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SOAK (Credit Annett Bonkowski/MusikBlog)

In meiner Phantasie geht es rund – SOAK im Interview

Theoretisch noch mitten im Teenager-Alter ist Bridie Monds-Watson aka. SOAK hinsichtlich ihrer musikalischen Erfahrung schon weit darüber hinaus geklettert und längst nicht mehr grün hinter den Ohren. Das wird besonders schnell deutlich, wenn man sich ihr Debüt „Before We Forget How To Dream“ zu Gemüte führt. Auf diesem vereint die Singer-Songwriterin aus Nordirland eine bemerkenswerte Reife mit einem tief im Folk verwurzelten Sound, der sie in ihrer Heimat bereits früh auf den Radar der Fachpresse, Fans und Label-Bosse beförderte. Nach einem langen Tag in der Gegenwart eines Dutzends Journalisten wirkt Bridie immer noch gut gelaunt als wir sie in einem Berliner Hotel zum Gespräch treffen. Wir hakten einmal nach, wie es um ihre eigenen Träume steht, warum sie die Musikschule gegen das wahre Musikerleben tauschte und wie man in so jungen Jahren karrieretechnisch einen kühlen Kopf bewahrt.

MusikBlog: Würdest du dich als eine verträumte Person bezeichnen?

Bridie Monds-Watson: Ich kann zumindest von mir behaupten eine große Vorstellungskraft zu besitzen. Dennoch habe ich, was das konkrete Träumen angeht, keine sehr lebhaften Erfahrungen. Nur in meiner Phantasie geht es manchmal rund, aber das ist in meinen Augen etwas Gutes. Der Albumtitel „Bevor We Forget How To Dream“ bezieht sich auf diese Phase, in der man plötzlich anfängt richtig zu arbeiten, um Geld zu verdienen und folglich nur noch damit beschäftigt ist. Dabei vergisst man dann oftmals das Träumen. Ich schätze meine Träume sind meist sehr realitätsnah.

MusikBlog: Wie sehr spielt diese Tatsache mit in deine Arbeit hinein?

Bridie Monds-Watson: Für mich gibt es bezüglich meiner Arbeit keine Grenzen, die ich aufbrechen muss. Ich versuche immer mich so weit wie möglich vorzutasten. Ähnlich wie in meinen Träumen, in denen meine Vorstellungskraft ebenfalls nicht begrenzt ist. Zu Hause gibt es ein Spiel, dass meine Freunde und ich öfter betreiben. Dabei geht es darum eine möglichst absurde Aussage zu treffen, die inhaltlich am besten so weit wie möglich vom vorherigen Satz der anderen Person entfernt ist. Das kurbelt die eigene Vorstellungskraft ungemein an!

MusikBlog: Für Interviews wäre dieses Spiel allerdings tödlich, wenn auch sehr unterhaltsam.

Bridie Monds-Watson: Ich glaube, es würden ein paar sehr komische Dinge dabei herauskommen!

MusikBlog: Wie gut bist du darin deine Mitspieler mit deiner Phantasie in den Schatten zu stellen?

Bridie Monds-Watson: Mir kann keiner das Wasser reichen! Du solltest es auch einmal versuchen. Es ist eine tolle Übung. Man wird jedes Mal total überrascht, was dabei herauskommt. Meine Freunde und ich haben vor ein paar Monaten damit angefangen und es wird mit zunehmender Zeit immer verrückter. Es macht vor allem Spaß.

MusikBlog: Nimmst du davon hier und da auch etwas für deine Songs mit?

Bridie Monds-Watson: Ja, bestimmt, denn es ist eine tolle Art mit seinen Gedanken zu spielen. Das Unterbewusstsein wird ständig angeregt und man realisiert oft erst viel später, dass trotzdem Bezüge zwischen den Aussagen bestehen. Ich wache manchmal nachts auf und habe plötzlich die perfekte Antwort, die mir in dem Moment nicht eingefallen ist.

MusikBlog: Bist du hinsichtlich deiner Musik auch immer auf der Suche nach den richtigen Eingebungen oder lässt du dich generell nicht beirren?

Bridie Monds-Watson: Beim Songwriting mache ich mir keine allzu großen Gedanken darüber irgendwelche Antworten auf Dinge zu finden, die mich beschäftigen. Normalerweise sitze ich da, spiele auf der Gitarre und singe bis ich am Ende alles so für mich sortiere, dass es passt. Ich folge gerne einer Melodie und lasse mich lyrisch davon bewegen. Da ich keine Popsongs schreibe und einen Hit nach dem nächsten ins Auge fasse, funktioniert diese Art des Songwritings sehr gut für mich. Da in meinen Songs viel Ehrlichkeit steckt, macht es Sinn für mich auf diese Weise zu arbeiten.

