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Lykke Li (Credit Warner)

Lykke Li – Live im Kesselhaus, München

Zugegeben, ein allzu großer Lykke Li bin ich nicht, aber manchmal ruft eben die Pflicht. In diesem Fall ins Kesselhaus in München am Donnerstagabend. Fotos waren leider auch nicht erlaubt, nicht mal verwackelte Handy-Fotos aus der letzten Reihe, Lykke ist da laut Management mittlerweile wohl sehr streng (nicht so streng jedoch ist Google, wie der geneigte Foto-Forscher leicht feststellen wird).

Wenig überraschend besteht das zahlreich erschienene Publikum zu ca. 90% aus Frauen aller Altersgruppen, aber meistens unter 30. Den Support bietet Eliot Sumner, die in Italien geborene und nun in UK wohnende Tochter von Sting. Sie war früher unter dem Bandnamen I Blame Coco unterwegs, hat diesen aber mittlerweile abgelegt. Eliot macht guten, hymnischen Rock, klingt zum Glück kein bisschen wie ihr Vater, und erhält entsprechenden Beifall.

In der Umbaupause wird die Stimmung dann mit langsam aus dem hinteren Teil der Bühne hervor kriechendem Nebel geschürt. Kurz vor Beginn ist dann Nick Caves „Straight To You“ von seinem „Henry’s Dream“ Album aus den Lautsprechern zu hören – die perfekte Einstimmung!

Dann kommt zuerst Lykke Lis Band und kurz danach sie selbst mit wippendem Gang auf die Bühne. Lykke trägt eine enge Hose mit einem durchscheinenden Rock darüber, dazu ein Leder-Jacket. Alles natürlich in schwarz.

Dann beginnt es mit „I Never Learn“ vom aktuellen, gleichnamigen Album. Ein sehr schöner Auftakt. Auf der Bühne bleibt es relativ dunkel und nebelig, nur die unter den Musiker-Podesten eingebauten Scheinwerfer blinken stimmungsvoll. Es folgt „Sadness Is A Blessing“ vom letzten Album „Wounded Rhymes“ von 2010. Zu diesem Titel gibt es auch ein sehr stylisches, sehenswertes Video von Regisser und Produzenten Tarik Saleh, in dem der schwedische Schauspieler Stellan Skarsgård (Good Will Hunting, The Girl With The Dragon Tattoo, etc.) so eine Art Sugar-Daddy von Lykke spielt, die in einem Nobel-Restaurant für leichtes Aufsehen sorgt.

Nach weiteren zwei Titeln des aktuellen Albums sowie „Jerome“ vom letzten, spricht Lykke Li zum ersten Mal mit dem Publikum und kündigt „Silent My Song“ an. Der dramatische, etwas sakral anmutende Titel passt sehr gut zu der leicht mystischen Atmosphäre im Kesselhaus. Danach wird es jedoch gleich wieder mega-poppig mit dem Superhit „Little Bit“ von Lykkes Debütscheibe „Youth Novels“ aus 2008.

Dann muss Lykke Li sich offenbar erstmal ausruhen und geht mit Band von der Bühne. Wie sich herausstellt, unter anderem, um ihre Jacke gegen einen langen Ledermantel einzutauschen. Nach 2 Minuten kommt sie aber bereits zurück und es geht weiter mit „Gunshot“, dessen schönes Intro an die früheren Ulrich Schnauss Keyboard-Klänge erinnert. Lykke schafft durch die perfekt aufeinander abgestimmten Sound-, Licht- Tanz- und Fashionelemente schon eine sehr besondere Stimmung. Hunderte, gut aussehende und aufgestylte Frauen im Publikum, die größtenteils mitsingen und tanzen, tun ihr Übriges.

Nach dem Titel erklärt Lykke, dass sie eigentlich etwas krank ist und deshalb folgenden Titel spielt. Dieser ist dann „Love Me Like I’m Not Made of Stone“, ebenfalls von „I Never Learn“ in einer Quasi-Akkustikversion, nur durch Gitarren begleitet. Am Gesang hört man jedoch zumindest keinerlei Anzeichen von Krankheit.

Danach ist mit „I Follow Rivers“ wieder Zeit für einen Superhit, gefolgt von dem sehr berührenden „Never Gonna Love Again“. Stimmungsuntermalend strahlen nun von der Bühne rote Schweinwerfer durch den Nebel, der erste farbliche Eindruck an diesem Abend. Der offizielle Teil wird dann beendet mit „Get Some“ von „Wounded Ryhmes“, bei dem Lykke für ihre Verhältnisse wild auf der Bühne tanzt und mit einem Drumstick erst auf den Mikrofonständer und dann direkt auf die Hi-Hats ihres Schlagzeugers einschlägt.

Das aktuelle „Heart Of Steel“ ist dann die einzige Zugabe und ein gelungener Abschluß dieses Konzertabends. Die Frage, was Lykke Li eigentlich von anderen Pop-Sängerinnen wie Lana del Rey unterscheidet oder sie überhaupt so besonders macht, bleibt an dieser Stelle ungestellt. Es war einfach ein tolles, irgendwie romantisches Konzert.