Killswitch Engage – Live im Batschkapp, Frankfurt

Montagabend im restlos ausverkauften Frankfurter Batschkapp. Hell angestrahlt von fünf an der Decke hängenden Kronleuchtern ist der imaginäre rote Teppich für die Metalcore-Pioniere von Killswitch Engage ausgebreitet – anstatt Sekt wird Bier gereicht.

Sänger Jesse Leach feiert dabei sein umjubeltes Comeback, war er doch 2002 aus persönlichen Gründen bei Killswitch Engage ausgestiegen und erst im vergangenen Jahr ans Mikro zurückgekehrt. Durch die lange Pause scheint sich einiges an Energie aufgestaut zu haben, denn schon beim Opener „New Awakening“ schmeißt er sich von der Bühne in die tobende Menge.  Trotz erneutem Stagediving schafft er es auch beim nachfolgenden „A Bid Farewell“, Tonlagen zu halten und die Töne zu treffen. Musikalisch zeigt sich schnell, dass die Rückkehr des Gründungsmitglieds auf keinen Fall ein Rückschritt für die Band ist.

Grummelnd, Fauchend und stellenweise mit glasklarem Gesang wälzen sich die Amerikaner durch ihre Setlist. Bassspieler Adam Dutkiewicz, Produzent vieler der erfolgreichsten Metalcore-Alben der letzten Jahre,  scheint auch beim jüngsten Werk „Disarm The Decent“ seine Finger im Spiel gehabt zu haben. Was auf der perfekt produzierten CD noch mit poppigen, eingängigen Refrains daherkommt, wird wie „In Due Time“ auf der Bühne plötzlich zum feuerspeienden Metal-Mitgröl-Song. Hier tritt gleichzeitig eine der größten Stärken von Killswitch Engage zu Tage: Ordentlich Dampf ablassen für die Metalheads in den Strophen und ein hymnischer, eingängiger Popgesang im Refrain.

Schnell wird deutlich, dass die Bühne des Batschkapp eigentlich zu klein für die Band ist, die noch vor einigen Jahren als einer der Co-Headliner die Alternastage bei Rock am Ring füllte. Doch Killswitch Engage scheint der kleine Rahmen zu gefallen: „If I would move outside of the USA, I would live in Germany“, bekundet Jesse Leach. „You guys have the best beer in the world!“ Verschmitzt lächelnd prostet Adam Dutkiewicz dem zu. Schon nach dem fünften Song ist dieser dabei, sein drittes Bier in einem Zug zu leeren – bei weitem nicht das letzte für diesen Abend. Zwischendurch gibt es noch einen Whiskey im Plastikbecher, der aber brüderlich mit dem durchgeschwitzten Frankfurter Publikum geteilt wird. Der aufgedrehte Dutkiewicz hüpft mit seinem Bass herum, als wolle er dem Rumpelstilzchen Konkurrenz machen, hat sein Instrument und die von ihm eingestreuten Shouts dabei aber trotzdem fest im Griff.

Ex-Sänger Howard Jones, der die Band zur erfolgreichsten Metalcore-Band aller Zeiten geformt hatte, war im vergangenen Jahr angeblich aus gesundheitlichen Gründen vom Band-Mikro zurückgetreten. Daneben machten Gerüchte über musikalische Differenzen die Runde: Seine wehklagenden Liebestexte und überhand nehmenden ruhigeren Songanteilen hätten dem Rest der Band nicht mehr zugesagt. Vieles spricht wohl für diese Theorie, spielen Killswitch Engage doch an diesem Abend vom mit Abstand softesten gleichbetitelten Album von 2009 keinen einzigen Song. Stattdessen haben sich die Jungs aus Massachussetts ‘back to the roots’ auf ihre Fahnen geschrieben und auf „Disarm The Decent“ Tempo und Shoutanteile deutlich nach oben gefahren. Den Liebessongs wird dabei ein Stück weit der Krieg erklärt, „Arms Of Sorrow“ wird im Batschkapp durchaus unflätig im uringetränkten Bloodhound Gang-Stil angesagt.

Doch ganz ohne Liebe geht es auch bei Killswitch Engage nicht, sind doch die bekanntesten Singles fast ausnahmslos Lieder über den Herzschmerz, wie „My Curse“, „The End Of Heartache“ und „Rose Of Sharyn“. Keines davon wird auf der Setlist ausgelassen. Und wenn selbst der härteste Metalhead im Zuschauerraum plötzlich die Arme gen Bühnendecke streckt und in „My Curse“ lauthals mitschmettert: „There is Love…“ – dann offenbart sich, dass genau diese Mischung aus zuckersüßen Refrains, sehnsuchtsvollen Melodien und aggressiven Strophen mit Shouts elementarer Bestandteil der Band ist.

Der Klassiker „My Last Serenade“ beendet als einzige Zugabe das Konzert, ehe sich ein sichtlich angeheiterter Adam Dutkiewicz noch einmal ans Mikro stellt: „See you outside at the beer garden Frankfurt!“ Na dann, Prost!

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