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Moderat – II – Tagtraum und nächtlicher Exzess

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Das Debütalbum „Moderat“ der gleichnamigen Berliner Electro-Supergroup beeindruckte mit einer einzigartigen Mixtur verschiedenster Genres, die zwischen brachialer Bass-Gewalt und atmosphärischer Melancholie oszilliert. Knapp vier Jahre später erscheint nun der lang ersehnte Nachfolger „Moderat II“ und vermag seine Hörer in seinen Bann zu ziehen.

Das DJ-Duo Modeselektor, tief mit der Hauptstadt Berlin und deren pulsierenden, technoiden Klängen verwurzelt, beginnt seine aufstrebende Karriere Mitte der 90er Jahre: Sebastian Szary (*1975) und  (*1978), beide bei Berlin geboren und aufgewachsen, verbindet bereits in frühen Jugendjahren die Liebe zur elektronischen Musik. Mit 16 Jahren fängt Szary an, Platten aufzulegen, bereits 2 Jahre später ist er offiziell als DJ aktiv und veröffentlicht 1994 erste Singles. Sein späteres musikalisches Pendant, Gernot Bronsert, hegt dieselbe Leidenschaft und treibt sich auf jenen illegalen Techno-Partys herum, die Szary mit seiner Musik beschallt- die Ausgangssituation für eine fortan erfolgreiche musikalische Karriere und tiefe Freundschaft. 1996 wird schließlich ein Zusammenschluss ins Leben gerufen, der sich von nun an Modeselektor nennt. Bevor 6 Jahre später die erste EP erscheint, veröffentlichen Modeselektor zunächst unter wechselnden Pseudonymen einzelne Tracks und Mixtapes.

Ein Jahr vor der Jahrtausendwende lernen Szary und Gernot den Musiker Sascha Ring kennen und lieben, und schaffen so den Boden für die kommende fruchtbare musikalische Zusammenarbeit Moderat. Ring, der 1978 in Quedlinburg im Harz geboren ist, kam 1997 nach Berlin, um seiner elektronischen Leidenschaft die richtigen Rahmenbedingungen zu verschaffen. 2001 veröffentlicht er seine erste LP „Multifunktionsebene“ unter dem Pseudonym Apparat beim Label Shitkatapult. Ein Jahr darauf erscheint die erste EP des Duos Modeselektor „In Loving Memory“ beim Berliner Label BPitch, dessen Inhaberin keine geringer als die deutsche Techno-Wundertüte Ellen Allien ist. Von da an geht es für die zwei Jungs stetig aufwärts. Bis zur Veröffentlichung ihres Debütalbums „Hello Mom!“ absolviert Modeselektor unzählige Live-Auftritte und vermag nicht nur den einheimischen Fankreis kontinuierlich zu  erweitern.

Musikalisch bewegen sich Modeselektor auf weitflächigem Terrain mit den verschiedensten Stilen von Acid, Techno, Hip-Hop, Minimal, Glitch-Hop bis hin zu EBM, Dancehall, Microhouse und den verschiedenen Genres, die sich unter Intelligent Dance Music (IDM) verorten. Das Duo hat seinen ganz eigenen Stil und lässt sich von Genregrenzen nicht beschränken. Auch die Vielzahl von Gastmusikern, die Modeselektor in der folgenden Zeit um sich versammelt, öffnet die Tür zu bisher unentdeckten Klangräumen.

Apparat hat sich dem weiten Feld der Electronica verschrieben, und vereint Electro mit IDM Subgenres, Clicks&Cuts und Ambient. Sascha Ring entführt seine Hörer in sphärische Klangwelten  und erschafft eine bittersüße Stimmung, die durch die Emotionalität seines falsett-artigen Gesangs in einen träumerischen Zustand mündet. Mit den 2003 und 2007 erschienen Alben „Duplex“ und „Walls“ und der Kollaboration mit Ellen Allien auf der Platte „Orchestra of Bubbles“ (2006) stellt er seine Komplexität und Virtuosität gekonnt unter Beweis.

Die Nachfolger-Platte „Happy Birthday!“ von Modeselektor erscheint 2007 und versammelt die verschiedensten Künstler – von den Pariser Hip-Hop Musikern TTC bis hin zu Thom Yorke, der sich zuvor als Modeselektor Fan geoutet hatte. So begleiten Szary und Gernot 2008 Radiohead als Support. 2011 gründet das Duo dann sein eigenes Label Monkeytown. Noch im selben Jahr veröffentlichen sie das gleichnamige dritte Studioalbum, das die kontinuierliche Weiterentwicklung des experimentierfreudigen Stils postuliert. Eine Reihe von Gastmusikern geben auch hier die verschiedensten Einflüsse zum Besten, unter anderem Busdriver, Otto von Schirach, Thom Yorke, Siriusmo – und auch Sascha Ring ist im letzten Track mit seiner Gitarre vertreten.

