Wer so sehr zu seinen musikalischen Wurzeln steht, sich so unverblümt in Retro-Klängen wälzt und gar nicht erst versucht, irgendetwas daran zu innovieren – der kommt allerhöchstens damit durch, wenn die Coolness im richtigen Verhältnis steht.

Brother Wallace ist seit seinem 11. Lebensjahr Gospel-Musiker, Pianist, Sänger, danach auch Chorleiter und Musiklehrer. Er kann also bereits auf so viel Erfahrung zurückblicken, dass sein Debütalbum „Electric Love“ als eindeutig überfällig bezeichnet werden kann. Vor allem aber ist er wahnsinnig cool.

Er säuselt mal samtig weich, setzt dann kräftige Statements, kratzt knapp vor der Übersteuerung durch die stimmlichen Register; und in ekstatischeren Momenten brüllt und schnauzt er auch mal rum.

Reiner, destillierter Soul trieft förmlich aus dieser Stimme. Ob Brother Wallace Anfang 20 oder Ende 50 ist? Zumindest an der Stimme erkennt man es nicht.

„Electric Love“ klingt, als wäre es genauso sehr für die Kirche wie für die schmierige Kellerkneipe geschrieben worden; für die fromme Gemeinde genau wie für die verirrten Schäfchen. Vorausgesetzt natürlich, man möchte sich von diesem charismatischen Bruder leiten lassen.

Eigentlich ist dafür auch egal, wovon genau die 13 Songs handeln. Vorherige Kritiker taten sich bisweilen schwer, zu entschlüsseln, ob Stücke wie etwa „Who Do You Love?“ als profane Partnerwerbung zu verstehen sind, oder ob doch auch etwas Predigendes darin liegt.

So oder so macht der Mix aus Gospel-Anleihen, stilvollem Soul-Songwriting und moderner Produktion gute Laune. Vor allem, weil immer wieder genau das drinsteckt, was im Moment wirklich nötig ist. Eine überflüssige Note muss man auf diesem Album lange suchen.

Übrigens sind die Musikvideos zum Album ebenfalls sehr sympathisch. Zwar sind es einfache Performances von Wallace und seiner Band vor einem green screen; die rudimentären Effekte und die Bildqualität, die aussieht, wie vom Röhrenfernseher abgefilmt, passen aber zur pur dargebotenen Spielfreude. Sie überträgt sich einfach in jeder Form.

Bleibt also nur zu hoffen, dass das Zweitlingswerk nicht genauso lange in der Mache bleibt wie das Debüt.

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