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Kante – In der Zuckerfabrik – Alles außer Süßkram

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Dass Kante beinahe Alleinerbe der Hamburger Schule ist, hat nichts damit zu tun, dass ihr Sänger Peter Thiessen temporär bei Blumfeld den Bass bediente, sondern vor allen Dingen damit, dass das 2001 veröffentlichte Album „Zweilicht“ eine der wichtigsten Platten der Nuller Jahre war und den der Hansestadt zugeordneten Diskurs-Pop weiterentwickelte.

Mit „Zombie“ und „Die Tiere sind unruhig“ folgten bis 2006 zwei weitere Konzept-Alben. Seitdem gab es nur sporadische Konzerte, jedoch keine reguläre Neuveröffentlichung (abgesehen von „Kante Plays Rhythmus Berlin“ aus dem Jahr 2007, welches vertonte Texte für eine Revue am Friedrichstadtpalast enthielt), was im Musik-Business für gewöhnlich eingestellte Aktivität bedeutet.

Die Hamburger Band, die nie Teil der Regularien des Popgeschäftes war, erschloss sich mit Theatermusik neues Terrain. Wiener Burgtheater, Staatsschauspiel Dresden, Berliner Schaubühne, Münchner Residenztheater – die Liste ihrer Referenzen ist lang und entsprechend viel Material ist dabei entstanden. „In der Zuckerfabrik“ fasst jetzt eine Auswahl von 15 Stücken zusammen, die als musikalischer Rahmen für Werke von u.a. Dostojewski, Brecht, Voltaire oder Handke entstanden. Dass Theatermusik nicht automatisch nach verstaubter Hochkultur klingen muss, bewiesen im letzten Jahr The Ministry Of Wolves über deren Beiträge für „Republik der Wölfe“ am Dortmunder Schauspielhaus wir berichteten und Kante steht dem in nichts nach.

Der Titelsong eröffnet die Platte und macht gleich Nägel mit Köpfen. Ein bis ins Detail durchdachter, kraftvoller Gitarren-Sound wird mit akzentuiert eingesetzten Bläsern ergänzt, dazu ein Text, der das sich einmauernde Europa besingt und sich damit zum Zeitgeschehen positioniert. Auch das von der Rhythmusgitarre getragene „Das Erdbeben von Lissabon“ hat inhaltlich mit seinen zerfetzten und verschütteten Opfern – „Denn Eure Heimat wird so hört/ fürs zum Glück der Welt restlos zerstört“ – leider traurige Aktualität. Rockig und leicht geht es dafür in „Morgensonne“ zu. Bei dem Titel aus Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ hätte selbst der Dichterfürst mit dem Fuß gewippt, während sich der Indie-Pop von „Geist der Liebe“ nach einem Bestandteil von „Zweilicht“ anhört.

Es gibt natürlich Musik auf dem Album, der man anhört, dass sie nicht für den Hausgebrauch geschrieben wurde. Das rezitierende „Das Lied Vom Sankt Nimmerleinstag“, das mit Helium-Stimme Parabeln erzählende „Keine Wegspur, Nichts Zu Sehen“ oder das dunkle „Arioso Der Shen Te“ unterstreichen die Schwere der dazugehörigen Aufführungen. Die schmetternde proletarische Kampf-Hymne „Lied Vom Achten Elefanten“ lässt kurz den Gedanken an die Vertonung von „Sing Mir Ein Kleines Arbeiterkampflied“ der Bolschewistischen Kurkapelle Schwarz-Rot aufkommen, die Jazz-Nummer „Black Rider“ fällt reichlich sperrig aus.

Die große Stärke der fünf Musiker sind aber die Stücke, in denen die Band alle Wehmut und Melancholie poetisch zwischen die Zeilen packen kann. Sei es in „Donaudelta“, einer Beschreibung der Schönheit von Flüssen, bevor sie das Meer erreichen (welches musikalisch auf das Band-Debut „Zwischen den Orten“ passen würde). Oder natürlich im Thematisieren der Liebe, zelebriert in „My Love Is A Fever“ und dem anmutigen „Wenn Ich Dich Begehre Gegen Jede Vernunft“, in dem Sehnsucht und Verzweiflung nahtlos miteinander verschmelzen.

Mit „In der Zuckerfabrik“ ist ein Querschnitt gelungen, der für Theater- und Musikfreunde gleichermaßen interessant ist und die Vorfreude auf das angekündigte neue Album steigert.

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