Lord Huron – Strange Trails – Chance verpasst

Manchmal können auch 60 Minuten eines Albums ungemein länglich wirken. So lange dauert es nämlich, bis sich “Strange Trails” zum größten Song aufschwingt und im knapp vier Minuten langen “The Night We Met” ein fantastisches Ende feiert. Warum nicht gleich so?

“Strange Tails” kränkelt vor allem daran, dass es mit seinen 14 Tracks nicht so recht anzufangen weiß, was es eigentlich möchte. Vieles klingt wie eine Mischung aus dem Pop von Mumford & Sons, dem seltsam Tänzelnden von Arcade Fire und dem ruhigeren Folk von Ryan Adams.

Das ist zwar des Öfteren schön, aber eben auch nicht unbedingt nötig. Lord Huron aus Michigan, USA entsprechen eben genau dem, was momentan im Indie-Folk schief läuft. Die Eigenständigkeit ist (fast) nicht vorhanden.

Zur Form läuft “Strange Trails” erst immer dann auf, wenn Lord Huron ein wenig an Tempo aufnehmen, anstatt sich in My Morning Jacket atmosphärischen Liedern zu verlieren. Das hatten wir schon vor über zehn Jahren in einer besseren Version. Ben Schneiders leicht quäkelnde Stimme verleiht den ansonsten recht straff und gerade abgemischten Stücken doch noch eine letzte scharfe Kante.

Hier liegt der positive Aspekt. So kommt “The World Ender” als fast rockabilly-ähnlicher Song daher. Ein Stil, den wiederum abertausende Bands heutzutage wieder aufgreifen, aber somit gehört er doch zu einem der stärksten Stücke auf “Strange Trails”.

Weiter entfernt vom Folk finden sich Lord Huron nicht mehr wieder. Selbst so ein einfacher CountryFolk-Schunkler wie “Fool For Love” wird durch Ben Schneiders Stimme zu einem kleinen Ereignis. Schade eigentlich, dass der gute Mann seine Stimme nicht immer in solch abwechslungreicher Form präsentiert.

Ein Highlight ist aber dennoch das melancholische und wunderbar sehnsüchtige “The Yawning Grave”, das mit einer traurigen Akustik-Gitarre beginnt, und das so bezaubernd schmerzig gesungen ist, dass es einen unmittelbar trifft.

Lord Huron versemmeln die Chance, sich mit “Strange Trails” ein eigenes Gesicht zu geben, ihrem Sound eine eigene Handschrift zu verpassen. Sie sollten ihrem Sound einen erdigeren und vor allem ganzheitlichen Anstrich verpassen, dann besteht durchaus die Chance, sich aus der Masse herauszuheben.

Stattdessen schippert das Quartett zu oft in den sicheren Gewässern von ihren schon genannten Vorbildern. Und wer will das wirklich noch, geschweige denn hören? So bleibt das trotz aller Kritik immer noch gute “Strange Trails” hinter den Erwartungen zurück.

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