„Embers To Ashes“ ist nach langer Pause das achte Album des unverwechselbaren Everlast, Erik Schrody.
Als Rapper an der Slide-Gitarre machte er 1998 von sich reden. Am Blues geschult zeigten seine Alben „Whitey Ford Sings The Blues“, „Eat At Whitey’s“ und „White Trash Beautiful“, zeitgleich mit Eminem, dass Hip-Hop in den USA der Kultur der People Of Colour entwachsen war.
Diese Platten erschienen bei den einflussreichsten Rap-Labels Tommy Boy und Def Jam. Zuvor hatte Everlast schon im Trio House Of Pain als Teil der zweiten Hip Hop-Welle Geschichte geschrieben.
Seit seiner Zeit als Weltstar blieben die deutschen und Schweizer Fans dem Kalifornier mit deutschen und irischen Wurzeln treu: Sogar Tickets für eine Akustik-Tour 2014 fanden ihren Absatzmarkt, und die Alben verkauften sich ordentlich, während im Radio vor allem ein einziges Stück präsent war: „What It’s Like“ behandelt ernste, schwere Themen wie Abtreibung, Obdachlosigkeit und Drogen-Dealen, war aber trotzdem ein Riesen-Hit.
Da sage noch jemand, inhaltliche Substanz verkaufe sich kommerziell schlecht. „All alone in the hell of L.A. (…) in between of a nightmare“, findet sich der ehemals rappende Barde auch jetzt wieder, wie er in „Mistaken Identity“ ausführt.
Seine Stimme ist noch um einiges rauer geworden, wie geschaffen, um Alpträume in Songs zu beschreiben. Phasenweise färbt sich das Klangbild aus den strohtrockenen Ukulele-, Schlagzeug- und Effekte-Arrangements dann mächtig düster wie zum Beispiel in „Stones“.
Mancher Vortrag wie in „My Hollywood“ ist extrem lebendig phrasiert und bindet Aufmerksamkeit an sich. Auch für Düsternis gibt es einigen Anlass, wie beispielsweise die Perspektive eines alkoholisierten Mörders in „Out Of Your Way“.
Melodramatisch gestaltet der 57-jährige Musiker seine Ballade „Rubber Bullets“ über rassistisch motivierte Polizeigewalt. Durchaus zum Mitsingen eignet sich das bissige „Every Dog Has Its Day“, auch wenn es ebenfalls das raue Amerika behandelt.
In seinem dennoch schwungvollen, sehr eigentümlichen und einzigartig gebliebenen Americana-Stil führt uns Everlast diejenigen USA vor Augen, in denen der ‚American Dream‘ geplatzt ist. Der Spiegel, den er dem Land vorhält, bekommt schon Sprünge unter dem Druck der hässlichen Realität und der aufgestauten Schmutzlawine, die sich in den Songzeilen Bahn bricht.
Überall regieren Waffen. Kopfschüsse fallen in „Never Coming Home“. Trotzdem pfeift der Geschichtenerzähler unbeschwert zum Folk-Pop, der gelegentlich den rustikalen Roots-Rock hier auflockert und in „1987“ ein wenig an Passenger erinnert.
Vom Rappen gibt es keine Spur mehr zu hören, die Themen des Conscious-Boom-Bap sind jedoch geblieben, aus Zeiten eines Hits wie „Jump Around“. In einem der Liedtexte erinnert der Songwriter autobiographisch an seine Anfänge, als er mit Ice T in den Achtzigern Zeit verbrachte.
Der warme Orgel-Song „Young Man“ erzählt schließlich, wie Everlast Lebensweisheiten an seine beiden Töchter weitergibt. Er war bereits einmal mit Ende 20 aufgrund einer Herzklappen-Verengung fast im Jenseits, worauf er im Titelstück „Embers To Ashes“ anspielt.
Mit „Embers To Ashes“ gelingt dem Künstler ein Album, das klar von seiner eigenen Handschrift profitiert und aus der Zeit gefallene Harmonien und kantige Klänge versammelt, denen kein bisschen Hyper-Pop oder TikTok-Eskapismus anhaftet. Everlast konfrontiert uns geballt mit Realität.
