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Lana Del Rey – Live in der Zitadelle, Berlin

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Lana Del Rey mag polarisieren, Debatten über Künstlichkeit vs. Kunst aufwerfen und mit gerade einmal zwei Alben in ihrer Karriere den gebeutelten Popstar geben, der nicht nur dunkle, leicht morbide Songs ins Mikrofon haucht, sondern sogar von einer persönlichen Todessehnsucht spricht, wie kürzlich im Interview mit The Guardian. Doch das alles ist nebensächlich als die Amerikanerin zu ihrem einzigen Deutschland Konzert nach Berlin kommt und mehrere tausende Menschen im Publikum wiederum begierig darauf warten, die von Elizabeth Grant versprühte Melancholie in sich aufzunehmen.

Ein Open-Air inmitten alter Gemäuer und mit vergleichsweise viel Tageslicht erscheint nicht unbedingt als perfekter Ort für eine ganze Reihe von intimen Klageliedern. Nicht einmal das Wetter will sich dem kommenden Schauspiel und der gedrückten Atmosphäre beugen. So reisst der Himmel über der Zitadelle weiter munter auf und das Kopfkino muss Abhilfe schaffen, um die Songs ins rechte Licht bzw. Dunkel zu rücken. Wie eine Schneekönigin in ihrem eigenen Märchen schreitet Lana Del Rey schließlich, in ein kurzes, weisses Kleid gehüllt, ganz bescheiden zur Bühnenmitte, lächelt fast schon etwas scheu ins Publikum und eröffnet mit „Cola“ ein Set, das nur sehr wenig neues Songmaterial bieten wird.

Auch in dieser Hinsicht lässt sich die Sängerin nichts vorschreiben. Wer darauf gehofft hatte, an diesem Abend einige Stücke ihres neuen Albums „Ultraviolence“ zu hören, der wurde enttäuscht. Gerade einmal zwei Songs schafften es auf die Setlist – der Titeltrack und die erste Single „West Coast„. Warum sich Lana Del Rey so sehr an älteres Material klammerte und gerade am Veröffentlichungstag ihres zweiten Albums so sehr auf Distanz zu diesem ging, das bleibt fraglich.

Die vielen Fans störte diese Tatsache vermutlich eher wenig. Schließlich gab es mit Songs wie „Blue Jeans“, „Born To Die“, „Summertime Sadness“ oder dem Über-Hit „Video Games“ genügend musikalische Ablenkung, bei der sowohl die zahlreichen sehr jungen, weiblichen Zuschauerinnen als auch die ü30-Generation andächtig schmachtend und fast regungslos auf der Stelle verharren konnten. Zweifelsohne gelang es Lana Del Rey trotz der wenig passenden Begleitumstände und ohne größere Mühe, ihr Publikum  stimmlich zu fesseln. Und das, obwohl es ihr die teilweise zu laut wirkende Band im Hintergrund besonders zu Beginn nicht gerade einfach machte, im Mittelpunkt zu stehen.

Überhaupt konnte man den Eindruck gewinnen, Lana Del Rey wollte auf der Bühne stellenweise das introvertierte Wesen und die damit einhergehende Intimität bewusst aufbrechen, so sehr wurden manche Songs in etwas härtere Versionen umarrangiert, bei der sich die Band etwas austoben konnte. Sei es „Blue Jeans“, bei dem sich Lana leidenschaftlich von hinten an ihren Gitarristen schmiegte oder das abschließende „National Anthem“, das der Band knappe 15 Minuten Narrenfreiheit an den Instrumenten gewährte, während die Hauptakteurin des Abends auf Tuchfühlung mit den Fans in den ersten Reihen ging und nach Unmengen an Selfies, mit Geschenken bepackt, wieder auf die Bühne zurückkehrte.

Gerade dieses letzte brachiale Aufbäumen der Musiker wollte nicht so recht ins Bild eines Konzertabends passen, der fast ausschließlich wie in einer Art Zeitlupentempo verstrich und die in der Luft liegende Melancholie plötzlich gewaltsam aus dem Ruhezustand riss. Dabei verpuffte das Sehnsuchtsmoment wie auf einen Schlag, die eben noch gefühlte morbide Wehmut wurde in ein viel zu lebendiges Gegenstück verwandelt und alles erinnerte ein wenig an Stadion-Rock. Die in der Vergangenheit oftmals in die Kritik geratene stimmliche Live-Qualität bekam an diesem Abend nur ein paar wenige Kratzer ab. Zwischendurch ölte die Sängerin ihre Stimmbänder auch immer wieder fleissig mit dem nächsten Nikotinschub, so dass der leicht raue Unterton kontinuierlich aufrecht erhalten wurde.

Lana Del Rey mag sich gerne als etwas unnahbare, beinahe schon divenhafte Persönlichkeit in Szene setzen, diese Fassade fällt allerdings auf der Bühne schnell, sobald sie sich nicht der Innigkeit ihrer eigenen Songs hingibt und nach aussen hin beim Singen absolute Zurückgezogenheit signalisiert. Die Interaktion mit dem doch vielerorts jungem Publikum war herzlich und weniger distanziert als man es vermuten könnte, auch wenn einige ihrer Worte an die Zuschauer wie kleine Phrasen in der Abendluft hingen.

Die von ihr so gelobte „Energie“ im Zuschauerraum war jedenfalls längst nicht so spürbar „amazing“ wie Madame Del Rey es bekundete. Am Ende der Show war eines gewiss – auf eine Zugabe musste keiner der Fans warten. Auf leisen Sohlen schlich Elizabeth Grant nach einem kurzen Gruß von der Bühne davon, während der Rest der Band weiterhin den musikalischen Aufstand probte. Emotional Detox im Dauerloop? Garantiert. Doch hätte ein ruhigerer Abschluss ohne Ausrufezeichen sicherlich auch nicht seine Wirkung verfehlt.

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