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Peter Broderick (Credit Bella Union)

Peter Broderick – Colours Of The Night – Tiefenentspannt

Portland, Oregon ist so etwas wie das Mekka für Indie-Künstler in den USA. Nicht nur Elliott Smith hat hier seine Spuren hinterlassen, auch Interpreten wie The Shins, The Decemberists, Spoon, 31 Knots, M. Ward u.v.a. waren oder sind mit Portland verbunden. Auch der Singer/Songwriter Peter Broderick ist mit der Region verwurzelt. Er ist ein sogenannter Multiinstrumentalist und spielte bei Soloplatten von M. Ward ebenso wie bei Aufnahmen von She & Him (in persona eben jener M. Ward plus Zooey Deschanel) mit. Für Efterklang wirkte er auf der Bühne und deren Platte „Parades“ mit.

Als eigenständiger Künstler veröffentlichte er 2008 sein Debütalbum „Float“, auf dem er den Spagat zwischen Folk und Experiment wagte. Broderick ist zudem ein Freund moderner Klassik und das 2009 erschienene „Music For Falling From Trees“ war Gegenstand einer Performance der Choreographin Adrienne Hart. Nachdem er sich mit Nils Frahm angefreundet hatte, brachte er mit Unterstützung von eben diesem sein Debüt „Float“ 2013 neu heraus. Zudem war Broderick an einigen Kollaborationen und Soundtracks beteiligt und hat weitere Platten unter seinem eignen Namen veröffentlicht.

Bisher hat der vielseitige Künstler nahezu alle Instrumente auf seinen Veröffentlichungen selbst eingespielt, für das aktuelle „Colours Of The Night“ hat er sich nun zum ersten Mal eine Begleitband ins Studio geholt. Die hat sicherlich dazu beigetragen, dass das neue Material ziemlich entspannt daherkommt. Broderick hat zwar die fertigen Songs mitgebracht, ließ den Musikern aber Freiraum, um den Liedern vielfältigere Klangfarben als bislang beizubringen.

Die Studioatmosphäre muss entspannt und konzentriert gewesen sein, denn bereits das Album eröffnende „Red Earth“ hat einen nahezu meditativen Charakter, bei dem Akustikgitarre, Drums, weibliche Background Vocals, Naturgeräusche und weiteres Beiwerk ein stimmiges Ergebnis zeitigen. „The Reconnection“ hat eher die Farben des Frühlings und nicht die des Albumtitels. Und wie hört es sich wohl an, wenn The Sea And Cake Nick Drake interpretieren würden? Lauschen sie dem Titelsong, der vermittelt dies gekonnt und geschickt, vermählt Jazz mit den Farben des Folk.

In der Folge setzt Peter Broderick weiter auf eine zurückgenommene, dennoch akzentuierte Instrumentierung. Dabei hat das Album wiederholt feierliche, manchmal gar pastorale Momente und Sequenzen, die zur Einkehr einladen. Anderes klingt nach entfernter Verwandtschaft zu Briten wie King Creosote oder James Yorkston. Wobei Perlen wie „Our Best“ oder „More And More“ ganz besondere Farben der Nacht hervorbringen.

Peter Broderick hat die Gabe Folk, Jazz, Neo-Klassik und Experiment organisch zusammenzuführen und mit seiner warm phrasierenden Stimme flüstert er einem bedächtig seine Geschichten ins Ohr. In der Summe ist das Album eine tiefenentspannte Angelegenheit, bei der auch nicht ein Hauch von Langeweile aufkommt. Vielmehr gibt man sich den sanft schwingenden Melodiebögen hin und erfährt dabei eine superangenehme Entspannung.

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