wuchtiges Fundament, wenn auch nicht jede Feinheit von der Akustik unter der Kuppel eingefangen werden konnte.

Per „Slow Jam“ ging`s quer durch den Sheffielder Club „Limit“, „Underwear“ setzte ein emotionales Highlight, schlenderte der Protagonist entspannt über den „Farmer`s Market“ und verabschiedeten sich Pulp nach einer dramatischen „This-Is-Hardcore“-Inszenierung mit dem psychedelischen Bombast von „Sunrise“ in eine verdiente Pause.

Gegen deren Ende konnten die Zuschauer*innen einen Programmpunkt selbst erklatschen, „Seconds“ schlug dabei „Bad Cover Version“ knapp. Bevor dieser Song gespielt wurde, gab es zum Auftakt vom zweiten Akt eine akustische Variante von „Something Changed“, in der sich zeigte, dass der Frontmann nicht nur das Entertainment, sondern auch das Saiteninstrument beherrscht.

Rastlos ging es weiter, für „The Fear“ wurden die Geister aufgeblasen, hätte der „Begging-For-Change“-Hardrock locker ein Stadion in Grund und Boden gespielt und wurde der Saal vom Zampano für die lautstarke Unterstützung von „O.U. (Gone Gone)“ in Teil „O“ und „U“ geteilt, wurde via „Do You Remenber The First Time?“ an den ersten Berlin-Gig im Jahr 1995 erinnert und liebenswerte „Mis-Shapes“ gefeiert.

Mit einer Projektion von sich selbst in jungen Jahren im Rücken geriet „Babies“ nicht nur für Jarvis Cocker zur Zeitreise, zu seinen Füßen stand inzwischen kaum jemand still, er und das Publikum fielen beim ekstatischem Über-Hit „Common People“ in einen Rausch.

So opulent wie am Ende des ersten Teils der Sonnenaufgang geradezu erzwungen wurde, so still verabschiedeten sich Pulp zugabenlos mit „A Sunset“.

Das „F.E.E.L.I.N.G.C.A.L.L.E.D.L.O.V.E.“ ist das, was noch weit über diesen Abend hinaus im Herzen der Besucher*innen bleiben wird.

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