Für diese Website registrieren

fünf × drei =

Mit der Registrierung stimmst du den MusikBlog Nutzungsbedingungen zu.

Bitte gib deine E-Mail-Adresse hier ein. Du bekommst eine E-Mail zugesandt, mit deren Hilfe du ein neues Passwort erstellen kannst.

Entdecke neue Musik

Empfiehl deinen Freunden neue Alben oder Konzerte deiner Lieblingskünstler, erstelle deine persönlichen Album-Charts oder gewinne Konzertkarten und mehr bei unseren Gewinnspielen.

Jegliche Art von Krach ist gut – Drenge im Interview

Registriere dich, um es deinen Charts hinzuzufügen oder deinen Freunden zu empfehlen.

Hätten Drenge vorab ihrer Show in Berlin ein Fußballspiel auf die Beine stellen wollen, wäre dieser Plan vermutlich aufgegangen. Genügend Mitspieler waren zumindest in greifbarer Nähe, denn der Backstage-Bereich wimmelte geradezu vor Menschen. Ihre Kollegen von Circa Waves spielten gleich nebenan und vertrieben sich Tür an Tür mit dem Trio die Wartezeit bis zum Auftritt. Dem neuen Album „Undertow“ haftet noch der Frischeduft an, da steht die Band auch schon für ein Konzert auf der Matte. Wir zogen Schlagzeuger Rory Loveless zum Gespräch unter vier Augen in die ruhigste, auffindbare Ecke des Clubs und sprachen mit ihm über seine Beziehung zum Rock’n’Roll, den Bandzuwachs und die Vorteile des Lebens in Sheffield.

MusikBlog: Fühlt ihr euch mit dem zweiten Album und der langen Zeit auf Tour noch als die „Jungs“, die euer Bandname Drenge zum Ausdruck bringt?

Rory Loveless: Ich glaube, wir sind im Laufe der letzten Jahre schon ein ganzes Stück erwachsener geworden. Die „Jungs“ sind zwar noch nicht ganz verschwunden, aber haben definitiv viel dazu gelernt. Wir machen zwar immer noch irgendwie dasselbe, aber können uns jetzt besser den jeweiligen Situationen um uns herum anpassen. Als Teenager habe ich mich manchmal ungeschickt angestellt. Das ist nun verflogen. Vor allem in sozialer Hinsicht bin ich erwachsener geworden und empfinde den Umgang mit anderen Menschen nicht mehr als unangenehm wie früher.

MusikBlog: Fühlt sich die Entwicklung auf musikalischer Ebene auch so groß an?

Rory Loveless: Vielleicht können Außenstehende das besser beurteilen, aber zumindest kann ich von uns behaupten, dass wir nun viel genauer wissen, wie wir einen richtigen Song schreiben. Auf dem ersten Album haben wir unsere Gedanken und Gefühle oftmals einfach nur unverblümt herausgelassen. Ein Großteil der Songs basierte auf unseren Instinkten. Die neuen Stücke sind häufig durchdachter, auch wenn wir natürlich nicht alles über Bord geworfen haben, was sich auf dem ersten Album richtig angefühlt hat.

MusikBlog: Woran wolltet ihr denn zum Beispiel unbedingt festhalten?

Rory Loveless: Am Lärm! Jegliche Art von Krach ist schon mal gut und es wert näher ins Auge gefasst zu werden. Generell gesehen, hat sich aber klanglich schon einiges für uns verändert, weil wir alles experimenteller angegangen sind im Vergleich zu unserem Debüt.

MusikBlog: Fühlt sich die Liebe und Verbundenheit zum Rock’n’Roll oder Grunge für dich als Musiker wie etwas an, das auf Lebenszeit bestehen könnte?

