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Kollaborationen funktionieren nicht – Franz Ferdinand im Interview

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Normalerweise kennt man solche Meldungen über Fusionen eher aus der Wirtschaft, wenn zwei Unternehmen ihre Verschmelzung bekannt geben. Stattdessen verkündeten jedoch die beiden Bands Franz Ferdinand und Sparks Anfang des Jahres ihre Fusion unter dem Akronym FFS und veröffentlichten ein gleichnamiges Album. Doch obwohl die vier Schotten seit ihrer Anfangszeit stets den großen Einfluss der Sparks auf ihre Musik betonen, überraschte diese Meldung. Denn einerseits unterscheidet sich der zackige Gitarrenpop von Franz Ferdinand deutlich vom überkandidelten, leicht operettenhaften Synthiepop der Brüder Russel und Ron Mael, andererseits liegen ziemlich genau 30 Jahre zwischen den Hochphasen der beiden Bands. Wir sprachen mit Franz Ferdinand Gitarrist Nick McCarthy über diese Unterschiede, über Humor als verbindendes Element und über das Gefühl, wenn man plötzlich mit den musikalischen Vorbildern in einer Band spielt.

MusikBlog: Schon bei eurem ersten Treffen mit Sparks vor ungefähr zehn Jahren entstand ja die Idee, zusammen Musik aufzunehmen. Dennoch kam das Projekt FFS erst 2013 mit einem kaputten Zahn wirklich in Schwung. Wie kam es dazu?

Nick McCarthy: Als wir uns das erste Mal trafen, kamen Sparks zu unserem Konzert in L.A. Sie haben sich bei uns vorgestellt, wir haben ihnen erklärt, dass wir große Fans sind und vorgeschlagen, dass man mal einen Song zusammen schreiben müsste. Das sagt man als Musiker öfter mal einfach so dahin, aber am nächsten Tag haben sie uns direkt einen geschickt. Da war klar, dass sie es ernst meinen. Allerdings waren wir damals jahrelang auf Tour, hatten einen vollen Terminplan – da hat das leider nicht hingehauen.

Vor zwei Jahren spielten wir wieder in L.A. ein Konzert, Alex [Kapranos, der Sänger von FF] musste zum Zahnarzt und hat die beiden Sparks Brüder dort zufällig auf der Straße getroffen. Diese Begegnung hat das Projekt dann wieder zum Leben erweckt. Wir hatten auch gerade Zeit, weil wir unser viertes Album fertig hatten, und dann ging eigentlich alles recht schnell. Wir haben uns gegenseitig Songs zugeschickt und letztes Jahr dann in zwei oder drei Monaten alles zusammengeschrieben.

MusikBlog: War es denn von Anfang an der Plan, ein ganzes Album zusammen aufzunehmen und auch auf Tour zu gehen?

Nick McCarthy: Nein, das hat sich einfach so ergeben. Wir haben Song für Song geschrieben, das lief sehr gut, plötzlich war dann schon nach ein paar Wochen ein ganzes Album da. Auch zusammen auf Tour zu gehen, war demnach ursprünglich kein Thema.

MusikBlog: Und dennoch startet nun eure Tour als FFS.

Nick McCarthy: Ja, das ist verrückt. Und vor allem ist es unheimlich schwierig, sich die ganzen Songs anzueignen. Wenn wir normalerweise ein neues Album schreiben und dann auf Tour gehen, haben wir vielleicht drei bis fünf neue Songs in unserem Repertoire. Dieses Mal sind es 20 oder 25 Lieder auf einmal! Wir sind alle mächtig am Schwitzen! (lacht)

MusikBlog: Mit den Titeln eines Albums kann man ja kein ganzes Konzert füllen. Werdet ihr also auch Stücke von Sparks und Franz Ferdinand spielen?

