Wild Smiles – Always Tomorrow – Eher Always Yesterday

Wild Smiles kommen aus Winchester, England und tischen uns mit ihrem Debüt “Always Tomorrow” eine erfrischende Mischung aus My Bloody Valentine und Dinosaur Jr. auf. Beginnend mit “Fool For You” und “Never Wanted This” stellen sich sofort Déjà-vu-Erlebnisse ein. Die Leiereffekte, die die Gitarren – wie von der Brandung angespült oder dem Wind herüber getragen – klingen lassen, das Entrückte des gehauchten Gesangs, das meist moderate Tempo, die Wärme der analogen Produktion ohne eine gewisse Schärfe vermissen zu lassen, das alles lässt zumindest die ersten zwei Songs auf “Always Tomorrow” klingen als würde man My Bloody Valentines “Loveless” lauschen.

Tatsächlich kann man, ohne zu viel konstruieren zu müssen, feststellen, dass sich “Always Tomorrow” in drei Teile gliedert. Der erste verweist, wie oben erwähnt, explizit auf die Vergangenheit, so um die Shoegaze Ära Ende der 80er Anfang der 90er.

Der zweite, beginnend mit “Hold On”, präsentiert die poppige Seite von Wild Smiles. Denn bei dieser Band geht es nicht nur um Transgression und den perfekten Klang, sondern auch um die Suche nach dem “perfekten” Popsong. Und mit “Figure It Out” erklingt sogar tatsächlich am Ende von Teil 2 eine ambitionierte Popnummer, die im Radio nicht schlecht aufgehoben wäre, würde dieses nicht von formatierter, austauschbarer Digitalmusik dominiert.

Der dritte Teil forciert anschließend merklich das Tempo und den Krachanteil, das sonst eher in den Hintergrund gedrängte Schlagzeug bekommt mehr Aufmerksamkeit. So wird es beim auf Repetition-Effekte setzenden “Girlfriend” scheinbar gedoppelt, um bei “See You Again” brutal durch den Phaser gejagt zu werden, so dass es zu einer rollenden Wand aus Noise mutiert.

Trotz dieser offensichtlichen Gliederung zerfällt das Album mitnichten in drei Teile, die Qualität der einzelnen Songs ist zu hoch und deren Flow als Album funktioniert exzellent. Dennoch klingt auch nichts darauf neu oder fordert gänzlich unsere Hörgewohnheiten heraus, darüber können auch kleinere Soundspielereien, Synthesizer oder Gitarren, nicht hinwegtäuschen. Wild Smiles fügen mit “Always Tomorrow” keine neuen, völlig überraschenden Bausteine oder Erkenntnisse ins Klanguniversum der heutigen Musik ein.

Das soll aber bitte nicht falsch verstanden werden, denn so wie auf “Always Tomorrow” nichts völlig neu klingt, klingt auch ebensowenig alt, im Sinne von retro, oder langweilig, im Sinne von öde. Es klingt vielmehr familiär. Man trifft einen alten Freund, in diesem Fall Sound, nach langen Jahren wieder und es ist so, als wäre er nie fort gewesen. Direkt entsteht dieses wohlige Gefühl der Vertrautheit.

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