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Die Dunkelheit ist so komplex – Viet Cong im Interview

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Nach dem Ende von Women saßen die verbliebenen Bandmitglieder nicht lange tatenlos herum. Bassist und Sänger Matt Flegel sowie Schlagzeuger Mike Wallace stampften lieber ein neues Projekt aus dem Boden. Zusammen mit Scott Munro und Daniel Christiansen läuteten sie zwei Jahre später unter dem Namen Viet Cong eine neue musikalische Phase ihrer Karriere ein. Es dauerte nicht lange bis die erste EP ihren Weg an die Öffentlichkeit fand und der Vorbote für das nun erscheinende, selbstbetitelte Debütalbum war geebnet. Auf diesem schlagen alle Zeiger der Songs auf Post-Punk aus und die Kanadier demonstrieren ihren Hang zum Dunklen mit teils besonders rauer Spielweise. MusikBlog traf das Gespann Flegel und Munro zum verbalen Austausch über eben jenen persönlichen Neuanfang und befand sich schon bald später fast in Wettkampf ähnlichen Bedingungen wieder. Mit dem wohl geduldigsten Stillsitzer der Indie-Rock-Szene.

MusikBlog: Mit Viet Cong entwerft ihr nicht nur angesichts eures Bandnamens ein düsteres Kopfkino, sondern setzt auch musikalisch in einer dunklen Ecke an, was euren Sound betrifft. Hat diese raue, unpoliert wirkende Ästhetik schon immer eine große Anziehungskraft auf euch ausgeübt?

Matt Flegel: Ja, wir haben uns schon immer zu den dunklen Dingen im Leben hingezogen gefühlt. Mit leichter Musik hatten wir noch nie viel am Hut. Ausserdem ist dieses Album zu einem Großteil während der späten Abendstunden und der Nacht entstanden, was viel zum Klang der Songs beigetragen hat.

Scott Munro: Es kam fast nie vor, dass wir etwas aufgenommen haben, während draussen noch Tageslicht zu sehen war. Wir starten lieber später in den Tag, nehmen dann eine ganze Weile auf und ziehen bis morgens um fünf Uhr durch.

Matt Flegel: Unsere Songs eignen sich nicht wirklich dazu schon in den Morgenstunden aufgenommen zu werden. Da muss ich erst einmal selbst wach werden! Die Dunkelheit ist so komplex. Das reizt mich sehr an ihr. Definitiv mehr als alles, was bei Tageslicht so passiert.

MusikBlog: Hat sich dieser Drang nach der Dunkelheit erst im Laufe der Zeit bei euch entwickelt?

Matt Flegel: Ich glaube bei mir hat es schon in der Kindheit angefangen, denn ich habe immer düstere Videospiele gespielt und mich viel damit beschäftigt.

Scott Munro: Bei mir fing es auch schon recht früh an. Ich weiss noch genau, dass mir beim Klavierspielen auch immer die moll-Tonarten besser gefallen haben und die sind ja bekanntlich auch etwas schwerer verdaulich.

MusikBlog: Zumal Kanada auch nicht gerade ein Ort mit überdurchschnittlich großer Sonneneinstrahlung ist. Passend zur gedämpften Musik gab es vermutlich einige grauen Tage zu überstehen.

Matt Flegel: Ja, das war ein weiterer wichtiger Faktor, der letztendlich dazu führte, dass wir nicht gerade darauf aus waren allzu viel Leichtigkeit in unser kreatives Schaffen mit einfließen zu lassen. Wären wir in Süd-Kalifornien aufgewachsen, hätten wir wahrscheinlich eine andere Art von Musik bevorzugt.

MusikBlog: Was haltet ihr davon einfach einmal das Gegenteil auszuprobieren?

Matt Flegel: Ich hätte gar nichts dagegen! Immerhin verbringt man in Kanada rund acht Monate irgendwo unter einem Dach und bekommt nicht viel Licht, geschweige denn Sonnenschein ab. So wären wir einmal gezwungen in einer für uns ungewohnten Atmosphäre Songs zu schreiben oder aufzunehmen. Eine Art Schocktherapie! Das würde vielleicht auch einen Einfluss auf unseren Humor haben, der meist ebenfalls recht schwarz ist. Meine Texte fallen oftmals in die gleiche Kategorie, auch wenn man das im ersten Moment unter Umständen nicht so deutlich mitbekommt.

MusikBlog: Wie schwer wurde euch bei den Aufnahmen zu eurem Debüt „Viet Cong“ zumute?

Scott Munro: Meiner Ansicht nach waren ein paar sehr dunkle Momente dabei. Es war sehr kalt und wir haben uns ziemlich reingehangen als wir im Studio waren. Wir wollten laute und derbe Gitarren und dafür brauchte es einen gewissen Grad an Erbitterung sowie klanglichen Angriffen. Teilweise mussten wir fast schon übereinander lachen, wenn wir mit verbissenen Gesichter da saßen und uns gegenseitig beobachteten. So ist das eben, wenn man ganz und gar in den Songs steckt.

