The Linda Lindas sind Everybody’s Darling der Alternative-Szene und der Musik gewordene Nemesis der MAGA-Bewegung. Das neue Album „Gotta Get Out“ zeigt das US-amerikanische Quartett etabliert, politisch und unfassbar vielseitig.
Die erste Reaktion auf „Gotta Get Out“ ist sicherlich ein „Sind die aber groß geworden“, denn es scheint ja wie gestern, dass der YouTube-Stream zu „Racist Sexist Boy“ viral ging. (Ist nicht gestern, sondern schon 2021 gewesen) Seitdem hat sich das Kollektiv weit vom Status One Hit Wonder entfernt und schon mit dem Debütalbum „Growing Up“ jegliche Herzen der größten Ikonen warm gespielt.
Es folgten Support-Gigs für Green Day, The Rolling Stones, Paramore, Bikini Kill, The Smashing Pumpkins, Rancid… You name it! Viele der größten Musiker*innen nennen diesen Namen zuerst, wenn es um das Thema der nächsten Generation im Rock geht. Und dieses dritte Album „Gotta Get Out“ zeigt endgültig, warum jede Lobhudelei nur gerechtfertigt ist.
Dabei wird erstmal etwas mit Erwartungen gebrochen, denn der Titelsong und Opener entfernt sich maßgeblich von jeglichem Riot-Grrrl-Bezug und wirft sich in elektronische Verzerrungen.
So experimentell geht es auch weiter: Etwa, wenn „Burning Out“ in Sachen Slacker Rock gen Courtney Barnett schielt, „Blood On Our Hands“ sich gegen den Faschismus im eigenen Land in tosenden Thrash-Lärm wirft oder „Closer“ (featuring Hayley Williams!) die Melancholie des 00er Emos aufbeschwört.
Dazwischen gibt es immer wieder auch Raum für den recht klassischen Punk-Rock, den die Linda Lindas aus den letzten Jahrzehnten zusammengeklaubt haben. Dazu kommt eine lupenreine Produktion, die gleichermaßen Garage-Knistern wie auch großflächige Sounds kann.
Durch eine immer noch wahnsinnig beeindruckende Strecke an eingängigen Refrains, Backing Vocals, die Fäuste automatisch recken, und ganz besonders den politischen Sprengsatz der Lyrics setzt das Album einen Haken an alles, was man von einem guten Alternative-Album erwarten kann.
Zeilen wie „How Much Will Your Money Mean When You Got No Air To Breathe?“ („Nothing Left“) gehören auf jede Demo. Und die Linda Lindas immer weit nach oben auf die Line-ups. Was für ein Ding!
