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Atari Teenage Riot – Reset – Das Empire lärmt zurück

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Alec Empires Noise-Maschine Atari Teenage Riot war in den Neunzigern als Soundtrack zum Straßenkampf das Maß aller Dinge. Dann ging die Formation auseinander. Nach der Reunion der Band im Jahr 2010 (wenn man nach dem Ausstieg von Hanin Elias und dem Ableben von Carl Crack überhaupt von Wiedervereinigung sprechen konnte) äußerte nicht nur MusikBlog anlässlich der Veröffentlichung vom Album „Is This Hyperreal“ Zweifel, ob das Comeback wirklich nötig war. Den Puristen der Hard-Core-Fan-Fraktion trieb das in deren Ohren fast poppige Produkt gar den Angstschweiß auf die Stirn. Alec Empire und seinen Mitstreitern, Nic Endo, MC CX Kidtronik und dem neu dazu gekommenen MC Rowdy Super Star war das egal, sie spielten sich seitdem vor allem live in einen Produktionsrausch, dem im letzten Jahr schon die EP „Modern Liars“ entsprang.

„Reset“ meint bei Atari Teenage Riot nicht das Zurücksetzen des Systems auf die Werkseinstellung, sondern das komplette Löschen des RAM (wie am Atari-Computer möglich) und bedeutet hier den gänzlichen gesellschaftlichen Neubeginn, zu dem Chef-Agitator Empire den Takt liefert. Eine gehörige Restdatenmenge scheint sich aber hinübergerettet zu haben, das Album klingt wie aus alten Fragmenten neu zusammengesetzt oder wie die Remix-Version der letzten Platte, die in der Summe mehr nach Neustart klang. Nur im verhältnismäßig sanften „Modern Liars“ ist initial der Versuch erkennbar, sich musikalisch breiter aufzustellen. Auch das launig vor sich hin groovende „Ca$h“ fällt noch aus dem Rahmen der 10 Nummern.

Beim Rest der Platte bleibt festzustellen, dass sich nichts Grundlegendes geändert hat. Spätestens bei „J1M1“ und dem Titel-Track ist wieder alles beim Elektro-Punk Alten. „Transducer“, „New Blood“ oder „Death Machine“ funktionieren nach dem Prinzip der „60 Second Wipe Out“-Platte: einfache Beats + Gitarrenbrett + maximale Lautstärke + Verzerrer auf Maximum und bedeuten, unvorsichtig genossen, akustische Körperverletzung. Aber man weiß wenigstens, was man daran hat.

Dazu gibt`s ordentlich Sirenengeheul, dann und wann irres Gelächter und reichlich Kampfparolen. Mit „Your Mind Is A Weapon“, „Know Your Enemy“ oder „Don`t Let It Break You“ weckt man sicher wieder in den Vororten die Lust Heranwachsender am Zündeln und begeistert mit dazugehöriger Aggressivität die ohnehin Adrenalin gepushten Konzertbesucher. Insgesamt scheint dieses Vorgehen zur Rekrutierung von politisch motiviertem Nachwuchs außerhalb von Szene-Vierteln nicht zuletzt durch seinen inflationären Einsatz überholt.

Der alte Schlawiner Kapitalismus samt Polizei und Überwachungsstaat hat sich in den vergangenen 23 Jahren, die seit der Bandgründung vergangen sind, globalisiert und geschickt dem Zugriff aller kampfbereiten Aktivisten entzogen. Mit den Ansagen von einst ist ihm nicht mehr beizukommen. „Deutschland Has Gotta Die!“? Trotz „Reset“ wohl auch 2015 nicht.

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