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Coldplay – Ghost Stories – Das Übergangsalbum?

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Welche Band war mal die am meisten gehasste und zugleich meist geliebte Band der Welt? Richtig: U2. Da die aber in letzter Zeit irgendwie irrelevant geworden sind, musste ein neues Hass-Liebe Objekt her. Dieses hört auf den Namen Coldplay. Was wurde nicht alles über diese Band geschrieben. Hausfrauenmusik, Musik von Väter für Väter, reiner Kitsch usw.

Aber es gab mal eine Zeit, da hatten wir sie alle lieb und zwar als im Jahre 2000 die Single „Yellow“ erschien. (Fast) jeder liebte den jungen Mann mit der Engelsstimme. Das dazugehörige Album wurde ein Riesenerfolg. Dann folgte „A Rush Of Blood Through The Head“ und es wurde als Meisterwerk gepriesen.

Aber wie es nun mal so ist, wo viel Liebe ist, ist auch viel Hass. Schon Coldplays darauffolgendes Album „X&Y“ wurde von den Presseleuten in der Luft zerrissen. Man kann es den Leuten aber auch nicht übel nehmen, wenn ihnen die Truppe leicht auf den Nerv ging. Es gab kein Entkommen. Ob man nun in einer Kneipe saß oder sich im Supermarkt befand, von überall her wurde man mit ihren Songs berieselt.

Es kam aber nicht zum Super-Gau, nein ganz im Gegenteil: Die Band wurde immer erfolgreicher und sogar die ewigen Miesepeter Noel Gallagher und Liam Gallagher waren fasziniert von Coldplay. Nun schreiben wir das Jahr 2014 und ein neues Album steht an: „Ghost Stories“. Das Erscheinen eines neuen Coldplay Album hat ja fast schon etwas von einer Papsternennung, rein medial gesehen natürlich.

Als Coldplay plötzlich ohne große Vorwarnung das Stück „Midnight“ online setzten, fielen so manchem Musikkritiker die Kinnladen herunter. Sind sie jetzt endgültig zu einem Kraftwerk Klon mutiert? Keine Gitarre, kein Schlagzeug? Nur weiche Beats und Electronica mit einem Computer manipuliertem Chris Martin Gesang? Was tut denn jetzt der Rest der Band? Waren die nur noch zuständig für’s Kaffee kochen oder zum Lesen der E-Mails?

„Midnight“ fühlte sich fremd an, aber es machte einen gleichzeitig neugierig. Vom kommerziellen Standpunkt her war es ja fast schon ein Kamikaze-Akt. Ein solches Lied würde nie und nimmer die Charts stürmen, was es denn auch nicht tat. Aber Coldplay klangen wenigstens mal wieder interessant. Danach folgte „Magic“ – die erste „offizielle“ Single von „Ghost Stories“. Hier war es dann wieder der typische Coldplay Sound. Ein nettes Lied, sehr sanft gesungen von Chris Martin. Aber vor allem kein Pomp mehr. Ist da eine Band im Wandel?

Lassen wir es mal so sagen, sie geben sich Mühe. Der Opener „Always In My Head“ ist dennoch typisch Coldplay oder sollen wir sagen typisch U2? Der The Edge-Gitarrensound ist doch sehr präsent. Aber dann kommt der große Schock und zwar ihre aktuelle Single „A Sky Full Of Stars“. Was soll dieses „Lied“ bitte darstellen? European Dance Music war schon immer Gruselmusik und ausgerechnet Coldplay musste dieses „Genre“ wieder aus der Mottenkiste ziehen. Hier läuft es einem kalt den Rücken runter. Aber halt, wir haben ja die Fußball-WM in Brasilien dieses Jahr. Da passt dieses Lied wieder hin. Man sieht schon jetzt, wie sich die Fernsehstationen um dieses Lied reißen werden. Hier haben Coldplay allerdings kräftig daneben gegriffen, ein Fehltritt erster Klasse.

Der Rest des Albums ist jedoch frei von Bombast und Pomp. Es herrscht viel Ruhe und Experimentierfreude. Man kann zu Coldplay stehen wie man will, aber sie haben mit diesem Album Mut bewiesen. Denn viel Hit-Potenzial ist nicht vorhanden und das sollte man ihnen auch mal anrechnen. Die Gefahr besteht sogar, dass sie mit diesem Werk kommerziell gesehen eine Bauchlandung machen. Eine faire Chance sollte man „Ghost Stories“ jedoch geben. Ist es jetzt uncool, dies zu verlangen? Vielleicht!

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