„A Date With Depeche Mode„. Dazu laden Nouvelle Vague ein, das französische Musikkollektiv das dafür bekannt ist, seinem Bandnamen alle Ehre zu machen. Die „Neue Welle“ schwappte nicht nur durch die Popwelt der 80er, auch der brasilianische Bossa Nova wurde von einer solchen erfasst. Diesem Musikstil haben sich Marc Collin und Olivier Libaux verschrieben, als sie 2003 Nouvelle Vague gründeten.
Schnell machten sie sich bekannt durch Neuinterpretationen von Joy Division, The Clash und weiteren. Olivier Libaux verstarb 2021, das Musikprojekt bleibt jedoch weiterhin bestehen und verzaubert nach wie vor mit seiner Vielzahl an Gastmusikern, die bekannten Titeln ein neues Bossa-Nova-Leben einhauchen.
Nun also auf ein Date mit Depeche Mode. 13 Songs, darunter Welthits wie „Enjoy The Silence“ oder „Personal Jesus“ wurden ebenso neu eingespielt wie weniger bekannte Songs wie „Ice Machine“.
Dabei behält man sich kreative Freiheiten vor, so bleibt „Enjoy The Silence“ zwar jederzeit erkennbar, wird mit der Chansonstimme von Skye Edwards (Morcheeba) und dem kehligen Sprechgesang von Larry Love zum Duett.
Das ist ebenso stimmig wie das harmonika-verzierte „Never Let Me Down Again“. Flavia Coelho versprüht brasilianische Leichtigkeit und lässt die Hüften kreisen, so dass dieser Song tatsächlich noch zur „Music For The Masses“, dem Album aus dem der Song entliehen wurde, wird.
„Only When I Lose Myself“ wird von Melanie Pain eingesungen. Ihr klarer Gesang bettet sich wunderbar auf die Melancholie des Titels aus, schafft es, die Emotionen, die dem Text innewohnen, zu verstärken, während musikalisch die bläsergestützte Percussion vorherrscht.
Nouvelle Vague verstehen sich darauf, den Songs mit Easy Listening eine emotionale – durch den Gesang herbeigeführte – Tiefe zu verleihen. Das wird besonders bei „Behind The Wheel“ bemerkbar. Die Dynamik des Originals weicht einer leichten, sphärischen Gitarrenakustik. Lily Oaks weicher Gesang gleitet elegant, aber düster durch die reduzierte Rhythmik und erschafft eine dichte Atmosphäre, die ähnliche Sogwirkung erzeugt wie das Original.
Das geht jedoch nicht immer gut. So wirkt „Personal Jesus“ unnötig erregt und angestrengt. Skye Edwards Stimme tritt zum wiederholten Male in Erscheinung und versucht, die gestresste Grundstimmung mit ihrer warmen Stimme zu entschleunigen, was ihr aber bei dieser Interpretation nicht gelingen mag.
„Halo“, aus dem „Violator“-Album entschädigt dafür mit Phoebe Killdeers souliger, kraftvollen Stimme, die den schwofenden Groove des Bossa Nova nutzt, um mit ihrer Performance ein – einem „James-Bond“-Soundtrack würdiges – Highlight zu erschaffen.
Nachfolgend dem Easy Listening treu bleiben „Leave In Silence“ und „Any Second Now“. Zweiterer, noch von Vince Clark 1981 eingespielte, Titel wird hier von Morenike eingesungen, deren fragile, zauberhafte Stimme ein atmosphärisches Leuchtfeuer zündet.
„Just Can´t Get Enough“ findet sich natürlich auch auf dieser Hommage an Depeche Mode. Mit Bläsern im bekannten Rhythmus schwofend, findet sich die Französin Eva de Marce ein. Ihre liebliche, fast schon kindliche Stimmlage bringt etwas Federleichtes mit ein. Der Song wurde bereits 2004 von Nouvelle Vague aufgenommen, ein wenig mehr als 20 Jahre später wagt man sich nochmal daran. Diese Neuaufnahme besinnt sich dabei mehr auf die warme Bossa-Nova-Atmosphäre.
Irgendwo zwischen Bar und Loungemusik finden sich „Stripped“ und „Ice Machine“ als Abschluss des Dates mit Depeche Mode. Dabei gefällt auf letzterem vor allem Lisa Crawleys wärmende, klare Stimme, die dem industriell kühlen Original mehr Wärme zukommen lässt.
Dem Bossa Nova muss man gewogen sein, um mit den Titeln auf „A Date With Depeche Mode“ seine Freude zu haben. Für die kühlen Herbsttage eignet sich das Album mit seinen wärmenden Stimmen und Rhythmen hervorragend.
