Brigitte Calls Me Baby nehmen‘s schwer, nehmen’s leicht. Auf ihrem zweiten Studioalbum „Irreversible“ schmachtet sich das Quartett aus Chicago durch Herzschmerz, verflossene Liebe und das ewige Leid der Jugend.
Diese Band steht für feinsten New Wave. Hier das Gitarrenspiel von Jack Fluegel, das jeder noch so positiven Note einen melancholischen Anstrich verpasst. Dort die Sangeskunst von Frontmann Wes Leavins, die sich in ihrer schmerzverliebten Schnulzigkeit nun wirklich nicht vor der Stimme des Bariton-Bombasten Morrissey verstecken muss.
Auf dem Debütalbum „The Future Is Our Way Out“ konnte man noch die starken Einflüsse der Theatralik von Elvis Presley spüren. Mit dem Nachfolger „Irreversible“ finden Brigitte Calls Me Baby nun zu einer düster-heiteren Klarheit, die den Sound von The Smiths mit messerscharfen Gitarrenriffs und dräuenden Synths auf ein neues Level hebt.
Natürlich hallen wieder die Saiteninstrumente. Und natürlich zieht Wes Leavins jede Note bis zum Zerreißen. Aber diesmal hängt an all dem ein Gewicht, das tonnenschwer wiegt. Diesmal meldet sich die Jugend zurück, und sie ist gekommen, um zu bleiben.
Songs wie „These Acts Of Which We’re Designed” und “I Can Take The Sun Out Of The Sky” stehen dafür sinnbildlich. Alles wird auf eine Karte gesetzt. Man steigt in den DeLorean und rast in Richtung Sonnenuntergang, irgendwo zwischen ewiger Jugend und dem unwiederbringlichen Verlust der eigenen Unschuld.
Die Vergangenheit hat wieder Zukunft. Voller Nostalgie aktualisieren heutige Bands den Sound der 80er Jahre und machen ihn hörbar für die Hörer*innen des neuen Jahrtausends.
Dass die Tracks auf „Irreversible“ aber alles andere als nostalgisch verklärte New-Wave-Schlager sind, zeigt sich an der jugendlich arroganten Stilsicherheit, mit der Brigitte Calls Me Baby ihren eigenen Weltschmerz in zeitlose Coolness tauchen.
Da bleibt nur eins: Die Jeansjacke ausmotten, die Rayban Wayfarer auf die Nase klemmen und die Jugend bis zum letzten Atemzug feiern. Nehmen wir’s leicht, auch wenn’s schwer ist.