MusikBlog: Wogegen habt ihr während der Arbeit an eurem Album besonders angekämpft?

Matt Flegel: Das ganze Leben ist wie ein Kampf, dem man sich stellen muss. Von daher haben wir vieles von unseren alltäglichen Kämpfen in den neuen Songs verarbeitet. Keiner von uns wurde in einer besonders wohlhabenden Familie groß und ist völlig frei von Konflikten oder Problemen aufgewachsen. Wenn man zur Mittelschicht gehört, wird man automatisch irgendwann mit weniger schönen Dingen konfrontiert. Von den Schattenseiten können wir wohl alle ein Lied singen, denn die überwogen im Vergleich mit den guten Dingen. Genau durch diese schwierigen Situationen haben wir aber gelernt auch mit einer gewissen Härte und Realität umzugehen. Nur so lernt man für das Leben und nimmt daraus persönlich etwas für sich mit.

MusikBlog: Aller Schwierigkeiten zum Trotz, wofür seid ihr am meisten dankbar?

Scott Munro: Ich glaube, wir können uns glücklich schätzen zur heutigen Zeit in Kanada zu leben und dort aufgewachsen zu sein. Woanders auf der Welt hätte es womöglich schlimmer für uns ausgesehen. Wir hätten auch in Westafrika zur Welt kommen können und wären einer deutlich größeren Anzahl an Problemen zum Opfer gefallen. Dagegen erscheint vieles in unserem Leben doch wie eine Nichtigkeit. Unserer Generation wurde es vergleichsweise einfach gemacht ein gutes Leben zu führen.

Matt Flegel: Ich schätze sehr, dass ich in einem sicheren Land aufgewachsen bin, in dem ich nicht um meine Familie fürchten musste.

Scott Munro: Wenn man sich die vergangenen Jahrhunderte ansieht, dann hatten wir es doch ziemlich gut und sind inmitten einer Gesellschaft groß geworden, die uns viele Türen geöffnet hat. Es hat definitiv schlimmere Zeiten gegeben. Es gibt immer noch viel zu viel Elend auf der Welt, aber ganz allgemein betrachtet, befinden wir uns doch an einem recht guten Ort.

Matt Flegel: Es kommt immer auf den Kontext an, in dem man sich befindet. Man kann immer etwas finden, dass einem selbst unter den besten Umständen unglücklich macht. Das Leben wirft einem schließlich genügend Dinge vor die Füße, auf die man sich nicht einmal vorbereiten kann.

MusikBlog: Was habt ihr aus diesen Erfahrungen ganz speziell für euch zum jetzigen Zeitpunkt mitgenommen?

Matt Flegel: Ich weiss auf jeden Fall viel genauer, wie ich meine persönlichen Beziehungen zu den Menschen um mich herum gestalten möchte. Mir ist bewusst geworden mit wem ich meine Zeit verbringen will und wer sie dagegen verschwendet. Scott, ich will mindestens die nächsten drei Jahre an deiner Seite verbringen! (lacht)

Scott Munro: Oh wow, danke. Ich hätte jetzt nicht erwartet, dass du meinen Namen nennst.

Matt Flegel: Jetzt kann ich es ja einmal ganz offen sagen. Du warst schon immer etwas ganz besonderes für mich. (lacht)

MusikBlog: Fast ebenso lang habt ihr bereits Seite an Seite an eurem Debüt gearbeitet. Musste der Prozess ebenso intensiv ausfallen wie eure musikalisch enge Beziehung untereinander?

Scott Munro: Es waren wirklich ein paar sehr intensive Jahre für uns. Um genau zu sein, waren es zweieinhalb Jahre.

Matt Flegel: Im Nachhinein bin ich etwas überrascht, dass wir uns so lange Zeit mit unserem Debüt gelassen haben. Wir hätten sicherlich auch schneller ein Album zustande gebracht, aber das hätte sich nicht richtig angefühlt und so hat die Intensität unserer Zusammenarbeit eben auch den zeitlichen Faktor beeinflusst.

MusikBlog: Wodurch kann euer Bandgefüge oder euer Sound überhaupt erschüttert werden?

Matt Flegel: Da gibt es sicherlich einiges, denn es geht selten irgendetwas problemlos über die Bühne. Als Band ist man immer kleineren oder größeren Gefahrenquellen ausgesetzt. Besonders auf Tour hat man manchmal mit Problemen zu kämpfen. Wir sind über die Jahre besser darin geworden rationale Entscheidungen zu treffen, die uns als Band gut tun. Meiner Meinung nach ist es selten von Nutzen, wenn man sich unnötig aufregt oder einem selbstverursachten Stress aussetzt.