Rory Loveless: Wenn ich ehrlich bin, kann ich mir schon vorstellen, dass ich einmal zu alt für Grunge oder Rock’n’Roll werde. Ich weiss nicht, ob es die Art von Musik ist, die ich für den Rest meines Lebens machen kann. Irgendwie assoziiere ich diese Musikformen mit einem jungen Publikum und sehe mich momentan nicht als Musiker, der selbst im fortgeschrittenen Alter noch in dieser Sparte bleibt. Ausserdem würde ich mich damit der Chance verwehren etwas zu machen, das unter Umständen einen größeren kontemporären Bezug hat. Das heisst nicht unbedingt, dass ich ab sofort nur noch Musik mit Computern machen möchte, aber ich will auf jeden Fall noch viel mehr mit dem experimentieren, was mir jetzt zur Verfügung steht.

MusikBlog: Die erste Single eures neuen Albums trägt den Titel „We Can Do What We Want“. Wie oft hat euch diese Einstellung schon Ärger eingebracht?

Rory Loveless: Ich gebe zu, wir haben schon unseren eigenen Kopf, aber dennoch ist diese Aussage eher ironisch gemeint und nicht allzu sehr mit uns als Individuen verbunden. Wir wollten damit eher der Vorstellung nachgehen, wie es wäre, wenn es keinerlei Regeln geben würde und jeder machen könnte, was er will. Für gewisse Dinge ist es gut einen Rahmen vorgesetzt zu bekommen. Irgendwann muss eben jeder ins Bett oder sich Zähne putzen. Ohne Regeln wäre man manchmal ziemlich aufgeschmissen.

MusikBlog: Wer oder was schafft es dich in die Schranken zu weisen, wenn du doch einmal über die Stränge schlägst?

Rory Loveless: Normalerweise übernehmen meine Eltern das und bringen mich schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Sie haben in letzter Zeit aber nicht mehr so viel zu tun gehabt, da meine Freundin den Job übernommen hat mir ab und zu die Meinung zu sagen. Oder meine Mitbewohner halten mir eine Standpauke, wenn ich mich nach der Tour wie ein Rockstar aufführe.

MusikBlog: Seit dem letzten Jahr seid ihr mit einem zusätzlichen Bassisten unterwegs, der auch auf „Undertow“ mitgewirkt hat. Inwiefern hat diese Veränderung des Line-Ups zu einer unterschiedlichen, spielerischen Dynamik zwischen dir und deinem Bruder geführt?

Rory Loveless: Wir können nun endlich jemand anderen für Fehler verantwortlich machen, die  wir verzapft haben! Nein, Quatsch! Unser Bassist Rob war schon immer unser Held. Schon auf der Schule fanden wir ihn immer toll und haben zu ihm auf geschaut. Er ist ein bisschen älter als wir und war deswegen ein paar Jahrgänge über uns. Sein Style war unschlagbar. Wirklich jeder wollte auch so eine coole Jacke haben wie er. Abgesehen davon hat er uns immer einen Haufen Bands vorgespielt, die wir bis dahin nicht kannten. Gewissermaßen war er für uns so etwas wie ein älterer Bruder. Daher ist es jetzt umso toller, dass wir zusammen in einer Band spielen. Wir müssen uns nun noch viel mehr anstrengen.

MusikBlog: Wie habt ihr Rob überhaupt davon überzeugen können bei euch mit einzusteigen?

Rory Loveless: Als wir ihn fragten, arbeitete er gerade in einem Coffee Shop, daher mussten wir ihm nicht lange Honig ums Maul schmieren. Er war schnell mit an Bord, denn er macht lieber Musik als Kaffee.

MusikBlog: War euer Produzent Ross Orton auch so einfach davon zu überzeugen nach dem Debüt wieder mit euch zu arbeiten?

Rory Loveless: Ja, zumindest hat er sich nicht lange bitten lassen. Wir sind ohnehin gute Freunde, daher war es für ihn eine vergleichsweise einfache Entscheidung. Ausserdem war es für alle praktisch, denn er lebt ebenfalls in Sheffield. Wir waren also ohnehin am selben Ort als wir mit der Tour fertig waren. Generell hatten aber beide Seiten das Gefühl die bestehende Zusammenarbeit des Debüts noch weiter ausbauen und auf ein höheres Level anheben zu können. Ross war ebenso wie wir sehr daran interessiert den nächsten Schritt zu wagen und konnte sich ein weiteres Album mit uns gut vorstellen.

