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Jimi Goodwin – Odludek

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Der Bassist und Sänger der Doves gibt sich mit seinem ersten Solo-Album die Ehre: Jimi Goodwin hat die kreative Pause, die sich seine Band seit 2010 gönnt, genutzt, um etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Auf seiner Homepage werden die zehn Songs als „brilliant, panoramic, visceral, soul-searching“ gelobt, als wahre Zwillinge des Doves-Sounds. Letzterem ist definitiv zuzustimmen, denn auch deren epische Klänge sind von „Lost Souls“ bis „Kingdom Of Rust“ nicht besonders leichtverdaulich.

Dementsprechend beginnt „Odludek“ nervenaufreibend monoton mit einem einzigen, grausam schrägen Akkord: Erst, wenn man dessen steinern wiederholten Anschlag kaum noch ertragen kann, kommt Goodwins Stimme dazu. Ebenfalls monoton. Jetzt heißt es stark bleiben, denn erst nach einer geschlagenen Minute wird man bei „Terracotta Warrior“ endlich mit Melodie belohnt. Goodwins Gesang jedoch bleibt eintönig, er erscheint gewollt unbeteiligt, während sich die Melodie ohrenzerfetzend immer weiter in den Vordergrund drängt. Das Ende des Songs klingt eher wie der grandiose Abgang eines ganzen Albums: Wer gleich zu Beginn einen solchen Sturm entfesselt, sollte besser noch einiges drauflegen können.

„Didsbury Girl“ ist dennoch eher eine Geduldsprobe. Episch? Meinetwegen. Auf jeden Fall ätherisch und monumental, mit Betonung auf erschlagend. „Live Like A River“ ist eine Art verzerrte Queens-Of-The-Stone-Age-Hommage: Mit jedem Hören gewinnt es an Reiz, aber so langsam wird die Trauerkloß-Technik, mit der Goodwin seinen Gesang auswürgt, langweilig. Zum Glück merkt er das offenbar auch selbst: Bei „Hope Master“ macht er nämlich den Mund auf, lockt die Stimme aus der Reserve und – singt! Eine willkommene Pause für die bis dahin schon recht müden Ohren.

Es folgt ein interessantes Chaos mit viel Knirsch und Bläsern. Aber: Bei „Man Vs. Dingo“ lässt Goodwin brav den Mund auf und die Stimme draußen. Der Song hat etwas von einer verrückten Horror-Kirmes – all das Durcheinander passt dennoch gut zusammen. Es muss ja nicht immer harmonisch sein, nicht umsonst liegt dem „Odludek“ eine Mixtape-Idee zugrunde: Jimi Goodwin ist unter seinen Freunden als Liebhaber diverser Musikstile von Northern Soul bis Gospel, von House über psychodelischen Ambient bis zu Krautrock, Dub und Funk bekannt. All das vereint er nun auf einer Platte: „I wanted it to be like that crazy mixtape you’d make your mate which had everything from Duke Ellington to some mad hip-hop track you’d just heard, and back again. That’s how I listen to music, and I wanted to make an album that reflected that.“

Getreu dieser Absicht folgt mit „Keep My Soul In Song“ eine ganz zarte Klavierballade. Auch die erste Single „Oh Whiskey! Recall“ bleibt bei den sanften Tönen: Bei dem bisher melodischsten Track über Freud und Leid des Trinkens sorgt eine Mundharmonika gleichermaßen für Euphorie und Melancholie. Ein wirklich schöner Song, der offenbar müde macht: Spätestens bei „Lonely At The Drop“ fällt Goodwin der Mund nämlich wieder zu. Er beginnt erneut, seine Lyrics eher durchzukauen, denn zu singen.

Danach kombiniert er bei „Panic Tree“ Trauerkloßkauen und Gesang – das geht nämlich auch. Mit seinem irish-folkigen Einschlag und dem klimpernden Saloon-Klavier ist dieser Song mein Highlight auf „Odludek“. Unterstützung bekam Goodwin hier vom Elbow-Sänger Guy Garvey, die Inspiration kam von einem texanischen Gospel-Sänger aus den Goldenen Zwanzigern: „Guy and I always vowed to work together and I played him an old Washington Philips track called ‚Lift Him Up, That’s All‘ and we said: When we finally get a chance to do something together, that will be the springboard.“. Gesagt, getan – in wenigen Stunden entstand so der wohl beste Song auf „Odludek“.

Und danach ist es einfach vorbei – klatsch. Leider und ein bisschen sehr rasant, nachdem man sich erst mal mit Geduld und Willensstärke durch die ersten zähen Lieder kämpfen musste. Aber das ist womöglich einer der Gründe, wie „Odludek“ zu seinem Namen kam: Auf Polnisch bedeutet der Begriff nämlich so viel wie „einsamer Pilger“, und wer die ersten Stücke der Scheibe übersteht, gelangt sozusagen ins Himmelreich.

Goodwin erklärt die Namenswahl lieber damit, dass „Odludek“ ganz und gar sein Werk ist, und zwar von den Lyrics bis zur (fast kompletten) Instrumentierung: „I did this record all on my own.“ Ursprünglich hatte er sich viele Gäste ins Studio holen wollen, aber dann entschied er sich doch dafür, die Sache weitestgehend allein durchzuziehen. Kein Problem, schließlich hatte er bei seiner ersten Band The Risk die Leadgitarre gespielt und bei den Doves gelegentlich auch am Drumset gesessen: „I made it myself and paid for it myself, and that was very free and liberating“, sagt er über die achtzehn Monate Aufnahmezeit in The Forest of Dean. Ein paar Gäste kamen jedoch dazu, neben Guy Garvey waren Fredrik Bjorling von Dungen, Jake Evans, Joe Roberts, Co-Produzent Dan Austin und eine Bläsertruppe dabei.

Ein Gesamturteil? Schwierig. Streckenweise wirkt „Odludek“ angestrengt und anstrengend. Man muss sich auf die Querbeet-Reise durch sämtliche Genres einlassen wollen. Und zwar am besten, indem man wie bei den alten Mixtapes weder vorspult, noch die Rosinen rauspickt. So taucht man ganz in Goodwins oft schrägen Kosmos ein, und wenn dies sein Ziel war, dann hat er seine Mission erfüllt.

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