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Miss Kenichi – The Trail

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Sie wollte „Gewicht von der Gitarre nehmen“, sagt Katrin Hahner alias Miss Kenichi über das musikalische Konzept für ihr drittes Album „The Trail“. Die ersten beiden Platten der Berliner Allroundkünstlerin (sie schauspielert, malt und macht natürlich Musik) „Collision Time“ und „Fox“ sind in der Tat gitarrenbetonter als das neue Werk, zeigen aber schon das besondere Talent Miss Kenichis für faszinierendes, hypnotisches Songwriting.

Beim ersten Hören wirkt „The Trail“ düster und melancholisch: Die Songs sind spartanisch arrangiert, fast durchgehend ist ein Harmonium (Pumporgel) zu hören, dazu ein wenig Piano und ja, doch, auch eine Gitarre. Miss Kenichi deklamiert eher, als dass sie singt, was den elf Stücken eine intime Stimmung verleiht, als säße man mit der Künstlerin am Lagerfeuer oder im abgedunkelten Wohnzimmer.

„The Trail“ ist ein Album, das sich schrittweise entfaltet, das mit jedem Durchgang neue Facetten und seine Vielschichtigkeit offenbart. So löst sich die anfänglich empfundene Dunkelheit fast vollständig auf – um zu einem sanften Leuchten zu werden, das aus dem tiefsten Inneren der Musik zu kommen scheint und Hoffnung und Freude verströmt. Diese Wirkung verdankt sich Miss Kenichis Gespür für Aufbau und Atmosphäre: Der karge, traurige Opener „Tale Of Two Rivers“, der von Erschöpfung geprägt zu sein scheint, wird in der weiteren Abfolge (beinah unmerklich) durch optimistische, positive Songs wie „Bobby Bacala“ oder „The Night“ aufgefangen und konterkariert. Wem der letzte Song bekannt vorkommt: Souverän covert, oder besser transformiert Miss Kenichi Robert Plants „Big Log“ (von dessen Soloalbum „The Principle of Moments“, 1983) vom Rock- zum Torchsong – große Kunst.

Als Co-Producer hat Miss Kenichi ihren langjährigen Freund und musikalischen Mitstreiter Earl Harvin ausgewählt, der im Hauptberuf Schlagzeuger der Tindersticks ist – er hält sich in angenehmer Weise zurück, lässt die Stücke für sich sprechen und sorgt dafür, dass auch die Percussion ihren Platz bekommt. Gastmusiker wie Terry Edwards von Gallon Drunk und Chris Bruce setzen Akzente, übertönen aber niemals die fabelhafte Miss Kenichi.

„The Trail“ überzeugt mit leisen Tönen und inhärenter Magie und Schönheit, der man sich nicht entziehen kann – aber warum sollte man auch?

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