MusikBlog: Deine erste Liebe galt dem Schreiben von Gedichten. Wann ließt du dich schließlich auf die Musik ein, um deinen Texten in anderer Form eine Plattform zu geben?

Bridie Monds-Watson: Ich habe recht früh mit dem Gitarrenspiel angefangen, aber es hat ein wenig gedauert bis ich genug Selbstvertrauen entwickelt hatte wirkliche Akkorde zu spielen und diese dann auch mit meinen Texten zu verbinden. Es gab keinen wirklichen Knackpunkt, an dem ich mich plötzlich dazu berufen gefühlt habe in dieser Form Songs zu schreiben. Es hat sich einfach so ergeben. Gerade, weil es für mich eine Möglichkeit war bestimmte Situationen und Erlebnisse anderen auf diesem Weg mitzuteilen. Ich mochte es auch einmal etwas zwischen den Zeilen zu verstecken, das nicht allzu offensichtlich war, aber dennoch gehört werden konnte. Mit 12 Jahren beließ ich es noch dabei in Cover-Bands zu spielen. Ein Jahr später hatte ich dagegen schon das Bedürfnis eigene Songs zu schreiben.

MusikBlog: War es für dich am naheliegendsten dafür die Gitarre zur Hand zu nehmen?

Bridie Monds-Watson: Ehrlich gesagt, bin ich über ein Spiel dazu gekommen, denn meine Freunde und ich hatten eine Art Wettbewerb laufen.

MusikBlog: Noch ein Spiel?

Bridie Monds-Watson: Ja, ich weiss! Eigentlich wollte ich aber immer ein Schlagzeug haben. Als ich neun Jahre alt war, wünschte ich mir eins von meinen Eltern, aber bekam nie eins. Ein Freund von mir, der gleich nebenan wohnte, wollte auch eins von seinen Eltern haben und bekam es schließlich auch, obwohl er nicht einmal an Musik interessiert war. Das hat mich total wütend gemacht. Dafür bekam mein älterer Bruder aber wenig später eine Gitarre geschenkt, die ihn zum Glück nicht besonders interessierte. Also schnappte ich mir das Ding und er brachte mir die ersten Akkorde bei. Zu diesem Zeitpunkt begriff ich, dass ich das erste Mal in meinem Leben wirklich so etwas wie ein Hobby hatte. Und nebenbei auch ein gewisses Gespür für die Musik. Von da an entwickelte ich die nötige Entschlossenheit diesen Weg weiterzugehen.

MusikBlog: War das auch der Moment, in dem du beschlossen hast eine Musikschule zu besuchen?

Bridie Monds-Watson: Ich dachte, dass es die beste Möglichkeit war, um wirklich gut zu werden und einen größeren Einblick in die Musik zu bekommen. Gleichzeitig bekamen aber verschiedene Labels Wind von meinen Songs und flogen extra zu mir, um mich in meinem Haus zu besuchen und mit mir über meine Musik zu sprechen. Das war schon ziemlich verrückt. Mit siebzehn unterschrieb ich dann meinen ersten Vertrag und ging mit Snow Patrol auf Tour. All diese Erlebnisse haben mich immer mehr von der Schule abgelenkt und ich habe realisiert, dass ich diese Chancen unbedingt wahrnehmen wollte anstatt in der Schule zu sitzen. Irgendwann fehlte ich so oft, dass es unweigerlich darauf hinauslief, dass sie mich rausschmissen. Das war aber nicht so dramatisch für mich, wenn ich ehrlich bin. Wenn du mit deinen Idolen, wie in meinem Fall mit Tegan & Sara auf Tour gehen kannst, dann kann man das verschmerzen. Es war viel zu schwierig eine richtige Balance zwischen diesen beiden Welten zu schaffen. Einzig und allein meinen Eltern tat es leid, denn sie wollten, dass ich einen Abschluss mache.

MusikBlog: Du warst also unbesorgt und hast dich trotz des fehlenden Abschlusses in keinster Weise verrückt gemacht?

Bridie Monds-Watson: Nur für einen Moment. Mein erster Gedanke nach dem Rauswurf war schon, dass ich nun besser etwas Richtiges auf die Beine stellen sollte, um es später nicht zu bereuen. Aber eigentlich schützt einen ohnehin nichts und niemand davor, wenn es doch nicht mit der geplanten Karriere klappt. Selbst ein Plattenvertrag ist keine Sicherheit, dass du es auch wirklich schaffen kannst dich zu behaupten. Natürlich hätte ich warten können bis ich älter bin, aber das hätte mir wohl nichts gebracht. Ich wollte produktiv sein und empfand den Zeitpunkt als richtig mich auf diese Weise voll und ganz auf die Musik zu konzentrieren.

