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In so einer Gesellschaft leben wir aber nicht – Lowell im Interview

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Spätestens seit der Veröffentlichung ihres Debütalbums „We Loved Her Dearly“ steht das Leben von Elizabeth Lowell Boland alias Lowell Kopf. Plötzlich reißen sich alle um die junge blonde Kanadierin mit der glasklaren Stimme. Vom „next big thing“ ist gar die Rede, wenn in Pop-Experten-Kreisen der Name Lowell fällt. Natürlich überzeugt die Songwriterin in erster Linie mit ihrer Musik; einer Klang-Melange aus düsterem Indie-Pop und flimmerndem Elektro-Wave. Doch Lowell hat noch mehr zu bieten. Mindestens ebenso viel Aufsehen erregen ihre Texte. Ohne Scheu und frei von der Leber weg kehrt die Sängerin ihr Innerstes nach außen. Dabei kommt so manches ans Licht, das dem einen oder anderen Hörer die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Klingt spannend? Ist es auch. Wir verabredeten uns mit Lowell und bohrten ein bisschen nach.

MusikBlog: Hi Lowell. Vor zwei Monaten kam dein Debütalbum „We Loved Her Dearly“ raus. Seitdem liegt dir die Pop-Welt zu Füßen. Zu Recht?

Lowell: (lacht) Gute Frage. Ich kriege natürlich mit, dass sich momentan so Einiges an positivem Feedback ansammelt. Aber, ehrlich gesagt, interessiert mich das nur am Rande. Sicher, ich bin happy mit dem Album. Und ich freue mich auch, wenn es anderen Menschen gefällt. Aber das Business ist so schnelllebig. Die Sounds, die heute abgefeiert werden, können morgen schon wieder auf dem Müll landen. Richtige Glücksgefühle übermannen mich derzeit eigentlich nur dann, wenn ich mitbekomme, dass meine Texte irgendetwas in Bewegung bringen.

MusikBlog: Wie viele solcher Momente hattest du denn in den vergangenen Monaten?

Lowell: Schon einige.

MusikBlog: Du bist, nach eigener Aussage mit der Musik von Britney Spears und den Backstreet Boys groß geworden. Nicht gerade Künstler, die inhaltlich viel bewegt haben. Oder siehst du das anders?

Lowell: Ich beziehe mich da immer mehr auf die Musik. Inhaltlich orientiere ich mich nur an mir selbst. Es geht um meine Geschichten, meine Erfahrungen und meine Gefühle.

MusikBlog: Musik als Selbsttherapie?

Lowell: Ja, in gewisser Weise schon. Ich bin bisexuell, habe vor der Musik als Stripperin gearbeitet und nehme kein Blatt vor den Mund. Das ist eine Kombination, die nach einer Therapie nur so schreit, findest du nicht? (lacht)

MusikBlog: Alles eine Frage der Sichtweise. In einer offenen und toleranten Gesellschaft sollte ein derartiges Potpourri eigentlich kein großes Aufsehen erregen.

Lowell: Ja, so sehe ich das auch. In so einer Gesellschaft leben wir aber leider nicht. Ich habe sogar das Gefühl, dass die Grenzen immer enger gesteckt werden. Das ist traurig. Aber so ist es nun mal. Zum Glück hat die Kunst aber immer noch eine große Bedeutung. So kann man die Menschen erreichen. Und sich selbst natürlich auch.

MusikBlog: Bist du jemand, der das Gefühl hat, sich permanent erklären zu müssen?

Lowell: Es gibt solche Situationen. Und die nerven mich total. Man ist ja schließlich auch ein bisschen abhängig von seinem Umfeld. Die Freunde, die man hat, das Leben, das man führt: Man will es doch immer allen recht machen. Jeder soll sich wohlfühlen. Das klappt aber nicht immer. Ich kann mich beispielsweise an eine Phase erinnern, in der mich meine besten Freundinnen bewusst gemieden haben, weil sie herausgefunden hatten, dass ich auch auf Frauen stehe. Die gingen richtig auf Abstand, weil sie Angst davor hatten, ich könnte mich in eine von ihnen verknallen. Das war schon ziemlich heftig. Das eigentlich Schlimme war aber, dass ich mich zu der Zeit selbst verleugnet habe. Ich datete fortan nur noch Kerle, um die Wogen wieder einigermaßen zu glätten. Absurd, oder?

MusikBlog: Ja, aber auch irgendwie menschlich.

Lowell: Der Mensch hört auf, Mensch zu sein, sobald er sich von sich selbst entfernt. Und genau das habe ich getan. Ich bin aber gerne ein Mensch, verstehst du? Ich liebe meine Leben. Und ich stehe zu meinen Gefühlen. Die Musik hilft mir dabei, dass es auch so bleibt.

MusikBlog: Eine neue beste Freundin?

Lowell: Sozusagen. Sie lässt mich sein, wie ich bin. Sie hilft mir dabei, mich auszudrücken. Und sie trägt mein Innerstes in die Welt hinaus, was letztlich dazu führt, dass sich Menschen in ähnlichen Situation nicht alleine fühlen.

MusikBlog:  Und sie schließt Wunden. Stichwort: Albumtitel.

Lowell: Exakt. Der Albumtitel nimmt Bezug auf den Song „I Killed Sarah V.“ In diesem Song begrabe ich meine Vergangenheit als Stripperin. Als ich dieses Lied schrieb, fühlte ich viel Scham in mir. Da gab es diese Zeit, in der ich mich für Geld auszog. Da waren all diese gaffenden und sabbernden Kerle. Und immer wieder wurde ich von Menschen darauf hingewiesen, dass das alles dreckig und schlampig sei. Irgendwann fühlte ich mich auch dreckig und schlampig. Also schrieb ich diesen Song, um Sarah Victoria – so war mein Bühnenname – endgültig zu beerdigen. Als ich dann aber anfing, an dem Album zu arbeiten, merkte ich, dass ich mich für nichts zu schämen brauche. Ich habe niemandem weh getan und keine Gesetze gebrochen. Was soll also die ganze Aufregung? Sarah Victoria war ein Teil von mir. Und ehrlich gesagt: Es gab auch Momente, in denen mir die Arbeit als Stripperin Spaß gemacht hat. So what?

MusikBlog: Genau. So what?

Lowell: Eben. Also kramte ich diesen Teil meines Lebens noch einmal hervor und verkündete der Welt, dass Sarah eigentlich auch ganz cool war. (lacht) Es geht eigentlich nur darum, dass jeder Mensch auf dieser Welt Entwicklungen durchmacht. Man trifft Entscheidungen, trägt die Konsequenzen und lebt sein Leben. Die heutige Gesellschaft ist aber extrem engstirnig. Alles, was nicht in eine herkömmliche Schachtel passt, wird erst einmal argwöhnisch betrachtet. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um Musik, Jobs, Neigungen, Gefühle oder sonst was geht. Wer aus dem Rahmen fällt, bleibt draußen. Punkt.

MusikBlog: Es sei denn, man kämpft dagegen an.

Lowell: Ja, schon. Aber muss das denn sein? Warum gibt es so viele Schubladen auf dieser Welt? Es könnte alles so viel einfacher sein.

MusiBlog: Da hast du wohl Recht.

Lowell: Natürlich habe ich das. (lacht) Und mit meinen Texten versuche ich, dieses Denken zu verbreiten. Wenn es mir hilft, kann es auch anderen weiterhelfen. Musik kennt schließlich keine Grenzen.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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