Scott Munro: Vor einer Weile haben wir noch zu vielen Anfragen „ja“ gesagt, weil wir dachten, dass das von uns verlangt werden würde. Mittlerweile haben wir aber eingesehen, dass es manchmal besser für uns ist, wenn wir zum Beispiel auf Tour auch einmal einen Tag frei haben anstatt von einer Show zur nächsten zu hetzen und uns kaputt zu machen.

MusikBlog: Wie zelebriert ihr als Individuen den Funken Freizeit abseits der Band, wenn ihr nicht auf Tour seid?

Matt Flegel: Ich setze mich hin, löse ein Kreuzworträtsel und mache mir ein herrliches Frühstück. Darauf freue ich mich immer sehr! Auf Tour hängen wir viel zusammen herum und sind auch gerne zusammen, aber man hat viel weniger die Gelegenheit etwas für sich zu tun.

Scott Munro: Für mich fängt es schon damit an, dass ich ganz normale Sachen tue, wie zum Beispiel morgens eine Zeitung zu kaufen. Ausserdem bin ich sehr geduldig geworden. Geduld ist womöglich meine beste Eigenschaft, denn auf Tour wartet man ständig auf etwas oder jemanden. Ich kenne niemanden, der so lange auf einer Couch sitzen und nichts tun kann wie ich! Wir könnten das sofort testen. Hast du Zeit? Wir fliegen erst morgen früh und ich könnte sofort bis zum Abflug hier rumsitzen.

Matt Flegel: Sag jetzt lieber nichts, sonst befindest du dich offiziell in einem Wettkampf mit Scott. Er ist ziemlich gut im Stillsitzen! (lacht)

MusikBlog: Ok,Themawechsel! Hattet ihr bei den Aufnahmen zu „Viet Cong“ auch allen Grund zum Zappeln oder inwiefern verlief diese Phase kontrolliert?

Matt Flegel: Zugegeben, ich wurde ganz zappelig als es darum ging vor Leuten zu singen. Da wurde ich doch leicht nervös und habe mich für meine Verhältnisse weit aus dem Fenster gelehnt. Gerade bei den ersten paar Shows der Band habe ich mich etwas schwer getan und musste mich erst mit der Rolle des Sängers anfreunden. Das ging dann aber von Show zu Show besser. Das Gleiche gilt für mein Keyboardspiel.

MusikBlog: Wollt ihr als Band ganz bewusst auf alles, was euer Werk betrifft, einen Einfluss haben oder könnt ihr euch auch gut davon freimachen?

Matt Flegel: Was unsere Songs angeht, wollen wir natürlich ganz und gar die Kontrolle über das letztendliche Produkt behalten. Da ist es mir dann schon zu viel einem Radio-Edit zuzustimmen. Das kommt für mich überhaupt nicht in Frage. Alles andere, was nicht im direkten Bezug zum kreativen Output auf klanglicher Ebene steht, betrachte ich mit einer größeren Lockerheit. Zum Beispiel Videos. Da interessiert mich zwar das Ergebnis und muss mich zufriedenstellen, aber in dieser Hinsicht habe ich ein großes Vertrauen in den Regisseur und alle Beteiligten.

MusikBlog: Welches Detail in Bezug auf das Album hat euch die meisten Nerven gekostet?

Scott Munro: Ich vermute die Einstellung der Mikrofone hat am längsten gedauert und dafür gesorgt, dass wir unsere Stirn in Falten gelegt haben. Dafür sind mindestens ganze zwei Tage draufgegangen, auch wenn man das kaum glauben mag. Vor allem für das Schlagzeug haben wir immer wieder Veränderungen vorgenommen. Bei den anderen Instrumenten ging alles deutlich schneller.

Matt Flegel: Selbst die Vocals haben uns nicht übermäßig viel Zeit gekostet und viele der Songs waren nach zwei bis drei Takes im Kasten.

MusikBlog: Das klingt nach einer insgesamt guten Vorbereitung für solch ein großes Unterfangen.

Matt Flegel: Wir haben wirklich viel Wert darauf gelegt gut vorbereitet an die Aufnahmen zu gehen.

MusikBlog: Ihr konntet also relativ entspannt all eure Vorhaben in die Tat umsetzen?

Matt Flegel: Fast. Ich hatte geplant Nigel Godrich zu engagieren und in den Abbey Road Studios aufzunehmen. Aus dem Plan wurde leider nichts! (lacht)

Scott Munro: David Bowie haben wir auch angerufen, aber er ging nie ans Telefon. Später rief er aber immerhin zurück und teilte uns mit, dass er gerne mit uns gearbeitet hätte, wenn es zeitlich nicht so eng gewesen wäre. Zwei eigentlich plausible Pläne gingen also nicht ganz auf. (lacht)

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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