Olympique – Crystal Palace – Kraftvoll Bombastisch Leise

Die aus Salzburg und Wien kommenden Olympique zeigen auf ihrem Debüt “Crystal Palace”, wie eine gute Alternative-Rock Band zu klingen hat. Kraftvoll, mit bombastischen Melodien ausgestattet, aber immer auch wieder ein Gespür für leisere Töne. Wenn man nicht wüsste, dass die Jungs aus Österreich kommen, man würde sie glatt für eine Band aus den USA halten. In den meisten Fällen, wenn europäische Bands wie ihre großen Brüder aus Übersee klingen wollen, kommt dabei nichts wirklich Originelles heraus.

Olympique klingen in ihren dramatischen Momenten wie Interpol, wie zum Beispiel beim Stück “Eldorado”, aber schon bei “Hollow Way” schimmern die ruhigen Momente von Pearl Jam durch. Olympiques Musik könnte man durchaus mit Wein vergleichen. Einem herben und schweren zwar, aber doch sehr süffigem, mit sehr langem Abgang. Denn wie ein guter Wein wirken auch Olympiques Songs nach dem Verzehr noch einige Zeit nach. Vor allem bei Liedern wie “Words Lose Their Lines”, bei dem sich die Gitarrenwände auf so ungewöhnlich wie geniale Weise zum Schluss hin zunehmend verdichten, bekommt man einfach nicht genug und die Melodien eine ganze Weile nicht mehr aus dem Kopf.

Ein Song wie “Lullaby” entsteht deshalb auch nicht als flüchtige Notiz auf einem Bierdeckel aus einem Hauch von Ahnung oder Angelesenem. Er wächst aus direkt Gelebtem und selbst Erlebtem und hält wegen seiner Aufrichtigkeit jeglicher selbst bemitleidender Tristesse stand. Es ist andererseits die dandyhafte Selbstverliebtheit, die diesem Stück innewohnt, die es für jeden Außenstehenden in gleichem Maße erlebbar macht und den Raum für die Identifikation seines Hörers öffnet. Wer bei der Gitarren-Ouvertüre nicht den Ansatz zu einer Gänsehaut zeigt, braucht es mit Identifikation gar nicht erst probieren. Es ist ein epischer Kraftakt, der zum Schluss die vielen schönen Schauer in eine Gänsehaut verwandelt, ohne endgültig zu erlösen. Da bleiben Fragen offen, welche die zitternde Hand zum Drücken des Repeat-Knopfes bewegen. Immer und immer wieder. Von manchen Umarmungen kann man eben einfach nicht genug bekommen.

Was zeichnet diese Band nun aus? Es ist die moderne Lyrik, die in ihrer Metaphernfülle immer eine Mehrzahl an Interpretationsmöglichkeiten offen hält. Und trotz aller poetischer Dunkelheit, die er in energischer Weise in den Vordergrund hebt, wird sie von den darunter schwebenden Instrumenten auf melodramatischen Wogen getragen und immer wieder aufgefangen. Wenn das Gemüt auch von dunklen Wellen umflutet wird, die es fast zum Ertrinken ins Meer betten, strahlt immer irgendwo von fern der Leuchtturm einer rettenden Insel dieser schiffbrüchigen Seele entgegen, um das Schwarz aus dem Nachthimmel zu nehmen.

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