MusikBlog: Wie es nun für euch nicht mehr auf dem Land festzusitzen, sondern in Sheffield zu wohnen?

Rory Loveless: Wir finden es super endlich in einer Stadt zu leben. Plötzlich haben wir wirklich etwas zu tun und starren vor Langeweile keine Löcher mehr in die Luft. Es macht es auch einfacher für uns unsere Freundschaften zu pflegen. Damals war es immer etwas nervig, wenn wir uns abends einmal eine Band ansehen wollten. Logistisch und zeitlich gab das immer Probleme. Jetzt spielen diese Faktoren keine Rolle mehr, was wir sehr genießen. Ich mag es auch von so vielen coolen Leuten umgeben zu sein. Auf dem Land hatte ich wenig Interesse daran viel mit anderen Menschen abzuhängen. Mittlerweile kann ich das Landleben viel mehr wertschätzen, aber wohl auch nur, weil ich nicht mehr dort leben muss und weiss, dass es für mich einen Weg dort heraus gibt.

MusikBlog: Warum hat es euch nicht, wie so viele andere Bands und Künstler im Allgemeinen, nach London verschlagen?

Rory Loveless: Sheffield war für uns die nächst größte Stadt. Auch wenn London ein reizvoller Ort ist, kennen wir dort kaum jemanden und die Mieten sind unglaublich hoch. Da erschien uns Sheffield doch als perfekte Lösung, um vom Land zu verschwinden, aber trotzdem in den Genuss eines urbanen Umfelds und den damit einhergehenden Möglichkeiten zu kommen. Sheffield hat gerade die richtige Größe. In London wird man fast schon mit einem kulturellen Überangebot bombardiert. Dagegen wirkt Sheffield viel übersichtlicher.

MusikBlog: Anfang des Jahres habt ihr in der David Letterman Show euer US-Fernsehdebüt gegeben. Schlotterten euch vorab die Knie oder war das vom reinen Nervenfaktor her keine große Sache?

Rory Loveless: Wir waren nicht allzu aufgeregt, aber es ist schon ein komisches Gefühl plötzlich in so einer Sendung aufzutreten. Da steht man dann in New York mitten in diesem denkwürdigen Theater und spielt vor einem Haufen von Leuten, die brav auf ihren Stühlen sitzen. Wir haben einfach versucht uns nicht verrückt zu machen und das Stresslevel so niedrig wie möglich zu halten. Ich muss gestehen, dass mir diese ganze Erfahrung ein wenig vom Glamour genommen hat, den die Sendung immer für mich ausgestrahlt hat. Es war toll ein Teil davon zu sein, aber dadurch ging auch ein wenig das Mystische daran verloren. Du stehst vor einem so großen Team, das jeden Abend so routiniert zusammenarbeitet. Für die ist es nichts besonderes mehr die nächste Band vor sich zu haben. Das Set ist und bleibt irgendwo dasselbe. Nur der Schneesturm hat zu der Zeit alles durcheinander gebracht.

MusikBlog: Auch eure Pläne vor Ort?

Rory Loveless: Nein, wir sind zum Glück davon verschont geblieben, was unsere Pläne und Aktivitäten vor Ort betraf. Ich erinnere mich noch daran, dass wir am Tag der Aufnahme für Letterman im Auto saßen und viele der Straßen aufgrund der Schneemassen geschlossen waren. Es war kaum jemand unterwegs, was für New York total untypisch ist. So fuhren wir dann seelenruhig zum Studio und ließen die leere Stadt an uns vorbeiziehen. Es war ein bisschen so wie im Film „28 Days Later“.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

Registriere dich, um es deinen Charts hinzuzufügen oder deinen Freunden zu empfehlen.