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The Ministry Of Wolves – Music From Republik Der Wölfe

Das Schauspielhaus Dortmund hat sich dem deutschen Märchenschatz angenommen und führt seit 15. Februar diesen Jahres unter der Regie von Claudia Bauer die „Republik der Wölfe“ auf. Nicht etwa pädagogisch glatt gebügelte Versionen der Gebrüder Grimm, die wir den lieben Kleinen vorlesen, sondern die mündlich überlieferten blutrünstigen Splatter Originale, die von der amerikanischen Dichterin Anne Sexton 1971 unter dem Titel „Transformations“ neu aufbereitet wurden, kommen zur Aufführung.

Für die musikalische Begleitung dieses Spektakels ist es zu einer sehr exquisiten Kollaboration gekommen. Paul Wallfisch, Komponist von Filmmusik, Kopf der Band „Botanica“ sowie musikalischer Leiter des Dortmunder Hauses, gewann nicht nur Alexander Hacke und seine Frau Danielle de Piciotto sondern auch Mick Harvey für dieses Projekt, welches unter dem Namen The Ministry Of Wolves das wilde Treiben auf der Bühne live begleitet.

Von einer solchen musikalischen Vita kann man mit Recht einiges erwarten. Die Hacke, bereits Gründungsmitglied der Einstürzenden Neubauten, spielte zuletzt bei Crime & the City Solution, seine Gattin ist aktuell ebenfalls in dieser Band tätig und hat im früheren Leben bereits mit Dr. Motte die Love Parade initiiert. Mick Harvey, über Jahrzehnte Musikdirektor bei Nick Cave`s Bad Seeds, veröffentlichte in den letzten Jahren mehrere Alben mit Serge Gainsbourg Adaptionen und spielt aktuell an der Seite von Polly Jean Harvey als Multiinstrumentalist in ihrer Band.

Die Musiker werden den Erwartungen voll und ganz gerecht. Das unheilvolle Spoken-Word-Intro  „The Gold Key“ von de Piciotto lässt schon mal eine schaurig schöne Gänsehaut entstehen, die Stücke tragen jeweils die Handschrift vom federführenden Bandmitglied. So lässt Hacke Rumpelstilzchen als Garagen-Rock Versatzstück klingen wie Dr. Kimble auf der Flucht, während Rapunzel von Harvey (ein neues Album von ihm ist für April angekündigt) als Chanson-Bar-Blues interpretiert wird.

Moral wird in den Textbearbeitungen groß geschrieben. Wallfish verlegt das moderne Rotkäppchen in „Little Red Riding Hood“ nach Manhattan, wo es die Eltern mit der  Aufsichtspflicht für ihre Schutzbefohlene nicht ganz so ernst zu nehmen scheinen. Und wenn der Männerchor „Far, Far Away In The Big, Dark Wood“ raunt, kann es einem schon Bange um das Kindchen werden, aber der Retter naht. „The Huntsman cut her out, little Red, like a Poppy“- das kann natürlich auch Sylvester Stallone als Cop gewesen sein, der die Kleine aus der Drogenhöhle befreite.

Das Ensemble gestaltet seinen Lauf durch das Gemetzel äußerst abwechslungsreich, wechselt zwischen Rock und Walzer (Cinderella bekommt standesgemäß den ¾ Takt), zwischen verzerrten Gitarren und Drehleier, benutzt Noise Elemente und kommt mit dem Slowcore Stück „Sleeping Beauty“ zum Höhepunkt der Aufnahmen. Der abschließende „White Snake Walz“ schlägt in seiner Eindringlichkeit den Bogen zum Intro und warnt noch einmal „Forbidden fruit/Holds secrets deep/Forbidden fruit/You wake or sleep“. Na dann gute Nacht!

The Ministry Of Wolves kommen mit ihrer Märchenmusik im Frühjahr auf Tour, ein Ereignis, das man sich nicht entgehen lassen sollte!

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