Endloses Scrolling, Lifestyle-Befehle, zweifelhafte Inhalte – übermäßiger Social-Media-Konsum kann nicht gesund sein, die Vorwürfe, die gegenwärtig in den USA in einem Prozess gegen den Meta-Konzern vorgebracht werden, wiegen schwer.
Mit dem Ziel, die Gen Z für einen selbstbestimmten Umgang mit den sozialen Medien zu sensibilisieren, startete die Deutsche Telekom mit „Not A Passenger“ im Rahmen von Electronic Beats dieser Tage eine Initiative, die das Unternehmen mit einem rasanten Clip im Netz verbreitet.
Rhian Teasdale – selbst als Person des öffentlichen Lebens und Queer-Ikone in ihren Accounts nicht nur freundlichen Kommentaren ausgesetzt – ist das Gesicht der Kampagne, dem Anlass entsprechend präsentierte die Kultursparte des Unternehmens Wet Leg am gestrigen Mittwoch in Berlin.
Turntable-Virtouose Wolfram stimmte auf das magenta-farbene Event ein, und bevor die die Headliner per Jeep auf die Bühne gefahren wurden, gab es ein krachendes Warm-Up mit Lava La Rue, das mit der Assoziation von Electronic Beats im musikalischen Sinn so viel zu tun hatte, wie ein Sinfonie-Orchester mit Death-Metal.
Als sich um 21:00 Uhr der Nebel verzog, stand dort oben Rhian Teasdale und zeigte für „Catch These Fists“ ihren Bizeps stellvertretend für ein neues Rollenverständnis, geltend nicht nur im Musik-Business, sondern im gesamtgesellschaftlichen Kontext.
In den kommenden 50 Minuten gab es kaum Stillstand in der Kreuzberger Prinzessinnenstraße – mit Charisma, Coolness, grüner Plexiglasgitarre und wenig, dafür authentischer, Interaktion mit dem Publikum hatte die Frontfrau den Abend im Griff.
Die Texte der gesungen oder in Erzählform vorgetragenen Songs saßen, die gängigen Refrains von „Wet Dream“ über „Jennifer’s Body“ bis „Chaise Longue“ der mit „Moisturizer“ endgültig im Indie-Rock angelandeten Band beherrschten die begeisterten Fans zu ihren Füßen sicher.
Hester Chambers überließ der Sängerin die Frontlinie; um die Wet-Leg-Co-Initiatorin herum schüttelten die drei männlichen Kollegen ihre Mähnen, und alle zusammen verbanden die Power der Grunge-Frauen-Bands aus den Neunzigern mit der Eleganz der Indie-Leitlinien der Folgedekaden.
Allein der Sound in dem Venue konnte mit der Spielfreude des Quintetts nicht mithalten, aber eine ehemalige Taxiwerkstatt ist schließlich keine Philharmonie.
Am Schluss wurde „Mangetout“ zur Hymne, die Zeile „get lost forever“ zu einer Parole, die inhaltlich mit der Zukunft von Wet Leg auf keinem Fall in Zusammenhang stehen wird.




