Nach dem noch etwas “härteren”, elektronischen Erstlingswerk “Idealism” von vor 3 Jahren und einigen EPs nun das deutlich entspanntere Nachfolgealbum “I Love You, Dude” der beiden Hamburger Jens Moelle and ?smail Tüfekçi.

Über den Titel kann man sich wieder mal streiten, er hat aber weder Hippie- noch homoerotische Bedeutung, sondern hat laut Digitalism einfach nur “Locker machen..” als Hintergrund. Und damit ist er immer noch besser als “Realism” oder jegliche andere “-ismus”-Form als Nachfolgetitel.

“I Love You, Dude” bietet eine Kombination aus dem bekannten, vorwärts drängendem Rhythmus mit clubbigen Grooves, die solch starke “Feel Good Vibes” erzeugen, wie es derzeit nur die Groove Armada schafft. Von norddeutscher Unterkühltheit keine Spur. Exemplarisch dafür ist “2 Hearts”, der offizielle Song des diesjährigen Melt! Festivals.

Allerdings variiert Digitalism häufiger zwischen rein elektronischen (“Blitz”) und kosmisch-entrückten Titeln  (“Just Gazin”). Bei “Forrest Gump” werden angenehme Erinnerungen an New Order geweckt, nicht nur wegen der markanten Bassgitarren-Einlage. Auch bei den etwas härteren Songs hat sich Digitalism weiter entwickelt, Titel wie “Reeperbahn” klingen jetzt eher wie The Prodigy oder Ministry und machen den Weg frei in die Großraumdisco.

“I Love You, Dude” nimmt Dich mit in einen exklusiven Club mit großen, nicht zu weichen Ledersesseln, an der Decke eine sich drehende Disco-Kugel aus den 90ern, die Tanzfläche gut gefüllt mit schicken, durchgestylten, vielleicht etwas zu vielen männlichen, aber durchweg gut gelaunten Menschen. Ein Club, aus dem man gar nicht mehr weg will und damit die perfekte Alternative zu verregneten Sommer-Open-Air-Festivals.

© Stephan Hesslich

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