Es gab es Abweichungen in alle Richtungen, aber die Mehrheitsverhältnisse im Publikum lagen am gestrigen Freitagabend im Felsenkeller klar auf der Seite der weiblichen Gen Z, hatte sich doch hier mit badmómzjay, eine Künstlerin angesagt, die in der obersten female empowerment Liga spielt.
Eigentlich auf Promo-Tour für das kommende Album „Haus Im Meer“, hat die Rapperin die Veröffentlichung des Nachfolgers von „Survival Mode“ aus nachvollziehbaren Gründen verschoben, schließlich soll die mit Herzblut geschriebene Platte auch für die Autorin perfekt werden und das braucht eben noch etwas Zeit.
Die meisten der Konzerte der inzwischen mit Auszeichnungen hochdekorierten Berlinerin blieben wie geplant im Kalender, und als kurz nach 20:00 Uhr der Vorhang fiel, verortetete „Haus Im Meer (Intro)“ badmómzjay eingangs einmal mehr als die als autarke Persönlichkeit, mit deren Texten über Verletzlichkeit und psychische Gesundheit, sowie den darin enthaltenen gehobenen Mittelfinger gegenüber etablierten Schablonen vom gelingenden Leben sich nicht nur ihre Generation identifizieren kann.
Als sie dann mit ihrer Crew im Nebel auftauchte, gab es kein Halten mehr, „OMG“ rollte aus den Boxen und verwandelte den Saal in einen Hexenkessel, in dem die Zuschauer*innen – zum größten Teil, wie später abgefragt, extra angereist – nicht nur jeden badmómzjay-Karaoke-Wettbewerb gewonnen hätten, sondern auch eine Lautstärke erzeugten, die das Kreischen in den Fahrgeschäften auf der nahegelegenen Kleinmesse locker übertönt haben dürfte.
Dass die Protagonistin live überzeugend performt, davon konnte man sich in Region bei der 2023er Highfield-Auflage überzeugen, der gestrige Auftritt im Leipziger Westen zementierte diesen Eindruck und ließ nicht den leisesten Zweifel daran, dass hier jemand willens ist, sich von Klischees und Patriarchat freizurappen.
In der ausgewogenen Choreografie aus fetten Bässen, Drill-Beats, Dance-Moves und melodischem Flow – die beiden Jungs an Gitarre und Schlagzeug demonstrierten zwischenzeitlich, dass sie auch in einer Rockband eine gute Figur abgeben würden – gab es keinen Spannungsabfall, die Musik setzte von „24/7“ über „Hello Kitty“ bis „Supernova“ Bewegungsenergie bis in die hintersten Reihen frei.
Der Trend, während deines Konzertes an mehreren Orten aufzutauchen, ist auch in ihre Show integriert, die nahbare Jordan Napieray (wie badmómzjay bürgerlich heißt) – deren Familie anwesend war – sang ein akustisch begleitetes 4-Song-Set (unter anderem mit „Signal“) am anderen Ende der Location, das so emotional geriet, das ihr Make-Up verwässerte, was zurück auf der Bühne „Meer“ – eines der für sie wichtigsten Stücke der kommenden Ausgabe – nicht besser machte.
Nach so viel Gefühl brauchte es einen Push, mit „Yeah Hoe“ bis „Keine Tränen“ gegen Ende des Hauptteils war wieder Vollgas angesagt. In der Zugabe eskalierte die Veranstaltung, ging badmómzjay zwar ohne Domiziana „Auf Die Party“, hatte aber hunderte springende Fans dabei, die mit der Ikkimel-Kollaboration „Geile Sau Trotzdem“ aus einem wilden Konzert verabschiedet wurden, in dem viel Liebe in der Luft lag und trotzdem galt: „Don’t Trust Bitches“.