Nick McCarthy: Wir werden wahrscheinlich noch ein paar Hits von beiden Bands mit einbringen. Als Backing-Band der Sparks deren alte Hits zu spielen, das wird schon aufregend. Und umgekehrt werden sie natürlich auch bei unseren Songs mitspielen.

MusikBlog: Schon vor eurem ersten Treffen gab es ja eine Verbindung zwischen beiden Bands, denn in der ersten Probe als Franz Ferdinand habt ihr den Song „Achoo“ von Sparks gecovert. Kannst du dich noch erinnern, wieso ihr diesen Song gewählt habt?

Nick McCarthy: Ich weiß nicht mehr warum wir ihn gewählt hatten, es ging nämlich überhaupt nicht gut! (lacht) Wir dachten, wir könnten das spielen, aber das war ganz und gar nicht so. Nach ungefähr zwei Stunden haben wir dann aufgegeben. Uns hat fasziniert, dass die Musik der Sparks so bizarr und theatralisch klingt. In unserer Musik spielt nämlich Theatralik keine große Rolle und das macht jetzt auch FFS für uns so spannend. Heute können wir Sparks-Songs spielen, aber zu Beginn beherrschten wir unsere Instrumente noch nicht so richtig. Da war „Achoo“ kein guter Einstieg.

MusikBlog: Wie fühlt es sich an, plötzlich mit Künstlern in einer Band zu spielen, die man bewundert und die einen zu Beginn der eigenen Karriere beeinflusst haben?

Nick McCarthy: Es ist immer schön, wenn man Leute trifft, die man bewundert, und merkt, dass es nette und sympathische Menschen sind. Wir haben mit Franz Ferdinand schon viele Leute getroffen, die einen großen Einfluss auf uns hatten, und es hat sich eigentlich immer herausgestellt, dass sie ganz locker drauf sind und man mit denen gut abhängen kann. Sparks sind sehr clevere und sehr lustige Brüder, die ein faszinierendes Leben hinter sich und damit auch interessante Geschichten auf Lager haben. Allerdings gehen sie abends nicht aus, das ist ihr einziges Manko. Und für uns Schotten ist das wirklich hart, wenn jemand keinen Alkohol trinkt. (lacht)

MusikBlog: Sparks haben ihre Karriere ziemlich genau 30 Jahre vor euch begonnen. Macht dieser Erfahrungs- und Altersunterschied die Zusammenarbeit manchmal schwierig?

Nick McCarthy: Naja, das kann schon mal zu kleineren Konflikten führen, aber das war nie dramatisch. Insgesamt haben wir davon profitieren können, dass sie viel mehr Lebenserfahrung besitzen als wir.

MusikBlog: Aber abgesehen von dem Altersunterschied und den unterschiedlichen musikalischen Stilen eint euch ja ein ähnlicher Sinn für Humor, den man auf Songs wie „Dictator’s Son“ oder „The Power Couple“ hört.

Nick McCarthy: Um vernünftig zusammen arbeiten zu können, sollte man auch über ähnliche Dinge lachen. Und gerade Musik kann man nur dann überzeugend rüberbringen, wenn man auch Spaß daran hat. Ich hoffe sehr, dass man dem Album anhört, wie viel Spaß wir bei den Aufnahmen hatten und dass das alles nicht so ernst ist. Ich finde Humor in der Musik allgemein sehr wichtig. Das bedeutet natürlich nicht, dass man alberne Songs aufnehmen sollte. Dennoch will Musik ja letztlich immer Spaß bereiten und die Hörer aus der Realität in diese komische, seltsame Welt entführen. Da hilft Humor.

