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Zur Zeit ist nicht gerade das ideale Wetter für Clubkonzerte. Gut also, dass vor der Kölner Kantine eine kleine schattige Wiese liegt, auf der sich gestern Abend eine handvoll Tricky-Fans bereits eine Stunde vor Einlass akklimatisiert.

Der Andrang auf den Eingang verläuft dann doch recht stürmisch, so als könnte niemand abwarten, in einem kleinen stickigen Raum dicht gedrängt aneinander zu stehen. Warm-up ist also gar nicht wirklich nötig.

Passenderweise hält sich Voract Marta in jeder Hinsicht zurück: Auf der Bühne steht sie alleine mit einer Keyboarderin, die Tanzmoves sind minimalistisch, die Energie im Stimmeinsatz auch. Fette Beats vom Band lassen Wände, Barrikaden und Zwerchfelle wackeln.

Marta kämpft nicht aktiv gegen diese an, gewinnt aber (mit Hilfe der Tontechniker) am Ende ihres 25-minütigen Sets die Oberhand. Die zurückhaltende Performance sei ihr verziehen – sie stimmt einerseits auf den Hauptact ein, für den sie andererseits gleich noch einmal als Begleitsängerin ran muss.

Im Gegensatz zu früheren Auftritten wirkt der Trip-Hop-Großmeister regelrecht gefasst. Tricky steht den Großteil der Show über statisch am Bühnenrand und haucht ins Mikro, zuckt nur ganz wenig und kehrt dem Zuschauerraum gelegentlich den Rücken zu. Trotzdem wirkt er abwesend.

Songs aus der gesamten, überaus inkonsistenten Diskografie stehen auf der Setliste, die live mehr schlecht als recht in ein einheitliches Klangbild gezwängt werden. Trotz recht spärlicher Instrumentierung aus Gesang, Gitarre, Schlagzeug und gelegentlichen elektronischen Klängen aus der Konserve geht Trickys rauchig zarte Stimme immer wieder unter. Auch akustisch scheint er ein Nebencharakter seines eigenen Auftritts zu sein.

Die ersten Töne von „Black Steel“ werden von lautem Jubel begleitet. Das erste Mal an diesem Abend kommt Bewegung in die Menge. Handykameras schießen zuhauf in die Luft. Auf der Bühne machen Sänger*innen und Band weiter wie bisher.

Dann ein Lichtblick: Tricky solo am Mikrofon, ohne Begleitgesang. Während „Here My Dear“, vom 2016 er Album „Skilled Mechanics„, wird er erratischer, lauter, aufregender, tänzerischer. Der Moment geht jedoch schnell vorüber.

Fotograf*innen sind an diesem Abend nicht willkommen. Besser für sie, denn das atmosphärische Licht wäre früher oder später zur Herausforderung geworden: Durch eine dicke Wand aus Kunstnebel strahlt stark gedimmtes, blaues Licht die Band durchgehend von hinten an. Von den Personen auf der Bühne sieht man nur Schatten und Silhouetten.

Diese Szenerie ändert sich über eine Stunde lang auch nicht großartig. Zur dritten und letzten Zugabe („Vent“) gibt Tricky nochmal alles, springt armfuchtelnd über die Bühne und krächzt in zwei Mikros gleichzeitig.

So befremdlich die gesamte Konzerterfahrung auch ist, tut diese abschließende Eskalation nochmal richtig gut. Dafür wird sogar das Strobolicht eingeschaltet. Zum ersten Mal diesen Abend kann man den Musiker*innen ins Gesicht blicken.

Zumindest einige Hardcore-Fans scheinen glücklich. Weiter hinten verhält man sich eher so, wie es auf der Bühne vorgemacht wurde: zurückhaltend.

Man muss sich schon sehr von der Musik tragen lassen, um sich in der Menge nicht wie ein Fremdkörper zu fühlen. Vielleicht wäre das mit besserem Sound auch einfacher gewesen.

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