Man fängt jedes Mal wieder bei Null an – The Maccabees im Interview

Die fünf The Maccabees-Verantwortlichen Orlando Weeks (Gesang), Hugo White (Gitarre), Felix White (Gitarre, Gesang), Rupert Jarvis (Bass) und Sam Doyle (Schlagzeug) musizieren nun schon seit fast zwölf Jahren zusammen. Drei Studioalben stehen bisher zu Buche. Und mit jeder weiteren Veröffentlichung kamen die Londoner Indie-Rocker dem britischen Charts-Thron ein Stück näher. Nachdem das letzte Album “Given To The Wild” vor drei Jahren die Top 5 knackte, soll das neue Werk “Marks To Prove It” nun endlich den Gipfel erklimmen. Wir trafen kurz vor dem Release des neuen Albums auf Sänger Orlando Weeks und sprachen mit ihm über neue Sounds, neue Gesichter und alte Vorlieben.

MusikBlog: Hi Orlando. Die Presse ist schon ganz hibbelig. Alle Welt wartet auf euer neues Album. Für viele steht bereits fest: “Marks To Prove It” wird in eurer Heimat die Charts von oben anführen. Wie nehmt ihr die derzeitige Stimmung wahr? Wird die Vorfreude zusätzlich gepusht? Oder entsteht auch Druck?

Orlando: Es ist ein Mix. Wir versuchen, uns nicht verrückt zu machen. Natürlich bekommen wir den Hype mit. Aber wir bleiben auf dem Boden. Die Platzierung in den Charts interessiert uns nicht wirklich. Das ist eine Sache, die für andere Leute relevant ist. Uns ist einfach nur wichtig, ein gutes Album am Start zu haben.

MusikBlog: Und? Habt ihr ein gutes Album am Start?

Orlando: Ich denke schon. (lacht) Wie findest du es denn?

MusikBlog: Ich finde, ihr habt diesmal viel gewagt. Es gibt auf dem Album jede Menge Neues zu entdecken. Das gefällt mir.

Orlando: Ja, das sehe ich auch so. Es war ein langer Prozess und nicht immer einfach. Aber es hat sich gelohnt.

MusikBlog: Was genau war nicht immer einfach?

Orlando: Nun, jedes neue Album zieht einen Schwanz hinterher, den man vorher nicht so auf dem Schirm hat. Als wir das letzte Album fertig hatten, sind wir danach auf Tour gegangen. Wir hatten eine tolle Zeit und das Gefühl, nichts könnte uns mehr im Weg stehen. Als wir dann aber wieder zu Hause ankamen und uns mit neuen Ideen beschäftigen wollten, merkten wir, dass wir wieder am Anfang eines Prozesses stehen.

MusikBlog: Mit Fahrradfahren hat das Produzieren eines neuen Albums also nichts zu tun?

Orlando: Du meinst: Wenn man es einmal kann, dann verlernt man es nicht mehr?

MusikBlog: Genau.

Orlando: Nein, leider nicht. (lacht) Ich wünschte manchmal, es wäre so. Aber so läuft das nicht. Man fängt jedes Mal wieder bei Null an. Und damit meine ich nicht nur das Schreiben von Songs. Da steckt viel mehr dahinter. Jeder in der Band macht ja zwischen zwei Alben seine individuellen Erfahrungen. Und jeder will diese dann auch mitteilen. Da geht es dann um das Finden der richtigen Balance. Das ist ein ziemlich sensibler Prozess.

MusikBlog: Gab es dahingehend Stress untereinander?

Orlando: Nein, gar nicht. Wir kennen uns alle schon so lange. Jeder weiß, wie der andere tickt. Es ging eher darum, die Dynamik innerhalb der Band in Töne umzuwandeln. Und das kann manchmal ganz schön dauern.

MusikBlog: Irgendwo war von achtzehn Monaten die Rede.

Orlando: Gut möglich. (lacht) Ich habe die Tage nicht gezählt. Aber, wie gesagt, ich denke, dass sich jede Minute Arbeit gelohnt hat. Ich habe mich unheimlich wohl beim Einsingen gefühlt. Die Songs fühlen sich richtig gut an. Und wie du bereits gesagt hast: Es gibt viel Neues zu entdecken. Wir haben viel mit dem Klavier gearbeitet. Es gibt Percussion-Highlights, Phasen auf der Platte, die sehr reduziert instrumentiert daherkommen, aber auf der anderen Seite auch majestätische und hymnenhafte Momente. Wir haben einfach versucht, alles in den Topf zu werfen, was uns als Band bisher ausgezeichnet hat. Und dann haben wir nach Nischen gesucht, in denen wir zusätzlich Neues einbinden konnten. So entstand dann beispielsweise ein sehr persönlicher Song wie “Pioneering System”; in meinen Augen, ein Track, bei dem wir totales Neuland betreten.

MusikBlog: Mit Laurie Latham (Echo & The Bunnymen, The Stranglers) habt ihr erneut einen Produzenten gewählt, mit dem ihr vorher noch nie zu tun hattet. Wie wichtig ist euch dieser stetig frische Input von außen?

Orlando: Es ist immer spannend, wenn sich neue Ideen mit bereits bestehenden zu einem großen Ganzen verbinden. Diesen Moment brauchen wir einfach. Und mit Laurie hatten wir diesmal einen Menschen an Bord, der unheimlich viel Neues mit im Gepäck hatte. Das war wichtig für den Produktionsprozess.

MusikBlog: Ihr hättet aber auch gerne wieder mit Markus Dravs zusammengearbeitet, habe ich irgendwo gelesen. Stimmt das?

Orlando: Ja, Markus hätten wir gerne mit eingebunden.

MusikBlog: Aber?

Orlando: Es ließ sich leider zeitlich nicht einrichten. Als wir jemanden brauchten, war Markus gerade mit dem letzten Florence And The MachineAlbum beschäftigt. Letztlich spielen Namen aber keine Rolle. Wichtig ist nur, dass der, der letztlich mit dabei ist, etwas mit einbringt. Und das war bei Laurie der Fall. Er hat wirklich einen tollen Job gemacht.

MusikBlog: Nach der Albumveröffentlichung stehen natürlich jede Menge Gigs an. Wie groß ist die Vorfreude?

Orlando: Bei mir hält sie sich in Grenzen. (lacht)

MusikBlog: Bitte?

Orlando: Nein, natürlich freue ich mich auf die anstehenden Shows. Aber es ist auch so, dass ich wahrscheinlich einer der wenigen Musiker auf dieser Welt bin, die das Schreiben neuer Songs cooler finden, als das Live-Spielen.

MusikBlog: So etwas höre ich normalerweise nur von Pop- und Elektro-Band-Mitgliedern.

Orlando: Keine Ahnung, warum das bei mir so ist. Wenn ich auf der Bühne stehe, ist alles bestens. Dann will ich auch nirgendwo anders sein. Aber tief in mir schlummert halt auch dieser Drang, ständig Neues kreieren zu müssen. Und das funktioniert zu Hause oder eben im Studio nun mal am besten.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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