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Eaves – What Green Feels Like – Eigene Songwelten

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Ok, ich gestehe: Ich bin kein übermäßig großer Freund von aktuellen Indie-Folksachen. Stücke von Mumford & Sons und Co. lassen mich jedes Mal innig bedauern, dass es die Evolution leider versäumt hat, die Menschheit mit Ohrenklappen auszustatten. Aber schon gut. „Wer’s mag, nimmt eben mehr“ lautet hier bekanntlich die alte Regel.

Über Joseph Lyons alias Eaves wurde ich im letzten November gestolpert, weil mir der mächtige MusikBlog den Auftrag erteilte, den 23-jährigen aus Leeds per Interview mal näher abzuklopfen. Damals hatte er gerade seine erste EP „As Old As A Grave“ veröffentlicht. Eigentlich ein bisschen wenig für ein Interview, aber immerhin zeigten die drei Stücke der EP schon eine recht eigenwillige, ursprüngliche Musikalität, der man immerhin mal nachspüren konnte.

Zum Zeitpunkt des Interviews war Eaves gerade dabei, seinem ersten Album den letzten Schliff zu geben. Damals sagte er, dass die EP in Hinblick auf das Album ein bisschen in die Irre führen würde. Ganz so wild ist es zwar nicht, aber das jetzt veröffentlichte „What Green Feels Like“ zeigt natürlich schon die größere Breite. Was vorher ein kleiner Ausschnitt war, ist jetzt als komplettes Bild zu sehen.

Und für viel Farbe sorgt darauf zum Beispiel schon mal, dass der größte Teil des Albums mit einer kompletten Band eingespielt wurde. Ergänzende Farbtupfer kommen dazu auch noch durch Bläser, multigetracktem Gesang und ein paar anderen Instrumentierungseinfällen. Das Hauptgewicht liegt in den neun Songs zwar immer auf seiner Stimme plus Gitarren bzw. Pianobegleitung, aber die Band dient dabei nicht nur als reine Begleitung, sondern ist fest mit in den Aufbau der Songs integriert.

Überhaupt folgt Eaves in seinen Songstrukturen einem ziemlich eigenen Weg. „Ich mag Prog-Rock und liebe es, wenn ein Album den Zuhörer mit auf eine Reise nimmt. Genau so eine Platte wollte ich machen“, bemerkte er im Interview in Bezug auf seine Einflüsse. Und wenn man „What Green Feels Like“ hört, merkt man, dass das keine leere Promofloskel war. In seinen Songs verzichtet er meist auf traditionelle Bausteine wie Strophe und Refrain, sondern lässt sie frei fließen und sich entwickeln. Was aber nicht bedeutet, dass hier frei in der Gegend rumgejamt wird. Nein, alles immer strikt durchkomponiert bzw. arrangiert und rockt zuweilen auch schon mal ziemlich deutlich. Der rote Faden ist dabei immer der Text bzw. der Gesang.

Diese freien Strukturen machen sich auch in der Länge der Songs bemerkbar. „Purge“ bildet mit achteinhalb Minuten die Obergrenze, aber auch die meisten anderen Songs liegen gerne mal bei fünf bis sieben Minuten. Aber dieser Zeitaufwand ist bei ihm gerechtfertigt. Eaves schafft es immer, die Spannung zu halten und kreiert über diese Zeiträume atmosphärische Songwelten, in denen man gerne schon mal ein paar Minuten abtaucht. Gelegentliche Atmogeräusche wie Stuhlknarzen, Saitengeschliere oder kleine Soundspielereien geben dem Album zusätzlich auch noch etwas Versponnenes.

Mittelpunkt der Songs ist natürlich immer Eaves markante Stimme. Auch hier zeigt er seine Vorliebe für eigenwillige Melodieführungen, Melismen und Verzierungen, die seinen Stücken etwas unverkennbar Eigenes geben, das ihn meilenweit vom Gros der momentan amtierenden Indie-Folkern abhebt. Genauso wie seine Texte. Mit einem scharfen Sinn für Poetik, klaren Bildern und exakten Beobachtungen, verarbeitet er Themen aus seiner Working Class-Jugend in der englischen Kleinstadt Bolton. Bei einem Bier nach dem Interview erwähnte er damals übrigens, dass er gerne liest. Den walisischen Alk-Poeten Dylan Thomas nannte er unter anderem als einen seiner Haupteinflüsse. Das hat anscheinend gute Wirkung bei ihm gezeigt. Damit meine ich jetzt nicht den Alkohol.

Mit „What Green Feels Like“ ist Eaves ein ziemlich interessantes Debut-Album gelungen. Fernab von allem stereotyp hippen Indie-Folkgeschrabel, folgt Eaves seinen ganz eigenen Vorstellungen und Ideen. Wird spannend sein, zu sehen, was noch so alles vom ihm kommen wird. „What Green Feels Like“ wird jedenfalls, siehe oben zum Trotz, noch öfters in meine Ohren laufen.

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