Sparks sind zwar aus L.A., aber ihre Art und ihr Humor sind sehr britisch. Als wir das erste Mal zusammen in einem Raum saßen, war es ziemlich schwierig, vorzuschlagen, wie man arbeiten könnte. Jeder war viel zu zuvorkommend, nach dem Motto: Wollt ihr vielleicht mit einem Akkord anfangen? Oder wir können auch mit einem Akkord anfangen, wenn euch das lieber ist. Sehr britisch! (lacht)

Man kann gar nicht glauben, dass sie aus den USA sind, weil einfach alles an ihnen so englisch ist. Deswegen verstehen wir uns auch so gut und deshalb waren sie in Großbritannien wohl auch so riesig. In England waren sie viel bekannter als beispielsweise in Deutschland. Als ich hier in Bayern aufgewachsen bin, waren Sparks überhaupt kein Thema. Im Radio liefen sie nicht und auch sonst kannte sie hier keiner. Das ist in Glasgow ganz anders. Jeder kennt sie und erinnert sich an ihren Auftritt bei „Top Of The Pops“. Man hatte beinahe Angst vor ihnen, weil sie so skurril waren mit ihrem schrägen Look. Wer trug schon in den 70er Jahren einen Hitlerbart? Das war extrem.

MusikBlog: Euer Bandname ist ein weiteres Beispiel für etwas schrägen Humor, schließlich ist „FFS“ unter Jugendlichen eher als Abkürzung für „for fuck‘s sake“ bekannt. Wer kam denn auf diese Idee?

Nick McCarthy: Unser Schlagzeuger Paul ist dafür verantwortlich. Das ist unser Internetjunkie, der starrt ständig wie ein Teenager auf seinen kleinen Bildschirm. Daher kannte er die Abkürzung, schlug sie vor und irgendwie fanden es alle sofort lustig. Unser erster gemeinsamer Song hieß „Piss Off“, da passt dann auch so ein Bandname.

MusikBlog: „Piss Off“ entstand ja schon nach dem ersten Treffen vor zehn Jahren, aber dann habt ihr ausgerechnet mit dem Song „Collaborations Don’t Work“ die Arbeit wieder aufgenommen. Warum sind Kollaborationen keine gute Idee und warum sind FFS die Ausnahme von dieser Regel?

Nick McCarthy: Dazu muss man sich die Musik anhören. Im Allgemeinen bin ich aber wirklich kein Freund dieser Zusammenarbeiten, das kommt meistens erzwungen oder seltsam rüber – so wie neulich bei Paul McCartney mit Rihanna und Kanye West. Da klopft man sich dann gegenseitig anerkennend auf die Schulter, aber die Musik ist meistens nicht so toll. Eigentlich sind wir aber ja gar keine Kollaboration, wir sind einfach eine neue Band.

MusikBlog: Was du gerade angesprochen hast, sind ja auch meist einzelne Künstler aus verschiedenen Bands, die dann eine Supergroup gründen. Bei euch haben aber zwei komplette Bands fusioniert.

Nick McCarthy: Es passt so einfach. Wir haben das Album zusammen in einem Raum live eingespielt und das hat super funktioniert. Im Prinzip haben wir jetzt noch einen verdammt guten Keyboarder dazu bekommen. Ich stelle mich auch immer ganz nah zu Ron, damit ich etwas von seinem Talent abbekomme. (lacht) Die zwei Stimmen ergänzen sich auch gut: Russel [Mael, der Sänger von Sparks] singt ja sehr hoch und Alex ziemlich tief. Bisher habe ich immer den Gegenpart zu Alex gegeben, aber Russel macht das noch ein wenig besser.

MusikBlog: Aber um noch mal auf den Song „Collaborations Don’t Work“ zurückzukommen. Hattet ihr wirklich die Sorge, dass eure Fans eventuell nichts mit FFS anfangen können?

Nick McCarthy: Klar, es wird auf jeden Fall Leute geben, die damit nichts anfangen können. Vielleicht denken einige Fans von Franz Ferdinand: Oh Gott, was ist denn das? Wo haben die denn diese alten Typen her? Oder eben Fans von Sparks: Was wollen die bloß mit dieser Mainstream-Band Franz Ferdinand? Man kann letztlich nur machen, worauf man Lust hat, und dann abwarten, was die anderen so denken.