Im selben Jahr veröffentlicht Sascha Ring alias Apparat ebenfalls eine neue Platte mit dem Titel „The Devil’s Walk„. Sascha Ring, der seinen elektronischen Stil seit nunmehr 10 Jahren stetig vorantreibt, tritt in diesem Album nicht mehr nur als DJ, sondern als wahrer Arrangeur ausgeklügelt inszenierter Atmosphäre auf, der seine Hörer mit bittersüßen Melodien umnebelt. Eine perfekt umgesetzte Melancholie, die sich zwischen klicken, klopfen und sphärischen Klängen wiederfindet.

Inmitten dieser elektronischen Vielfalt ist die musikalische Zusammenarbeit der drei Künstler als Moderat zu verorten.  Bereits im Jahr 2003 entstand eine erste experimentelle EP „Auf Kosten der Gesundheit“. Bevor sich aus dieser Liaison jedoch ein Debütalbum herausbildete, vergingen ganze 7 Jahre. Moderats selbstbetitelter Durchbruch erscheint 2009 bei BPitch und überzeugt sowohl Kritiker als auch Fans auf ganzer Linie. Mit einer fulminanten Mischung treibender Beat-Konstrukte und emotionaler Synthiesequenzen schraubt sich der Facettenreichtum immer weiter in die Höhe. Visuell umgesetzt wird das Werk von den VJs Pfadfinderei

Nach einer Entstehungszeit von 6 Monaten präsentiert sich nun die neue Platte „Moderat II“ nun differenzierter als ihr Vorgänger und reflektiert durchaus die musikalische Entwicklung der einzelnen Projekte. Mit den Alben „Monkeytown“ und „The Devil´s Walk“ sind die musikalischen Kosmen der Supergroup noch weiter auseinander gedriftet. Diese Entwicklung bot somit auch eine große Herausforderung, beide Welten als Moderat wieder miteinander zu verschmelzen. Hinzu kommt die Vorgabe des Erstlings, die hohe Erwartungen an seinen Nachfolger stellt und den Druck steigen lässt.

Moderat war vordergründig auch ein musikalisches Experiment, ohne genaue Vorstellungen und konkrete Ziele. Neben der musikalischen Umsetzung liegt das Augenmerk des neuen Albums nun vor allem auf der Live-Performance, die sich nicht nur stärker vom Vorgänger, sondern auch von der Schwemme an technoiden 08/15 Live-Auftritten unterscheiden soll: Eine ästhetische Show, die sich mit ihren Songs steigert und deren surreale Atmosphäre genauso authentisch wiedergibt, wie die mitreißenden Bollerbeats – ohne gleich zu Beginn mit flimmernden LED´s und protziger Pyrotechnik zu überrumpeln. „Moderat II“ soll als Ganzes brillieren, und der musikalische Abschluss sein visuelles Pendant finden. Erneut kommt dabei die Pfadfinderei ins Spiel, die sich als festes Ensemblemitglied Platz geschaffen hat. Die Vjs haben bereits das Video zur ersten Singleauskopplung „Bad Kingdom“ kreiert. Die Pfadfinderei versetzt das Publikum dabei in eine Art filmischen Tagtraum, in dem einzelne Szenen  zu einem großen Ganzen verschwimmen. Passend zum kontinuierlich wummernden Bass, der mit nachdenklichen Synthie-Klängen und der durchdringenden Stimme Sascha Rings untermalt ist.

Das Trio Moderat bittet seine Hörer in ein elektronisches Klangkarussell, das sich  mal schneller, mal langsamer immer weiterdreht. Neben poppigen Songs fährt „II“ auch minimalistische Geschütze auf. Der 10 minütige Track „Milk“ ist eine Hommage an durchtanzte Nächte, die mit einem schabenden Beat und dunklen Synthies in einen Trance-artigen Zustand versetzt. In den letzten Augenblicken des Tracks greift Moderat aber nicht auf einen abschließenden Höhepunkt zurück, sondern bricht spielerisch mit den Erwartungen der Hörer und lässt den Song fließend ausklingen.

„Moderat II“  ist wesentlich ruhiger als sein Vorgänger. Einzelne Tracks sind weniger tanzflächengeeignet als auf dem Debüt, jedoch nicht weniger mitreißend. Das Album spiegelt Momente wider, die zwischen Tagtraum und nächtlichem Exzess, zwischen schmerzlicher Melancholie und emotionalem Höhenflug changieren.

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