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Stars – No One Is Lost – weiße Zwerge, rote Riesen

Was haben die Stars vor zehn Jahren mit ihrer dritten Platte „Set Yourself On Fire“ für einen Meilenstein gesetzt. Aus dem pathetischen Ausufern zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, dem Pendeln zwischen Glitter und Asche entstanden Pop-Perlen wie „Your Ex-Lover Is Dead“,” Reunion” oder das im Wortsinn „Ageless Beauty“, deren dramatische Initiierung zu diesem Zeitpunkt kaum jemand besser beherrschte als die Kanadier.

Seitdem hat sich das in Toronto gegründete und via New York in Montreal ansässig gewordenen Quintett, welchem neben den beiden Initiatoren Torquil Campbell (auch als Schauspieler aktiv) und Chris Seligman noch Amy Millan, Even Cranley und Pat McGee angehören, fest im Musikbusiness etabliert. Was allerdings nicht automatisch beständigen musikalischen Fortschritt bedeutet (kein Einzelfall, siehe Placebo). Wurden auf dem 2007 folgenden „In Our Bedroom After The War“Album mit „Barricade“ oder „Take Me To The Riot“ noch hochemotionale Momente zelebriert, und waren dort noch kongeniale Duette von Campbell und Millan ansässig („The Night Starts Here“), wirkten diese Elemente auf den folgenden Platten „The Five Ghosts“ und „The North“ ausgebremst, die Stücke mutierten auf das Niveau von Shopping-Mall Beschallung.

Experimente sind die Fünf auch auf ihrem siebenten Album “No One Is Lost” nicht eingegangen. Trotz des Umstandes, dass das Studio über einer Disco namens The Royal Phoenix in Montreal angesiedelt war, hat sich die dortige Hellhörigkeit des Fußbodens nicht als nachhaltig prägend für den Sound erwiesen. Was aber auch nicht das Ziel war, schließlich befindet sich die Band nach eigenen Angaben in einer stabilen Schaffensphase, die sich vom Schwof aus dem unteren Geschoß nicht beeindrucken lässt.

Gänzlich verleugnen lässt sich die Aura des Gebäudes im Ergebnis dann aber doch nicht, der Starter „From The Night“ (inklusive gesampeltem Gelächter von Whitney Houston) klingt nach Wochenende, nach Lounge und Bar, nach Stimmengewirr und Gläserklirren, nach Herunterklappen des Bordstein-Laufstegs, auf dem sich  tagesaktueller Stumpfsinn in seichter Vergnügung auflöst. Auch „Trap Door“ und „You Keep Coming Up“ haben sich ein wenig der Diskokugel verschrieben, meist versuchen die Stars, sich jedoch selbst zu kopieren.

Das klappt mal mehr („No Better Place), mal weniger gut („Are You OK“). Es bleibt jedoch meist bei überstrapaziertem Indie-Pop mit Tendenz zur Sternenklasse weißer Zwerg. Die Stücke sind zu schwach, um zu glänzen, zu weit weg von den einst die Band beeinflussenden New Order. Selbst die früher von Campbell gern als Stilelement eingesetzte Trompete klingt inzwischen nach einer auf den Schwanz getreten wordenen Katze.

The Royal Phoenix ist inzwischen zu und irgendwie scheint auch den Stars gegenwärtig der direkte Weg zu den Sternen verschlossen. Aber es gibt sie, jene magischen Momente, in denen die Songs zu roten Riesen werden „What Is To Be Done“ oder auch der Titelsong sind solche, und lassen den Glauben an die Band und an die Unendlichkeit des Universums weiter leben.

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