MusikBlog: Auch bei eurer Tour wird es ja sicher spannend, wie sich das Publikum zusammensetzen wird.

Nick McCarthy: Ich stelle mir immer vor, dass nur 40 Jahre alte Männer kommen. Es werden natürlich einige Sparks-Fans erscheinen, die uns nicht kennen, aber umgekehrt hoffentlich auch ein paar Jugendliche. Unser erstes Konzert findet in Glasgow statt, und hier sind Sparks wirklich bekannt, das Konzert ist auch restlos ausverkauft. Aber auch von unseren Freunden haben sich sehr viele angekündigt, es wird also aufregend.

MusikBlog: Ihr habt die Songs ja getrennt geschrieben, indem ihr euch Demos zugeschickt habt. Kannst du erklären, wie das genau ablief?

Nick McCarthy: Zuerst haben wir uns mit Sparks getroffen und das gemeinsam besprochen, aber da kam eigentlich gar nichts bei raus. Dann sind wir beide in unsere jeweiligen Länder zurück und haben uns Sachen zugeschickt und plötzlich lief es super. Es war bei jedem Song ein wenig anders. Manchmal haben wir Musikstücke geschickt und Sparks haben dann Lyrics oder ein Klavier darüber gelegt, oder sie haben den Song geschickt und wir haben die Band-Arrangements dafür geschrieben. Ein anderes Mal haben wir einfach nur Lyrics geschickt und sie haben den Song dazu gebastelt. Umgekehrt bei „Things I Won’t Get“: die Lyrics sind komplett von Sparks, die Musik stammt von uns. „Police Encounters“ war ein alter Backing-Track, den wir für unser letztes Album aufgenommen, aber nicht benutzt haben. Das lief alles sehr harmonisch. Alex und ich haben uns jeden Tag bei mir im Studio getroffen, die beiden Sparks treffen sich sowieso jeden Tag und dann hatten wir in ungefähr einem Monat alle Songs.

MusikBlog: Aber nach diesem getrennten Schreibprozess habt ihr gemeinsam in einem Raum aufgenommen. War das wichtig, damit aus FFS eine echte Band wird?

Nick McCarthy: Natürlich hätte man das auch anders lösen können, aber wir haben schnell gemerkt, dass es etwas Besonderes ist, wenn wir zusammen spielen. Und darum sollte es bei einer Band ja letztlich auch gehen, dass man zusammen in einem Raum steht und Musik macht. Nicht die Aufnahme ist das wichtige, sondern das Zusammenspiel. Das muss man irgendwie auf die Platte kriegen, das ist das Magische.

MusikBlog: Manche Songs sind ja aus einer Ich-Perspektive geschrieben, werden aber dennoch von Alex und Russel gesungen. War das ein Trick, um verschiedene Blickwinkel auf eine Geschichte zu ermöglichen?

Nick McCarthy: Das war auch wieder eine Frage des Humors. Es ist einfach lustig, wenn sich diese beiden sehr markanten Stimmen plötzlich als Erzähler abwechseln. Und wahrscheinlich hat jeder von ihnen unterschiedliche Persönlichkeiten, die in ihm stecken – einen Alex und einen Russel.

MusikBlog: Insgesamt klingt das, als sei das Experiment FFS für alle Beteiligten ein großer Spaß und Erfolg. Gibt es denn auch Pläne über das Album und die Tour hinaus?

Nick McCarthy: Gerade versuchen wir, die Tour in den USA noch fortzusetzen. Ansonsten haben wir aber noch nicht darüber gesprochen, ob wir weitermachen werden. Wir haben noch ein paar Songs auf Lager, die wir noch aufnehmen könnten. Wir müssen aber auch abwarten, wie gut wir im Tourbus miteinander klarkommen. Mit all den Groupies und so. (lacht)

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview!

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