MusikBlog: Wie bist du damit klar gekommen schon so früh all diese Aufmerksamkeit der Plattenfirmen zu bekommen?

Bridie Monds-Watson: Es war schmeichelhaft, aber auch komisch, denn welche Sechzehnjährige ist schon in dieser Position? Man versucht in diesem Alter ohnehin sich selbst besser kennenzulernen und herauszufinden, wer man eigentlich ist. Und dann stehen Labels vor der Haustür und wollen mit einem über die nächsten zehn Jahre deines Lebens sprechen. Das kann einem mitunter auch etwas Angst einjagen. Man hat in diesem Alter nun einmal so gut wie keine Erfahrungen gesammelt und muss plötzlich so wichtige Entscheidungen für die eigene Zukunft treffen. Meine Eltern haben mich sehr dabei unterstützt und mich davor bewahrt mich Hals über Kopf in irgendeine Richtung zu stürzen.

MusikBlog: Hast du bei den Aufnahmen zu deinem Debüt ebenfalls einen so kühlen Kopf bewahrt?

Bridie Monds-Watson: Ich habe es versucht, aber trotzdem gibt es Momente, in denen man ein wenig Angst vor dem hat, was da auf einen zukommt. Dann wiederum besinnt man sich auf all das, was man auf seinem Weg dorthin für sich mitgenommen hat und vertraut auf das Umfeld, das in meinem Fall aus vielen tollen Menschen besteht, die an mich glauben. Es wäre für mich wohl am Schlimmsten, wenn ich diese Leute in irgendeiner Form enttäuschen würde. Sobald ich aber im Studio war und wirklich intensiv anfing an der Platte zu arbeiten, wurde ich sehr viel entspannter und bekam dieses Grundvertrauen, dass alles gut werden würde. Ich bin nicht mit einem bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Plan ins Studio, sondern habe mir erlaubt während des Prozesses bestimmte Entscheidungen zu treffen, was sich als gut für das Ergebnis herausgestellt hat. Mein Produzent Thomas McLaughlin hat mir ebenfalls sehr dabei geholfen das beste aus den Songs herauszuholen. Er ist wahnsinnig gut, in dem was er tut.

MusikBlog: Wie war es für dich in Derry aufzuwachsen?

Bridie Monds-Watson: Alles fühlt sich so klein an, wenn man dort ist. Manchmal muss man nur eine Straße hinunter gehen und es kommt einem so vor, als hätte man jeden Bewohner der Stadt gesehen. Ich habe meine Kindheit dort aber sehr genossen und finde es ist ein guter Platz, um aufzuwachsen. Ausserdem hatte ich Glück, denn alle meine Freunde lebten auch dort und so waren wir ständig zusammen. Es ist schön, wenn man eine Gruppe von Freunden hat, die in ähnlichen Verhältnissen groß geworden sind und mit denen man die gleichen Erfahrungen gesammelt hat.

MusikBlog: Wie viel Zeit verbringst du dort noch inmitten all deiner Verpflichtungen als Vollzeitmusikerin?

Bridie Monds-Watson: Ich bin pro Monat zur Zeit maximal eine Woche lang zu Hause. Mehr ist nicht drin, auch wenn ich gerne mehr Zeit hätte, um mit meinen Freunden zusammen zu sein und die typischen Teenager-Dinge zu machen, wie mit dem Auto herumzufahren und all das. Wenn ich jetzt zurückkomme, stecken die meisten meiner Freunde in der Schule und mir wird erst recht wieder bewusst, wie unterschiedlich unser Rhythmus gerade ist.

MusikBlog: Kommst du gut mit deinem eigenen Rhythmus zurecht?

Bridie Monds-Watson: Meistens, aber ich bin sehr schlecht darin mir zu merken, wo ich mich gerade befinde. Ich dachte heute, dass ich in Hamburg bin. Nun bin ich schlauer und weiss, dass ich mich in Berlin befinde. Mein Zeitplan hält mich ganz schön auf Trab, daher ist es schön, wenn man ein gutes Team um sich hat, dass einem zur Seite steht…und einen daran erinnert, wo man gerade steckt. Ansonsten habe ich mich gut auf das ständige Unterwegssein eingestellt. Ich werde nur immer sehr dickköpfig, wenn ich nichts esse!

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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