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Julian Casablancas + The Voidz – Live im Postbahnhof, Berlin

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Kurz vor der Weihnachtszeit stehen für gewöhnlich alle Zeiger auf Besinnlichkeit, Ruhe und Nächstenliebe. Julian Casablancas + The Voidz stehen diesen drei Zutaten für ein beschauliches Fest scheinbar (noch) ein wenig argwöhnisch gegenüber und halten nicht viel von anschmiegsamen Songs, die sie ihrem Publikum auf ihrer momentan andauernden Tour wenig zart besaitet um die Ohren hauen.

Wem statt Advents-Völlerei eher nach Tyrannei zumute war, der begab sich zum Kontrastprogramm in den Postbahnhof, um sich vom Strokes-Sänger samt seiner Band The Voidz statt einer Portion Plätzchen ein paar musikalische Seitenhiebe abzuholen. Immerhin die Magengegend stimmte als Angriffsziel der aus New York und Los Angeles stammenden Rebellen, die die Fans an diesem Abend einer Flut an Psychedelic-Noise-Rock-Monstern in Songform aussetzten. Mit einiger Verspätung schlichen die fünf Begleitmusiker sowie Mr. Casablancas dann irgendwann doch noch im Halbdunkel auf die Bühne, auf der zwei alte Bildschirme bunte, zum Teil zuckende Farbspiele über die Röhren flimmern ließen.

Der Blick auf den heimlichen Anführer am Mikrofon wurde dem Publikum dagegen weitestgehend verwehrt. Das lag zum einen am sehr gedämpften Licht, das wenn überhaupt eher den Rest der Band flüchtig streifte und zum anderen an Casablancas leicht verkrampfter, gebückter Haltung, die ihn entweder in den Mikrofonständer drückte oder des öfteren auch mit dem Rücken zu den Fans stehen ließ. Kaum ein paar Minuten auf der Bühne, wirkte er optisch fast so als hätte er bereits ein anstrengendes Set hinter sich gebracht.

Die Haare seltsam verschwitzt am Kopf klebend, das Gesicht etwas aufgedunsen und die Schuhe so zerlatscht wie nach einem Kampf mit dem unter ihm liegenden Boden. All das abgerundet von einer Houston Basketball College-Jacke und einem Haufen Ketten um den Hals, die sich bei seinen garstigen Bewegungen schon einmal im Mikrofonkabel verfingen. Seine Stimme bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, verkam der Großteil seiner Gesangseinlagen zu einer Art Störgerausch, das zwar zum rumpelnden, düsteren Sound seiner Band passte, aber leider auch oftmals im herrlich dissonanten, wütenden Klang unterging.

Die auf dem Album „Tyranny“ voller Unruhe zappelnden Songs konnten sich in der Finsterheit der Club-Atmosphäre nur bedingt die nötige Aufmerksamkeit verschaffen. In den guten Momenten wie beim Song „Crunch Punch“ waberte der Bass einnehmend, lautstark und bedrückend zugleich über die Bühnenkante hinaus, packte die Fans und riss sie aus ihrer Starre. Oftmals wirkten die Anwesenden jedoch leider vom Geschrammel unbeeindruckt und fanden erst später im Set Gefallen an den schaurigen Interpretationen, die auch Songs wie „Human Sadness“,“Father Electricity“ oder auch „Dare I Care“ beinhalteten.

Während Julian Casablancas mit beinahe jedem Song stimmlich und auch in seinen Bewegungen den Aufstand probte, schaukelte in den letzten Reihen ein Kleinkind auf den Schultern seines Vaters im Takt. Dessen Anblick machte Casablancas zwischenzeitlich so stutzig, dass er etwas aus dem Konzept kam und sich verbal über den so jungen Besuch seines Konzertes wunderte. Da erzählte er dann nebenbei doch lieber von den Star-Wars-Film-Abenden im Tourbus und fauchte bei der nächsten Gelegenheit wieder gewohnt stur und bissig zugleich in das von seinen Händen fest umklammerte Mikrofon.

Trotz der passend rotzigen Art und dem spielerischen Eifer der Band sprang der Funken aber erst vergleichsweise spät über. Der große Paukenschlag blieb leider aus, obwohl die sechs Herren auf der Bühne höchst energisch ihre jeweiligen Instrumente bearbeiteten. Vielleicht lagen den Fans dann doch ein paar Plätzchen zu viel im Magen oder der Wunsch nach weniger Aufreibung in den Gehörgängen war größer als vermutet.

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